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Der Orient · 1842-02-28 · Heft 9 (29.2.1842) · p. Seite 72

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 9 (29.2.1842)
Date
1842-02-28
Page
Seite 72 (sequence 15)
Language
German
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72 welche die - väterliche Religion die Weihe fast ganz verloren hatte^ (Vorbericht S. 5), würde hierdurch keineswegs vermindert worden sein: aber warum soll seine Wirksamkeit nur innerhalb seiner Mauern verbleiben und er eine Scheidewand zwischen sich und den Draußenstehenden-ziehen? - ' DieNedaction scheint auch übersehen zu haben, daß, fände ihr Beispiel Nachahmung, der noch schwache Ueberrest der religiösen Einheit sich gänzlich auflösen müßte. .Die Synagoge, der Gottesdienst ist der einzige sichtbare Repräsentant des "jüdischen religiösen Lebens: woll.e nun jeder Geistliche in seine Gemeinde einen neuen Gottesdienst, ein neues Gebetbuch einführen, welche Einigkeit, welcher Bestand wäre vorauszusagen, würden nicht die Gemeinden hierdurch für'immer von einander getrennt sein? -- Auch hatte ein Blick auf die Gegenwart die Redaction in dieser Hinsicht belehren können. Die letzte Zeit zeigte in der christlichen Kirche manchen Agenden - Wechsel, aber welche Vorsicht wurde hierbei angewandt, wie viele Geistliche wurden befragt, wie viele Synoden befaßten sich mit der Umarbeitung und genauesten Abwägung jedes einzelnen Punktes! Wäre es nicht auch hier vortheilhaster gewesen, daß Sie mit bekannten und bewährten Männern sich in Korrespondenz setzten und deren Meinung bei der Revision einhotten? Der Ausspruch des Hrn. Bernays, daß der aus diesem Gebet buche Betende nicht rtan rDiH 'T MV sei, ist ungerecht, da noch immer genug zurück geblieben ist, wodurch man der eigentlichen ’rnin 'n genügen, und überhaupt das Mangelhafte dieses ' Buches nicht in Vernachlässigung positiver vorgeschriebener Formen nachgewiesen werden kann. Hr. Bernays hat in derselben Weise wie feine Vorgänger vor drei und zwanzig, Jahren gefehlt, daß er mit den Waffen des Verstandes nur daß Herr Bernays sich mit den Nachweisen Früherer begnügend aller Mühe sich überhob —- stritt, mit dem Berufen auf Satzungen und Regeln, die oft nicht entscheiden oder auch anders zu deuten sind. Ueberhaupt ist die Starrheit, die an dem Geschriebenen festhält und nicht in das Innere eingehen will oder einzugehen wagt, entschieden zurückzuweisen. Es muß daher auch chas Pochen auf rDin , bas unsre Alten in einem höhern und edlern Sinne genommen, gemißbilligt werden, da es nur den Wahn befestigt, als m üsse Gott so und so viel abgetragen werden und verlange er so lche s; da ferner hierdurch nur Anlaß zum Knechtesdienst gegeben wird. Aber wir wollen üV in dem Sinne einer allgemein gültigen Agende nehmen: es werde ein Gebetbuch ststgestellt, woran nicht Willkühr Theil habe und welches wenigstens auf Anerkennung von mehren- Seiten rechnen darf. Es kann daher nur bedauert werden, daß die Nedaction statt nach einer solchen ttebereinstimmung zu streben, jenen Eklekticismus vorgezogen hat, durch welchen das Gebetbuch seinen eigentlichen' Characttr verloren und jeden festen Typus abgethan hat: daß man überhaupt Gefallen Vertag von C. L. Fritz sch e. - daran fand, sich auf den Ausspruch eines Autors, so weit er zusagte, zu berufen und ihn fallen zu lassen, so er dem gesetzten Zwecke nicht entsprach; daß man mitAengstlichkeit sich nach einer Hinterthüre allgemein umsah, um dem ernsten Angriffe entschlüpfen zu können- und man so-ein jedem wissenschaftlichen Principe fremdes Verfahren emschlug. Sie haben der heftigen njrTO des Herrn Bernays eine nicht minder heftige Gegenrede entgegengestellt, so wie überhaupt diese Polemik einen geha'ßigen unwürdigen Character — ich erinnere nur an den Schmähartikel gegen 5p rn. Ettlinger in der Allgem. Zeit, des Iudenthums — annimmt. Seien Sie versichert, daß ich in diesem verlangten Gutachten mich dpr strengsten Unparteilichkeit bestieß und nur mit tiefem Unwillen manches harte Urtheil niederschrieb, da es mich tief schmerzt, Ihnen hochwürdige und hochverehrte 5peuren! deren einige mir durch ihre literarischen Leistungen besonders verehrenswerth sind, nahe treten zu müssen. Aber das Recht gehört Gott an.: und in Angelegenheiten dieser Art, wo die heiligsten Interessen besprochen werden, muß jede Rücksicht und Neigung zurücktreten. Das Resultat meiner Betrachtungen über dieses Gebetbuch und daZ von Hrn. Bernays hierbei beobachtete Verfahren ist demnach Folgendes: I.-'^ Bernays hat in der Art, wie er sich gegen das neue Gebetbuch des Tempelvereins ausgesprochen, ungemein gefehlt. U. Hr. Bernays hat unrichtig geurtheilt, daß man aus diesem Buche md)t rg^n 'n beten kann, da die. als rg'n -nöthigen Gebetstücke sich hier finden' und auch das in deutscher Sprache Gegebene dem Gebete selbst, wie langst anerkannt und bewiesen ist, keinen Abbruch rhut. Nb. Hingegen eignet sich dieses Gebetbuch des Lemvelvereines keineswegs zu einem vplksthümlichen Gebetbuche, da in ihm die heiligsten Gefühle der Nation ziemlich herabgedrückt sind uno überhaupt das Gemüthliche und mit dem hehr. Gebete aufs Innigste Verbundene zu sehr vermißt wird. IV. Dem neuen Gebetbuche des Tempelvereines fehlt die wissenschaftliche Basis und der würdige mit Besonnenheit abwägende Ernst. Die - Revision zeugt von Hast und Eile und einer nicht genauen Würdigung des wichtigen und heiligen Gegenstandes, daher dieses Gebetbuch mit seinen dermaligen Inconsequenzen weder auf Gültigkeit noch auf Weiterempfehrung Anspruch machen kann. Genehmigen Sie die Zeichen der Achtung u. Dresden, den 21. Jan. 1842. ergebener Dv. Z> Frankel, . Oberrabiner. Druck von I. 5p. Nagel.

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