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Der Orient · 1842-03-05 · 10 (5.3.1842) · p. Spalte 147-148

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
10 (5.3.1842)
Date
1842-03-05
Page
Spalte 147-148 (sequence 2)
Language
German
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147 148 Franz Delitzsch: Ueber die Prophetie Habakuk's. Hoheit und der Eroberung Nineves (625 v. Chr.) waren die Chaldäer sicherlich in einer steten Gebietserweiterung begriffen, obgleich die Eroberungszüge, durch welche das chaldäische Reich zu einer immer kolossaleren Größe heranwuchs und zum Principal Asiens sich emporschwang (Dan. 3, 31), bereits ehe die Reihe an Egypten , . Judäa und Phönicien kam, uns nicht ausgezeichnet sind. Habakuk konnte demnach die Chaldäer lange vor der Schlacht bei Circesium als ein eroberungssüchtiges, nach der Weltherrschaft strebendes Volk schildern, und doch zugleich ihren Einfall in Judäa und ihre da zu verübenden Verwüstungen etwas den fleischlich sichern, selbstvermessenen Judäern Unglaubliches nennen. Die Gründe also, durch die man die Annahme, daß Habakuk etwa zu Anfang des I. 604 unter Jojakim l6) geweissagt habe, zu stüzzen sucht, sind völlig unzureichend. ' > 7. f ■ Habakuk zwischen Hiskia bis Josia. Jndeß kann jene Annahme, daß Habakuk unter Jojakim weissagte, erst dann als völlig widerlegt gelten, wenn durch zureichende Gründe erwiesen worden ist, daß man die Weissagung Habakuks in eine andere Zeit, als die Jojakims, zu verlegen hat. Und in der Lhat ergiebt sich, wie wir zeigen werden, bei unbefangener, alle Momente sorgfältig abwägender Forschung, daß Habakuk vor Jojakim geweissagt haben muß. Eins der , ersten Momente dabei ist die Ordnung des Dodekaprophetons oderx'Hn. Ist nicht vielleicht die Stellung, welche unser Prophet in der.Reihe der sogenannten kleinen Propheten einnimmt, ein Wink, für die Zeit, in welcher er weissagt? — dies ist eine sehr nahe liegende Frage.. Wir können nicht tiefer auf das ebenso schwierige als wichtige Problem eingehen, aus wen die Sammlung des prophetischen Lheiles des Kanons und des Kanons überhaupt zurückzusühren sei. Bekannt und vielbesprochen ist die in der Gemara aufbewahrte Tradition, daß die Männer der großen Synagoge, eines Collegiums, welches -jedenfalls weit über die Mitte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts hinaufreicht 17), unter andern auch das Tereasar verzeichnten, und die kleinen Propheten wegen ihres geringen Umfangs zu Einem 16) Cap. 111. setzt Hitzig in die Zeit desselben Jahres, wo die Bäume sich belauben sollten, und das Getreide bereits falb geworden ist V. 17. So hart rückt er Weissagung und Erfüllung zusammen, damit der Glaube an erstere der Vernunft ja so leicht als möglich werde., 17) Die geschichtliche Realität der nVrtfH nD£) ist so constatirt (A u n z, Gottesd. Vortr. S. 33. Krochmal a. anzuführend ^n Orte S. 63. ff.; Wassermann in der Zeitung des Judenthums), daß es nur als Unbekanntschaft mit dem Fortschritt der -Forschung auf diesem Gebiete gelten kann, wenn de Wette noch Ln der neuesten Ausg. seiner Einleitung S. 15 das Dasein eines solchen Vereins bezweifelt und die daran geknüpfte Sage der Einreihung einiger altt. Bücher in den Kanon als eine solche bezeichnet, die nicht einmal Gegenstand der Widerlegung sei. Ganzen verbanden l8). Unverkennbar ist es, daß die Sammler des Kanons, wenn nicht die großen, doch die kleinen Propheten chronologisch ordnen wollten. Die mir Zeitanga- 18) Das älteste,.aber der Interpolation verdächtige Zeugniß für den/Abschluß des Dodekaprophetons ist das Jesus S ir ach's 49, 12. (Sb.): xccivcov doSSencc 7tQ0cprjT(ov ktA.; die demnächst für die Geschichte des Kanons überaus wichtigen, das Gepräge alter Ueberlieferung tragenden Stellen des Talmud (über welche neuerdings der nun verstorbene jüd. Gelehrte N a chm a n Kroch m a l eine berücksichtigungswerthe hebräische Abhandlung geliefert hat, Kerem Chemed, SSb. V. Prag, Landau 1841. b. Aufsatz) sind folgende. Im Tr. Baba batra f. 14, 6. heißt es: DfO nbrUH DDJD mv mo« nn wozu Raschi: „Die Männer der. großen Synagoge und ihre Genossen schrieben das Buch Ezechiels, der im Exil 'weissagte; ich weiß keinen Grund, warum es nicht Ezechiel selbst geschrieben haben sollte, als den, daß die Prophetie ausserhalb des heiligen Landes nicht schriftlich, verzeichnet werden durste. Darum schrieben sie es nieder, nach der Rückkehr aus dem Exile. Ebenso ist es mit dem Buche Daniel, der gleichfalls im Exile lebte, und mit der Ester-Megilla. Was das Dodekapropheton betrifft, so schrieben die Propheten ihre Weissagungen, weil sie klein waren, nicht selbst nieder. Als aber Haggai, Sacharja und Maleachi austraten und sahen, daß der Geist der Weissagung entschwand (denn sie waren die letzten Propheten), gingen sie daran, ihre eignen Weissagungen aufzuzeichnen und verbanden damit die kleinen Weissagungen ihrer Vorgänger zu Einem größeren Buche, damit sie nicht ihres geringen Umfangs halber verloren gingen." Das V. nro paßt in keiner anderen Bedeutung, als in der des Niederschreibens, mit welcher nur secundär, wo es aus anderen Gründen klar ist, die Bedeutung des Ab fasse ns coindicirt, in den Zusammenhang der angeführten Stelle. Es wäre absurd anzunehmen, daß die talmudische Ueberlieferung in den Worten 1XD nrD WD dem Mose die Abfassung des Pentateuchs abspräche oder in den Worten X'HH DrD jrbjN den Männern der großen Synagoge die Abfassung des Dodekaprophetons zu spräche. Mit den letzten Worten kann nur gesagt sein, daß sie die Prophetien der Zwölf als Ganzes, als X'HD, niederschri eben d. i. sammelten (nicht zugleich, daß sie dieselben dem Kanon einreih ten, wodurch schon zu Viel in die Worte hineingelegt wird). Dies ist auch die Meinung Kroch mal s, der mit der gründlichsten Talmudkenntniß doch die modernste Freisinnigkeit über Abfaffungszeit und Verfasser der biblischen Bücher verbindet. Er sagt a. a. O. S. 66.: „Unzweifelhaft ist es, daß.man dies unmöglich so verstehen kann, als ob die nach Esra lebenden Generationen der Sofrim zuerst diese prophetischen Bücher nach mündlicher Ueberlieferung aus dem Gedächtnisse niedergeschrieben hätten (während doch z. B. bereits Habakuk den göttlichen Befehl erhält, die Weissagung niederzuschreiben), sondern das V. IM besaget, daß diese dem Umfange nach kleinen Weissagungen namhafter Propheten, die sich in den Händen der Sofrim entweder einzeln oder in mehreren kleinen Fascikeln befanden, von den Männern der großen Synagoge oder dm Sofrim seit Esra und weiter gesammelt und zu Einem Ganzen verbunden wurden, damit sie nicht, wie die! Gemara sagt, in ihrer Vereinzelung verloren gingen; sie ordneten die, deren Zeitalter bekannt ist, chronologisch, von Hosea, seit Mose dem ersten Propheten, von dem uns ein besonderes prophetisches Buch erhalten ist, bis auf Malea-

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