Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 9 (29.2.1842)
- Date
- 1842-02-28
- Page
- Seite 67 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Wir können aber bei dieser Gelegenheit es nicht unterlassen, zu erinnern, wie noth heutzutag eine Wissenschaft des Judenthums von philosophischem Standpunkt aus uns chut. Die Wissenschaft hat bei uns eine rein philologische Richtung genommen, und die begabten Männer mühen sich über Varianten, Exegesen und Versionen ab. Das philosophische Gebiet wird den Charlatans überlassen, die ihren Ruf damit zu begründen suchen, daß sie den Nachweis führen, Choralgesang sei nach dem Talmud erlaubt, u. ihre Urtheile den Schreibereien einiger Ueberlaufec, die ihre Urtbeile inTagesblattern ohne Werth hingeben, Nachfolgen. Bei solchem Verfahren kann natürlich das Judenthum nicht Anerkennung und Achtung finden. Hamburg, Jan. 1842. (Verspätet.) Der verflossene Ottobermonat hat die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde nach zwei verschiedenen Richtungen, hin lebhaft beschäftigt. Die allgemeine Aufmerksamkeit wandte sich nämlich eines Theils auf die für den 31. Octodec angesetzte Feier des fünf und zwanzigjährigen Jubiläums der israelitischen Freischule, andern Theils auf die, leider noch jetzt fortdauernde Spaltung zwischen dem geistlichen Oberhaupte, Herrn Bernaps, dem der Gemeindevorstand entschieden seinen Beistand geliehen, und dem Tempel- Vereine. Wenn nun jenes erstgenannte Fest bei allen Freunden des jüdischen Schulwesens und der Jugend, so wie bei Jedem, dessen Herz freudig und warm für die Emanzipation unserer Glaubensgenossen schlägt, einen liefen und durchaus wohlrhuenden Eindruck zurückzulassen geeignet war, so ist dagegen der zuletzt gedachte heftige Zwiespalt, zwischen den Mitgliedern einer und derselben Gemeinde, und obendrein einer solchen, aufderen Schicksale die Augen der deutschen, englischen, nordja selbst südeuropäischen Glaubensgenossen und sogar die Blicke vieler christlichen Zeitgenossen, zumal unter unfern Mitbürgern, sich Lenken, — die unselige Trennung zwischen den Bekennern derselben Lehre, die sonst in Freud und Leid einander brüderlich die Hand zu bieten gewohnt find, in der That traurig genug, um das Gemüth des unpartheiischen, über die Persönlichkeiten hinweg auf die allgemeine Frage — den intellectuellen, socialen und religiösen Fortschritt — blickenden Beobachters, der in einer so großen, so angesehenen, so tüchtige materielle und geistige Kräfte in sich schließenden Gemeinde kein bloßes Amalgama von innerlich gesonderten Individuen, sondern einen lebendigen, harmonisch wirkenden und schaffenden Complex gewahren möchte, in die äußerste Mißstimmung zu versetzen. Sollte nicht schon der Gedanke, wie unrecht und schädlich es sei, in den eignen Eingeweidcn zu wühlen, bei jedem Unbefangenen hinreichen, um ihn zu überzeugen und ihm die Pflicht aufzuerlegen, daß er es laut ausspreche, wie nur Versöhnung, d. h. -Unterdrückung cher eigenen Leidenschaftlichkeit, jedoch ohne Aufopferung seines reinen und motivirten Eifers für die 'L-i-'che. t'rvni L.cknckmb-? Nils belle - 070'kicken de, alle Schwermuth verscheuchende Tageslicht führen könnet Darum berichte ich den Gang und bisherigen Verlauf der Sache in rein-historischer, objektiver Gewandung. Vor einer Reihe von Monaten faßte der Tempelverein den Beschluß, ein neues Gotteshaus für die Tempelgemeinde zu errichten und diesen Neubau in einem größeren Maaßstabe auszuführen. Lange vorher war dieser Plan bereits oft, namentlich von den beiden Herren Predigern, Dr. Kley und Dr. Salomon, in Anregung gebracht worden, ohne daß er jedoch den rechten Anklang und die nöthige Unterstützung finden zu können schien. Und doch konnten die Mitglieder des Tempelvereins nicht umhin, zu wünschen, daß sie wenigstens nach Ablauf des (nun bald dahingeschwundenen) ersten Vierteljahrhunderts seines Bestehens ein geräumigeres, passenderes und namentlich in angemessenerer Umgebung gelegenes Lokal und zwar ein nicht blos gemiethetes, sondern als völlig freies Eigenthum ihnen zugehöriges besitzen und benutzen könnten. Mit vollem Rechte hatten zwar die beiden Herren Prediger oft gegen die geringe Frequenz des Tempelbesuches an den gewöhnlichen Freitagabenden und Sabbaten sich offen und strengrügend aussprechen müssen — ein Uebelstand, der leider auch jede Hoffnung zur Einrichtung eines täglichen Gottesdienstes im Keime ersticken muß; — aber wer könnte läugnen, daß an hohen Feiertagen, namentlich am Neujahrs- und Versöhnungsfeste der spärlich zugemeffene Raum oft mit Mühe, öfter überhaupt gar nicht die große Anzahl der Besucher zu fassen vermag? Wer möchte ferner nicht zugeben,, daß namentlich in einem geräumigerem Tempelgebaude sich Frauen und Jungfrauen viel zahlreicher einsinden, daß die Nothwendigkeit der Anfüllung des Zwischenraumes zwischen den beiden Sitzreihen der Männer mit stehenden, sich drängenden, fester Plätze entbehrenden Einheimischen und Fremden aufhören würde? Und laßt cs sich nicht erwarten, daß besonders der ärmere Theil der Gemeindemitglieder in einem größeren Raume billigere und zahlreichere Platze suchen und finden wird? Die Erlaubniß zum Neubaue wurde daher sofort bei der hohen Behörde nachgesucht, nachdem mit gewohnter Bereitwilligkeit, mit rühmlichem Eifer und in überraschender Schnelligkeit die zur Errichtung eines neuen Gebäudes erforderliche Summe unterzeichnet worden war. — Aber die Antwort des Senates verzögerte sich, da Herr Bernays, amtlich dazu aufgefordert, ein Gutachten über die.Erbauung eines größeren Tempels abgegeben und durch die Vermittelung des Gemeinde- Vorstandes an die Behörde emgesandt hatte. In diesem Memoire suchte Herr Bernays mit vielen Worten darzuthun, daß der Tempelverein, der sich rühme, durch die Begründung und Anordnung seines Gottesdienstes dem Jndifferentisnaus mit Erfolg entgegengewirkt und seine Ausbreitung paralysirt zu haben, vielmehr gerade denfe.'ben be.umsn>p> gefördert und zum Tbck? erst bervor-