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Der Orient · 1842-03-05 · 10 (5.3.1842) · p. Spalte 151-152

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
10 (5.3.1842)
Date
1842-03-05
Page
Spalte 151-152 (sequence 4)
Language
German
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151 152 Literarische Uebersichten. vorzugehen scheint), deren Beginn man dann mit der Chronik (2 Chr. 34, 3.) in das 12. Jahr Josia's setzen muß. Habakuk steht zwischen den beiden letztgenannten Propheten; er bildet den Schlußstein der je satanischen Prophetenschule, Zefanja eröffnet die jeremianische"). Wir habew in der Bestimmung seiner Zeit die Wahl zwischen der letzten Regierungszeit Hiskia's, der Manasse's und Amon's und der Josia's. Ergiebt sich aus andern gewichtigen Gründen, daß er unter einen dieser Könige gehört, so ist die chronologische Ordnung des Dodekapropheton auch in Bezug auf Habakuk gerechtfertigt und der Beweis, der daraus geführt wird, gewinnt in Verbindung mit den andern an innerer Bedeutung. (Beschluß folgt.) Literarische Uebersichten. Jüdische Briefe. -Zur Abwehr und zur Verständigung. Von Gabriel Ri e sser. Zweites Heft. Berlin 1842. Veit u. Comp. *) Niemand wird wohl in einem politischen Wochenbette das mit den rasch vorübereilenden und unaufhörlich wechselnden Ereignissen des Tages, sei es blos referirend oder auch mit Beifügung eignen Raisonnements, gleichen Schritt zu halten berufen ist, eine ausführliche Analyse eines Buches erwarten oder verlangen dürfen, welches literarische Verhältnisse der nächsten Vergangenheit mit steter.Beziehung auf eine religiös-sociale Frage in den Kreis 19) Crusius, Hypomnemata T. I. §. 93. Der Charakter Habakuks ist durchaus jesaianisch sowohl in der Diction (z. B. Hab. 2, 8. vgl. Jes. 5, 14.; Hab. 1, 11. vgl. Jes. .8, 6.; Hab. 1, 5. vgl. Jes. 29, 9.) als in Gedanken (z. B. Hab. 1, 6. vgl. Jes. 13, 17.; Hab. 2, 1. vgl. Jes. 21, 8.; Hab. 2, 18. vgl. Jes. 44, 10.; Hab. 2, 3. vgl. Jes. 46, 13.; Hab. 1, 14. vgl. Jes- 63, 19») und namentlich in der Verschmelzung des Epischen und Lyrischen. Parallel sind die Lriumphlieder über den König Babels bei Habakuk Cap. II. und Jes. XUI. (vgl. Hab. 2, 6 mit Jes. .14, 4.; Hab. 2, 17 mit Jes. 14, 8.; Hab. 2,' 9 mit Jes. 14, 13.). Die Weissagung Hab. 2, 14 weist offenbar auf Jes. 11, 9. (unter. Ahas) zurück. Daß Habakuk später als Jesaia sei, obschon dieser den Propheten der Folgezeit mit seinem weithinreichenden Seherblick vorauseilt, erhellt schon daraus, daß Jesaia den Einfall der Assyrier als das Nächstliegende im Auge hat, und, das Mtteninneliegende nur kurz berührend, die Zerstörung des babylon. Reiches vorherverkündet, während Habakuk bei dem Einfall der Chaldäer verweilt, und diesen als die über sein Zeitalter von Gott verhängte Strafe androht. Mit Zefanja beginnt im Dodekapropheton die jeremianische Periode, in die Crusius a. a. O. mit Unrecht Obadja rechnet. .. *) Diese Rec., aus dem Blatte „die Zeit" Nr. 47 abgedruckt, soll blos als Einleitung dienen zu einer später folgenden über dieses Buch. Red. Rießer's Jüdische Briefe. seiner Betrachtung zieht. — Daß der Verfasser das epinöse Lieblingsthema, welches er sich erkoren hat und dessen erschöpfende Behandlung ein integrirender Bestandteil seines Strebens und Wirkens geworden ist, auch in dieser Schrift mit hinreißender Beredsamkeit, mit seltenem Scharfsinne, mit glühender Begeisterung vertheidigt, wird uns ohnehin Jeder, der Riessers frühere Schriften kennt, aufs Wort zu glauben geneigt sein. Ist ja doch in den jüngsten Tagen selbst von einem seiner literarisch en Gegner (Gutzkow's Telegraph 1842, Nr. 4) und zwar von demselben, dem neben Menzel der Hauptangriffin dem vorliegenden zweiten Hefte der „jüdischen Briefe" gilt, im Wesentlichen die Wahrheit dieser Behauptung zugestanden worden! Bei Weitem schöner und glänzender aber als der Mu th, mit welchem Riesser den Angriffen so gewandter und renommirter Widersacher, wie Wolfgang Menzel, Heine, Gustav Pfizer, Herrmann Marggraff (vgl. „Jüd. Briefe" Heft.1. Berlin 1840) und Gutzkow entgegentritt — bei Weitem höher und heiliger noch, als der Eifer für die von ihm vertretene Sache, erscheint dem Referenten, der, als Jude, in der Sympathie für seine Glaubensgenossen übrigens vollkommen mit ihm übereinstimmt, der reine Enthusiasmus, den er für alle höh er en In Lessen der Me ns ch h ert, für die Fr eiheit Aller, für das Recht eines Jeden, für das g e sa m m t e Vaterland und dessen innere Fortbildung an den Lag Legt. Dies ist der Standpunkt, von welchem aus wir auch in diesem Organ der Oeffenttichkeit Beachtung und Theilnahme für das Buch und für die von. uns an dasselbe zu knüpfenden Betrachtungen hoffen dürfen. — Laut erhebt Riesser seine Stimme gegen jedes Vorrecht, gegen das Vorrecht der Geburt, wie gegen den Hochmuth der ungebildeten Reichen und gegen das Privilegium einer herrschenden Religion. Von .dieser Gesinnung, von diesem Charakter Riessers möge hier eine Stelle (S. 63—66) zeugen, die unmittelbar auf eine Parallele zwischen dem jungen Jerusalem (dem Originale von Göthe's Werther) und zwischen dem Dichter Michael Beer folgt, von denen der Erstere als Bürgerlicher, der Andere als Jude verletzt und zurückgesetzt, die ersten Keime des Todes in sich..ausgenommen haben .soll. Diese Schilderung nun ist es, die Riesser selbst mit folgendem Resume schließt: „Wir, die Kinder der Gegenwart, Plebejer oder Juden, wir leiden nicht mehr unter dem Hochmuthe, wenn wir auch noch unter dem Drucke litten, wir können bürgerlich unterdrückt, aber nicht sittlich gedemüthigt werden. Wir nehmen politische Gleichheit in Anspruch; aber die geistige ha-; ben wir uns errungen. Wir haben das Verwerfliche, das Niedrige des uns entgegenstehenden Uebermuths, des uns feindlichen Glaubens- oder Standes - Vorurtheils erkannt; darum zürnen wir wider dieselben; darum ringen wir mit ihnen. Scheltet nur unsem Zorn und unfern Kamps; sie sind es doch, die uns innerlich stark und gesund erhalten; in ihnen ist das heilende Gegengift wider die vergiftenden- Einflüsse des

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