Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 10 (5.3.1842)
- Date
- 1842-03-05
- Page
- Spalte 145-146 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meralurblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für . jüdische Geschichte und Literatur. JYi IO. Leipzig, den 5. März 1843. Biblische Einleitung. Ueber die Abfassungszeil und den Plan der Prophetie Habakuk's. Von Dr. Delitzsch. Habakuk nicht unter Jojakim- Habakuk zwischen Hiskia bis Josia. — Literarische Uebersichten. Jüdische Briefe von Riesser. Geschichte der Israeliten von Eikan. — Philonische Literatur. Dr, Großmann's Abhandlung über die Reihenfolge und die chronol. Ordnung der Schriften des Juden Philo. — Literarische,Ankündigungen Biblische Einleitung. Ueber die Ubfassungszeit und den Plan der Prophetie Habakuk's. Von Franz Delitzsch. (Fortsetzung.) 6. Habakuk nicht unter Jojakim. Weit scheinbarer ist die Annahme, daß Habakuk im Anfang der Negierung Jojakims, nach der Schlacht bei Circestmn und kurz vor dem Anzug der Chaldäer wider Judäa, geweissagt habe"). Aber der einzige Grund, welchen Hitzig und Ewald dafür anführen, ist nichtig. Die Schlußfolge: Der erste Einfall der Chaldäer fallt in die Herrschaft Jojakims, also muß Habakuk, der ihn weissagend androht, unter Jojakim geweissagt haben, beruht auf einer niedrigen, ungeistlichen Anschauung der Prophetie. Ewald wäre geneigt, Habakuk unter Josia zu versetzen, aber, weil dann seine Weissagung über die natürliche Sphäre rein menschlicher Combination hinaußfiete, fühlt er sich genöthigt, bis zu Jojakim herabzugehen. Hitzig, in demselben dogmatischen naturalistischen Vorurtheil befangen, sagt, auf eine seltsame Weise sich selbst widersprechend: „Habakuk führt die Chaldäer als eine neue bisher gänzlich unbekannte Erscheinung vor, er hat somit (?) vermuthlich bei ihrer erstmaligen Ankunft in Palästina geweissagt." Waren denn aber die Chaldäer wirklich im Anfänge der Regierung Jojakims eine gänzlich unbekannte 14) Nicht erst ungefähr um 600 n. Chr., wie Hesselberg ungenau angiebt; das 4. I. Jojakims ist der Grenzstein, der/ ohne das Wesen der Weissagung aufzuheben, nicht überschritten werden darf. Erscheinung, die Chaldäer, gegen welche bereits Pharao Necho unter Josia einen Feldzug unternahm, der dem vielgeliebten Könige Juda's, welcher ihm den Durchzug versperren wollte, in der Ebene Megiddo's das Leben kostete (2 Chr. 35.)? Die Chaldäer, deren Zug wider Judäa, um anderer bestrittener prophet. Texte zu geschweige«, bereits Jeremia unter Josia vorausverkündet hatte (Jer. 5, 15ff.)? Zudem war die erste Invasion Nebukadnezar's unter Jojakim nach der Schrift selbst eine Längst durch die Propheten vorausverkündigte. Sie geschah „nach dem Worte Jehovas durch seine Knechte, die Propheten" 2 Kön. 24, 2. Emen weit bestechenderen Beweis für die Versetzung des Propheten unter Jojakim könnte man aus Hab. 1, 6 führen. Das Part. welches doch jedenfalls Präsens-, nicht Futur-Bedeutung involvirt (welches geht, nicht: welches gehen wird), setzt voraus, daß die Chaldäer bereits damals, als Habakuk weissagte, ihre Eroberungssucht über den Cenrralsitz ihres neubegründeten Reiches ausgedehnt hatten. Das ijjri D^pD weissagt nicht das Entstehen des chaldäischenReiches, sondern das Aufstehen desselben wider Judäa, parallel dem ED'*?)? W Jeremia's 5, 15 (vgl. Jes. 13, 17). Ueberhaupt geht aus der Beschreibung der Chaldäer bei Habakuk hervor, daß das Volk als Volk den Judäern nicht völlig unbekannt war, mag nun die scharfe Determination, mit welcher der Prophet sie namhaft macht, auf vorausgegangene Weissagungen anderer Propheten, oder auf anderweite nach Judäa gekommene Gerüchte deuten^). Aber dennoch ist es nicht nöthig, unfern Propheten deshalb in die Zeit nach der Schlacht bei Circesium, durch welche die Egypter im I. 605 n. Chr. unter chaldäische Botmäßigkeit kamen, anzusetzen. Seit dem Abfall Nabopolassars von assyrischer Ober- . 15) Vrell. ist es nicht ohne Bedeutung, daß der Name CHtiO bei Iescria nie durch den Artikel deterrninirt ist. 10