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Der Orient · 1842-02-28 · Heft 9 (29.2.1842) · p. Seite 68

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 9 (29.2.1842)
Date
1842-02-28
Page
Seite 68 (sequence 7)
Language
German
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68 gerufen habe. Die Einwande des Hrn. Bernays gegen die nachgesuchte Erlaubnis wurden jedoch von Seilen der Behörde durchaus unbeachtet gelaffen und dieselbe gewahrte die Bitte der Dlrection des Tempelvereins vollständig— ein Resultat, welches, allen Mitgliedern desselben durch die Herren Doctoren Frankfurter und Salomon bei öffentlichen Gelegenheiten mitgetheilt, die Aussicht auf Bestand, Fortdauer und Wachsthum des Tempelssichtbar belebte. Wenige Wochen nachher erschien nun das Gebetbuch nach dem Gebrauche des neuen israelitischen Tempels, welches auf der dem Titel gegenüberstehenden, gewöhnlich leergelaffenen Seite sich zugleich als Gebetbuch für Israeliten ankündigte. .— Das alte, 23 Jahre vorher zusammengestellte Gebetbuch war, obwohl in einigen Stücken modisicirt und durchaus von Neuem revidirt, seinem Plane und seiner Anordnung nach im Allgemeinen als Grundlage beibehalren worden und das nun erschienene hatte im Ganzen den Zweck nicht aus den Augen gelaffen, auch anderen israelitischen Gemeinden zur Benutzung bei ihrer öffentlichen und häuslichen Andacht zu dienen. Gegen dieses Gebetbuch erklärte sich nun Herr Bernays sehr scharf in einem an die Thüren aller Synagogen gehefteten und auch den Vorstehern der verschiedenen Wohlchacigkeilsvereine zur Mittheilung an die Mitglieder derselben in eigends dazu veranstalteten Abdrücken überlieferten Erlasse, der, wie sich denken laßt, die ungeheuerste Sensation erregte. Dieser Schritt konnte natürlich nicht ohne Einwilligung und Genehmigung des Gemeindevorstandes geschehen sein *> ja man erfuhr sogar, daß auch Hr. Rabbiner Ettlinger in Altona um Bestätigung jenes Erlasses angegangen worden war, die er jedoch aus Liebe zum Frieden und zur Eintracht und vermöge seiner milden, versöhnlichen, aus echt-praktischer, überzeugungsvoller Frömmigkeit ruhenden Gesinnung entschieden ablehnte.*) In Folge des gegen sie geeichteren Angriffes glaubte nun die Tempel-Direktion, theils um ihr Werk —- das Gebetbuch — zu vertheidigen, theils um die ihr öffentlich gemachten Vorwürfe nicht unbeantwortet zu'lassen, ebenfalls einen Anschlag an den Tempel machen und den wörtlichen Inhalt desselben, eine allerdings sehr derbe Erwiederung an Herrn Bernays, durch Heren Dr. Frankfurter von der Kanzel herab verlesen lassen zu-müssen. Ausführlicher, wenn auch mehr in eigenem Namen und unter eigner Verantwortlichkeit, sprach sich mit gewohnter Beredsamkeit und unverkennbarem glühendem Eifer Herr Dr. Salomonen seiner am 13. October vor einem leider nicht sehr zahlreichen Publikum gehaltenen Predigt über diesen Gegenstand aus. Wir wünschen, gewiß im Sinne aller Deutschen, die politische und religiöse Aufklärung erstreben, und insbesondere im Sinne aller Juden, die nach einer wahrhaften Veredelung unserer äußeren *) Daß sich jetzt die Ansicht über Hrn. Ettling er ändern müßte, ist bekannt. Red. (staatlichen) und inneren (religiös - administratrativen) Zustände sich sehnen , daß'diese Predigt recht bald durch den Druck verbreitet werden möchte. Hervorragend trefflich war die Parallele zwischen den Hemmnissen von oben und denen, die in unserer eigenen Mitte sich gellend machen wollen und mit besonderer Warme ward der Freiheit in ihrer edelsten und reinsten Gestaltung, im bürgerlichen und im konfessionellen Leben, das Wort geredet. So war denn von Neuem Del ins Feuer gegossen, von Neuem die noch glimmende Asche zu frischem Leben angelacht. —i Sie Altgläubigen beschlossen ihre Kraft zu versuchen und äußerten laut, sie würden nicht eher ruhen, bis die Tempeldiremon zur Abreißung ihres Anschlags, demnach zur Zurücknahme ihrer Entgegnung gezwungen worden sein würde. Ja, sie schienen sogar ihre Sache selbst vor die Behörde gelangen lassen zu wollen, wenn der Gemeindevorstand dieselbe nicht nochmals zur Sprache bringen würde. Dies ist jedoch, dem Vernehmen nach, geschehen und die ganze — für die Gesammcheit durchaus beklagenswerthe — Angelegenheit liegt nun der hohen Bchördezur Entscheidung vor. Inzwischen ist das Votum des Herrn Dr. Holdheim über das Gebetbuch erschienen. Es ist in klarer, ruhiger Sprache abgefaßt, halt sich streng an die Sache, laßt die Personen gänzlich aus - dem Spiele und darf daher wenigstens auf eine gemäßigte Besprechung und etwaige wissenschaftliche Entgegnung Anspruch machen. Oie amtliche Stellung des Herrn Dr. Holdheim, vor Allem aber das von Seiten Vieler in seine "den religiösen Interessen eifrig zugewandte Denk- und Handlungsweise gesetzte Vertrauen werden hoffentlich dazu beitragen, daß das Objekt des Streites forcan gründlicher und leidenschaftsloser verhandelt und nicht zu öffentlichen Schmähungen der Personen gemißbraucht werde. — Gewiß wird es nun den geneigten Lesern der voranstehenden Mittheilungen angenehm sein zu vernehmen, oder vielmehr sich durch den Augenschein zu überzeugen, daß ich nun zu dem andern, wahrhaft erfreulichen, Thema —* der Feier des fünf- und zwanzigjährigen Bestehens der hiesigen israelilischen Freischule übergehe. — Daß dieselbe am 31. October vorigen Jahres, stattgefunden hat, ist unmittelbar daraus durch die hiesigen öffentlichen Blätter (nur die „Hamburger Neue Zeitung" machte schon am Vorabende des Festes auf dasselbe aufmerksam) und jetzt außerdem durch die speciell den jüdischen Interessen gewidmeten Zeitschriften in weiteren Kreisen bekannt. Ueber die Würde, den Glanz und den außerordentlichen Eindruck des Festes herrschte bei allen Anwesenden dieselbe Stimme und noch jetzt ist die Erinnerung an dasselbe in den Meisten unter ihnen lebendig und wach.— Die bei dieser Gelegenheit von den Herren Doctoren Kley (früherem Tempelprediger, jetzt Oberlehrer und Mitdirektor der Anstalt), WoIfffcn (ehemaligem Schüler der Anstalt, jetzt praktischem Juristen und leider seiner

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