Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1842)
- Date
- 1842-02-28
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
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69 Konfession halber nicht immattikullrten Advokaten) und Hahn (praktischem Arzte, vormaligem Freiwilligen im Hanseatenkorps wahrend der letzten deutsch-französischen Feldzüge und z. Z. prasi'direndem Direktor der Freischule) gehaltenen Reden, von denen die erstere den Charakter einer echten, tiefergreifenden Predigt, die zweite den eines von Jugendmuth, Jugendkrast, männlicher Beharrlichkeit und Innigkeit des Gemüthes gleich sehr wie von philosophischer und kosmopolitischer Bildung zeugenden, vom edelsten Selbstbewußtsein durchdrungenen, nach Inhalt und Ausdruck einen wackern Sohn der Zeit verrathenden Plaidoyers für die ewigen, unverjährten, schmählich versagten oder grausam verkümmerten Rechte der deutschen Juden; die dritte den eines herzlichen, alte, oft trostlose Erfahrungen heraufbeschwörenden, zu frischen Hoffnungen anfmunternden, fühlende Herzen bis in den innersten Schrein ihrer Gedanken aufregenden, bald zürnenden, bald männlich forderden, bald liebevoll zu neuen Thaten und Spenden einladenden Aufrufs an sich trug, werden Hoffentlich dem engern Kreise der damaligen Zuhörer so wie dem weiteren Leserkreise nicht langer vorenthalten bleiben. Es war hier eine Summe des Schmerzes und der Freude, des Kummers und der Hoffnung ausgesprochen, so entschieden und doch so ohne alle Anmaßung, so begeistert und doch so motivirt, von Männern ausgesprochen, deren Theilnahme für die besondere Glaubensgenossenschaft sich trotz aller Lockungen des Lebens, der Wissenschaft und des geselligen Umganges als eine großartige und ungeschwächt erhaltene bezeugte, daß' man mit Recht behaupten darf, die Emancipation sei an jenem Tage gleichsam als eine andere und schönere lala morgana Jedem erschienen, der Augen harte zu sehen und den Verstand, außerordentliche Phänomene zu erkennen. — Neben jenen Reden aber verdient das Programm des Herrn Dr. Kley, die Geschichre .der Schule enthaltend, einen Ehrenplatz und die rühmlichste Anerkennung bei allen Pädagogen und bei Jedem, dem die Bildung der Jugend, zumal der armen, so lange und an anderen Orten noch jetzt so oft vernachlässigten, am Herzen liegt. Fürwahr, jener Mann, der jetzt seit 24 Jahren an der Spitze der israelitischen Freischule steht, verdiente es, einen solchen Triumph zu feiern, wie er ihm an jenem 31. October öffentlich zu Theil wurde. War es ja zum großen Theile sein Werk, eine so ehrenwerthe, so hochachtbare Versammlung an jenem Tage zu einem solchen Zwecke vereinigt sehen zu können. Freudenthranen mußten von seinen Wangen fließen, wenn er an die Trostlosigkeit der pädagogischen Zustände zun Zeit seiner Ankunft in Hamburg zurückd'achre und sie mit der jetzigen Lage der Dinge verglich. War es nicht ihm, einem Fremden, beschieden gewesen, hier zuerst Bahn zu brechen für die beffere Gestaltung des Schulwesens und des Gottesdienstes? Wo wäre damals — jetzt sind die Herren Doctoren Jsler und Ree würdige Repräsentanten des hiesigen Lehrecstandes ein Einheimischer dieser schweren Aufgabe, diesem säuern Berufe gewachsen gewesen? — So wird die treue Anhänglichkeit leicht zu erklären sein, die sich für Herrn Dr. Kley von Seiten der ersten Klaffe der Anstalt durch ein kleines, ihm am Vorabende der Feier überreichtes Geschenk und vor etwa 14 Tagen von Seiten seiner ehemaligen Schüler und Schülerinnen durch die feierliche Uebergabe eines aus seine letzte im Tempel gehaltene Predigt bezüglichen, eigends zu diesem Zwecke gemalten Bildes von Herrn Profeffor Oppenheimer in Frankfurt a. M. so unzweideutig kund gab. Aber auch der Anerkennung muß ich gedenken, die ihm durch, ein auf Veranstaltung eines ehemaligen Schülers gebrachtes Militarmusik-Ständchen am Abende des 30. Octobers, so wie beim Gastmahle am folgenden Tage durch zahlreiche Toaste auf sein Wohl und auf eine langjährige Dauer seiner amtlichen Wirksamkeit zu Theil wurde. Dazu kam noch der bei dem Feste selbst in meiner Nahe vielfach und laut geäußerte Wunsch, daß das außerordentliche kanzelrednerische Talent des Herrn Dr. Kley nicht für immer brach liegen möchte. Des auf das Fest folgenden Gasimahles will ich nur in soweit erwähnen, als sich auch hierbei die lauterste Sympathie für Emancipation und der Wohlthatkgkeitssinn der Anwesenden (die mit dem beim Feste selbst Gespendeten der Schule fast 4060 Thlr. Banco überwiesen) klar und überzeugend äußerte. Aber auch unter den Reden waren einige, die wohl durch Nachschreiben festgehalren zu werden verdient hatten. 'Außer Herrn Dr. Riesser, dem eigentlichen Leiter des Festes, der einige Wochen vorher (am 6. Ocrbr.) bei einem größeren zu Welcker's Ehren veranstalteten Banket, dem über 200 Männer beider Confessionen beiwohnten, einen hinreißenden," durch Beifallssturm oft unterbrochenen, und am Schluffe mit dauerndem Jubel belohnten Toast auf die Preßfreiheit ausgebracht hatte, — außer Herrn Dr. Hahn, der bei derselben Gelegenheit noch ehe er das erste Wort gesprochen, mit Jauchzen empfangen und unter fortwährendem donnernden Verfalle angehört worden war, sprachen am 31. October noch mit eindringlichen, kräftigen Worten in bald kürzeren, bald längeren Toasts die Herren Doctoren Kley, Wo lffso n, R6e (zweiter Lehrer an der Freischule) und Andere ihre männliche Gesinnung aus. Die schönste Nachfeier des Festes aber war die am 1. Novbr. durch den edlen Frauenverein veranstaltete Speisung der jetzigen Schüler der Anstalt, die nach den (5) Klaffen geordnet, an drei Tischen in fröhlicher Laune, mit naiver Freude und unter froher Theilnahme der sie bedienenden hochachtbaren Frauen und Jungfrauen, so wie der männlichen zum Theil aus eigenem Antriebe erschienenen Anwesenden ihr wohlschmeckend bereitetes Mahl verzehrten. Keiner der Zuschauer konnte es sich verbergen, wie sehr durch die strenge Aufsicht und sorgfältige Pflege von