Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1842)
- Date
- 1842-02-28
- Page
- Seite 71 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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71 Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gesenwsrk. Das neue Hamburger Gebetbuch des israelitischen Tempels. (Fortsetzung und Beschluß.) Es fand auch die eigentliche i'nro .irfc fHDy keine Aufnahme in Ihr Gebetbuch und Sie gaben nur das Vor- und Nachstück. Diese classische Stelle, die, ich möchte sagen, Nationalgut geworden ist, die theuersten Erinnerungen erweckt, in eilte vom Nationallebm kräftig pulsirmde Vergangenheit uns zurück versetzt und dem Gemüthe einen hohem Aufschwung über Gegenwart und das in ihr Niederdrückende gibt; diese Stelle, die durch Alterthum (vgl. Ioma f. 36. 56.) und allgemeinen Gebrauch ehrwürdig, die heiligsten innigsten Gefühle in jedem diesem Lage nicht entfremdeten Israeliten erweckt und daher von Jedermann werth gehalten wird, haben Sie entfernt; wie tief müssen Veränderungen dieser Art das Gemüth verletzen!.— Hr. Dr. Salomon hat in'beredter Weise sich über die Opfer, und daß sie nur ein in den damaligen Zeitbegriffen und Zeitumständen Begründetes gewesen seien,; ausgesprochen. Diese Vertheidigung erstreckte sich aber mehr auf das, worüber man so ziemlich von vorne herein einverstanden ist und worüber dem Lempelverein schwerlich ein Vorwurf gemacht werden dürfte. Aber das Geschichtliche kann nicht in Abrede gestellt werden: daß einst der Hohepriester an diesem Lage diese Opfer verrichtete, daß diese alten Gebete und Bekenntnisse staLLfanden ist ein Geschehenes, welches alsThatsache in diesem Stücke erwähnt wird; aber es knüpfen sich an die diese Lhatsache begleitenden Umstände heilige Erinnerungen, deren Tilgung ein Eingriff in das Gemüthliche ist. Ich gehe nun noch auf die Erwiderung ein, die von mancher Seite gehört wird: dieses Gebetbuch sei für den Tempelverein zu Hamburg verfaßt und diesem sage es ganz zu. Alltin abgesehen davon, daß der Vorbericht eine andere Tendenz ausspricht, abgesehen davon, daß nur der kleinste Lheil der vorhererwähnten Rügen durch solche Erwiederung beseitigt ist — einem Gebekbuche für wen es immer verfaßt sei darf die dem Gebete zukommende Würdigung und die wissenschaftliche Consequenz nicht fehlen — so würde, ließ die Redaktion sich von solcher separatistischen Ansicht leiten, auch sie der dem Herrn Bernays gemachte Vorwurf, daß er statt anzunahern wegstoße, in hohem Grade treffen. Jenen Mäuern, die auf anderer Seite als Vorkämpfer Israels sich bekunden, sollte es darum zu thun sein, eine Spaltung hervorzurufen, die Gemüther durch eine unausfüllbare Kluft zu trennen, den finstern SecLengeist aus seinem Schlummer aufrütteln und Haß und Zwiespalt zu erwecken! Der Tempelverein darf seiner edlern Tendenz nach nicht außerhalb der heutigen jüdischen Gesammtheit stehen und einen Standpunkt erringen wollen, der ihn Ln einen scharfen Gegensatz zu der Masse der übrigen Inden bringt. Der Tempelverein will den Gottesdienst veredeln, manche Gebetstücke — Pijutim — abschaffen, die Zahl der Gebete vermindern und Gemüthliches, allgemein Verständliches an deren Stelle setzen. Hiermit wird jeder Denkende sich einverstanden erklären. Zerstört aber der Lempelverein rücksichtlos, verkennt er die Lief in der Vergangenheit wurzelnden Gefühle und deren Bedürsniß, will er eine Höhe erklimmen, auf die wir ihm nicht nachzufolgen vermögen und von wannen herab er keine Wärme sendet, so muffen wir tief bedauern, daß er seinen Zweck verfehlt, der Sectirerei Thür und Thor öffnet und sich zum Theile vom Judenthum Lossagt. Der Lempelverein trug bei seinem Entstehen schon den Keim des Separatismus in sich. Der Tempel zu Hamburg bestehet zwanzig Jahre und noch hat er außer dem Filial- Gottesdienste zu Leipzig wahrend der Zeit der Messe noch keine Nachahmer gefunden. Die Verbesserungen, die hinsichtlich des Gottesdienstes in den Gemeinden eingeführt wurden, sind, wie ich bei mehren aus eigener Erfahrung weiß, nach dem Wiener Tempel getroffen. Und diese Verbesserungen sind nicht verletzend, sind von der Art, daß auch der am Alten Hangende sich mit ihnen einverstehen und, ist nur das Ungewöhnliche des neuen Eindruckes überwunden, mit ihnen ganz besreunden kann. Wie anders ist es ün Tempel zu Hamburg, wo kein dem Alten nur etwas Ergebener seine Andacht zu verrichten vermag! War es nicht Wicht der Redaktion, die mehrjährige Erfahrung, die sie doch nach ihrem Vorbcrichte benutzen wollte, auch hier nicht unbeachtet zu lassen, die Unebenheiten auszugleichen und die Trennung zu vermindern? Der Redaction lag es ob, ein Werk herzugeben, das auf wissenschaftliche und gemüthliche Gültigkeit Anspruch machen konnte: sie hätte aus dem engen Kreise des Tempelvereins herausgehen und sich auf den allgemeinen Standpunkt der Gesammtheit, die doch wahrlich nicht mehr so ungebildet ist und sich für Verbesserungen empfänglich zeigt, sich versetzen müssen: von dort aus .war das dem Vereine Zusagende nach dessen Begriffen zu modiflciren und seinen Bedürfnissen durch ihnen entsprechende Gebete zu genügen. Der segenreiche und nur mit Anerkennung zu erwähnende Einfluß des Cultus des Tempelvereins „auf das Gemüth einer zahlreichen Klasse, für