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Der Orient · 1842-02-28 · Heft 9 (29.2.1842) · p. Seite 66

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 9 (29.2.1842)
Date
1842-02-28
Page
Seite 66 (sequence 3)
Language
German
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— 66 - ben noch 15,000 P. zur Anschaffung von Wknterkleidung und zur Vertheilung an dieselben Armen, und der Rest von 40,000 P. ist zum Aufbau eines jüdischen Hospitals bestimmt, an dessen Eingang der Name desHrn. S. M. v. Rothschild gesetzt werden soll, um seine Wohlthätigkeit gegen seine unglücklichen Brüder zu verewigen. Drei aus unserer Mitte: Aaron Such ani, Haim Beriotti, Nathan Ganon sind mit Herrn Cohen, unter Aufsicht des Herrn Van Lennep, gewählt, diesem Hospitale vorzustehen. — Wir schließen hier diese öffentliche Ehrenerweisung unsers Dankes, wie wir angefangen, indem wir nämlich aus der Tiefe unseres Herzens den mildthätigen Personen danken, welche uns ihre Wohlthat zugewendet. Möge der Himmel unsere Wünsche für sie erhören und die Geber "nach Verdienst belohnen! Wir bitten sie noch schließlich, uns zu unterstützen fortzufahren, namentlich bitten wir dieses die Familie v. Rothschild und Sir Moses Montefiore, damit wir auch das Werk zu beschließen im Stande sein mögen, das wir unter ihren Auspicien begonnen. Empfangen Sie, Hr. Redacteur, unsere vollkommenste Hochachtung. Aaron Suchani. Ephraim Ardhiti. Aaron Betrau. David Cid. Bochor Godana. , Moreno Batton. Mose Azecri. Celebe Calasso. Haim Beriotti. Nathan Ganon. Abram Puzurian. Mose Anayn." Deutschland. Berlitt, 16. Jan. „Die Posaune des jüngsten Gerichts^, eine unter diesem Titel von einem Mystiker gegen Hegel geschriebene Broschüre (Lpz. 1842. b. O. Wigand), bemühet sich auch die Juden aus ihrem lethargischen Schlaft zu erwecken und gegen H eg e l u.sein gottverleugnendes System aufzuregen. Wenn es einePnvatrache gilt, die man über eine erlittene Zurücksetzung oder Kränkung nehmen will, dann sind auch die Juden gut genug, um gebraucht zu werden. Seien Sie versichert, wenn unsere Frommen den echten Pietismus mit Hilft unseres Glaubens auf den Thron setzen und zur alleinigen Gewalt verhelfen könnten, wahrlich, sie würden selbst nicht Anstand nehmen, das „verstockte" jüdische Volk sammt seinem „abolirten" Glauben anzuruftn und aufzubieten. Der Grundsatz des Mysticiomus ist wie der seines Bruders, des Jesuitismus : der Zweck heiligt das Mittel. Wir haben uns aber keinesweges um dergleichen Rodomontaden viel zu bekümmern. Was der Posaunenbläser anführt, um uns zum Haß gegen die alt- oder jungbegel'scheRace oder den Jschanotischen Schöpfer derselben aufzuregm, ist viel zu gering, als daß cs unfern Zorn erwecken könnte; die Juden sind an Schmach gewöhnt und solch gelehrtes Zeug, das Hegel aus Unkenntniß des Judenthums über dasselbe hervorbringt, trifft kaum, ja berührt kaum unsere von Schlägen gehärtete Haut. Auch ist der hegelsche Begriff über unfern Glauben, der natürlich nach dem Alter der Menschheit zugeschnitten und angepaßt wurde, viel zu ungerecht und falsch, als daß er einer Berichtigung würdig sei. Eine Gottesverleugnung finde ich aber keinesweges darin, eben so wenig als seine Ansichten über Christenthum die Rüge verdienen, die der anonyme Verfasser der „Posaune" ihnen gibt. Ich kannte Hege! persönlich, freute mich seines Umgangs, insoweit ein Schüler bei seinem Lehrer Gelegenheit zur belehrenden Unterhaltung findet, Und muß es gestehen, daß Hegel weit davon entfernt war, eine gottesleugnerische Tendenz in seinem Systeme zu beabsichtigen. Im Gegentheil seine Ehrfurcht und Hingebung — ob aus Frömmigkeit des Herzens oder aus Gefälligkeit gegen die damaligen Machthaber, kann nur der entscheiden, der Herz und Nieren kennt — gegen den historischen Gott war so groß, daß er sich nicht anders befriedigt glaubte, bis er sein ganzes Wesen in Gott aufgegangen hielt; natürlich strebte er, um alle Partheien und Meinungen zu vereinigen, auf dem Wege der Erkenntniß dieses zu erreichen. Jedes Ding hat aber seine zwei Seiten, wer nur Gott als das wahrhaft reale Leben betrachtet, identisicirt zugleich auch Gott mit sich selbst und macht Gott zum thatigen Selbstbewußtsein, indem er ihm den religiösen Nimbus abstreist. Dieses Letztere war aber nicht seine Tendenz, und er war eben so wenig „Atheist", er leugnete ebensowenig die Wahrheiten des Christenthums nach dem Sinne der Pietisten, als die' des alten Judenthumes nach seiner geschichtlichen Stellung. Nur darin irrte er, und diesen Jrrthum theilt er mit der ganzen Christenheit, daß er das Christenthum als eine Fortbildung des JudenthumS betrachtete. Düs Christenthum steht vielmehr dem Judenthum schnurstracks gegenüber, und ist eine Entwickelung des Heidenthums, das modisi'eirr die ethischen und religiösen Ideen des Judenthums participirte. Und wie dieses jüdisch-heidnische Institut in dem thatigen Weltgeist seine progres- -isuelle Entwickelung genommen, so hat auch das reine Judenthum durch seine natürlich traurige Berührung mit dem germanischen Element seine Fortbildung gewonnen. Daß Hegel das eben so wenig, als die andern gläubigen Christen, wußte, befremdet uns durchaus nicht; diese Anschauung lehren und begründen kann nur ein Jude, der ist aber noch nicht erstanden. Darum wollen wir jedoch nicht mit der „Posaune" Lärm blasen, uns nicht gegen die wunderbare Dialectik eines Hegel einnehmen lassen. Wir würden auch dieses durchaus nicht zu bemerken nöthig gehabt haben; denn die Töne der „Posaune" haben an sich weder Einnehmendes noch Einladendes; aber da ihre Mißtöne einer Regierung so stark in die Ohren gellten, daß sie dieselben sich zuzuhalten genothigt sah, und vielleicht durch diesen Act die „Posaune" selbst an Wichtigkeit gewinnen könnte, glaubten wir unsere Erklärung darüber abgeben zu müssen-

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