Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 8 (19.2.1842)
- Date
- 1842-02-19
- Page
- Spalte 121-122 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Literarische Uebersichtm. Festreden rc. von Salomon Pleßner. 122 Urkunden, wie er bereits anderswo bemerkt, kein Derasch, sondern' durchaus ungezwungene Kommentation. (Wir werden weiter unten ein Pröbchen davon mittheilen.) Ja, er kann betheuern, nie Deraschot gelesen zu haben (wir glauben es ihm ohne Betheuerung, denn sonst hatte ec sich wenigstens diese zum Musterbilde genommen), wenn er auch einige der vorzüglicheren Werke dieser Act flüchtig durchblattert und an einigen Orten wissenschaftlich (o jam satis!) fonugt hat- Er brauchte gottlob keiner fremden Speise, schöpfte an der Quelle und benutzte auch nur Quellen (wahrscheinlich nnpD), war auch immer selbst produktiv, ja ist, Dank sei dem Himmel, in dem Besitze der Thora und braucht so ängstlich der Bücher nicht". — Zu dieser ungemein bescheidenen Selbstverleugnung gehört noch ein eine viertel Elle langer Bart von Anmerkungen, aus denen wir noch eine Stelle hierher setzen müssen: „Der Israelit muß Thora, aber keine Bücherkataloge lehren, oder ganze Seiten mit Seitennachweisen füllen, wenn dies namentlich nicht in der Absicht geschieht, um wichtige Wahrheiten, die unsere Glückseligkeit bezwecken, zu bekräftigen; in welchem Falle es allerdings (Bamidbar Rabba Cap. 10) heißt: Dnnm DTDD D'pnsn. In dieser Absicht allein hat auch Vers. in manchen seiner Schriften in größerer Anzahl Citate angeführt." Zur nähern Argumentation dieser letzten. Wahrheit citirt auch Hr. Pl. sofort ein viertel Dutzend mal seine Reden und findet überhaupt des Citirens seiner Schriften kein Ende. Denn man staune! in dem in Rede stehen- ' den Band Reden citirt er seine Reden nicht mehr als zweihundert und zwei und fünfzig; seineManuscripte — mit der Formel: auf eine merkwürdig lehrreiche Weise habe ich dies erörtert in" — achtzehn; sein liebes Religionsbuch acht und zwanzig, und seine Apokryphen achtzehn mal. Beweist das nicht zur Genüge, daß Hr. Pl. an der Quelle schöpft^ und andere Werke nur flüchtig durchblattert?! Beweist das nicht die Fortschritte des Hrn. Pl. in der Kenntniß und Erkenntniß seiner eigenen, selbst geschaffenen Literatur, und „müßte nicht — um des Vers. eigene Worte S. XII. Anmerk. 2 zu gebrauchen — der noch so Verstockte solche merkwürdige Fortschritte in seinen sammtlichen noch blos handschriftlich vorhandenen Reden des verflossenen Jahres 5600 fast mit Händen greifen, sollten diese einst öffentlich erscheinen?" Ja, es beweist dieses Alles, daß Hr. Pl. sein Gehirn so sehr mit der wahren und höhern Thora angepropft, daß er darüber nicht nur das talmudische: (Spr. d. B. 4, 4) NN 'PDW Hin vergessen, sondern selbst seine eigenen Worte Lügen strafte. Denn S. 161 der vorl. Reden sagt er: „Ja schon die Forschung des Gesetzes geht nur dem Bescheidenen fruchtbar von Statten, nur ihm öffnet Gott die Schatze seiner Geheimnisse. Wer ohne diese Bescheidenheit sich mit dem Gesetze beschäftigt, bewegt sich nur immer außerhalb seiner Sphäre herum, vermag aber nie in das Innere, Wahre einzudringen." Dieses möge einstweilen zur Charakterisirung der Einleitung genügen. Wir . gehen jetzt zu den Reden selbst über, deren Zahl 23 ist und die sammt und sonders alles homiletischen und rhetorischen Gehalts gänzlich ermangeln und also nur für den von einigem Interesse sein können, der die superstitiösen Ausschweifungen eines irre geleiteten Gemüthes kennen lernen wollte. Was zuerst den Geist dieser Reden betrifft, so istsolchernicht ein Geist Gottes, ein Geist der Ruhe und des Friedens, ein Geist der Belehrung und des Raths, ein Geist der Erbauung und Erhebung; sondern ein Geist der Finsterniß und Unwahrheit, ein Geist des Unfriedens und der Verleumdung, ein Geist des Ungeistes oder des Mysticismus, der sich von der liebenswürdigen Gesellschaft . der giftigen Schlange, dem Satan, nicht trennen kann, und ihn darum zum Ueberdruß aller Menschen, wie eine böse Krankheit mit sich herumschleppt. Die Reden liefern nämlich nichts für und über das Leben, sondern sind ausgefüllt mit mystisch-kabbalistischen Spielereien über nichtssagende und nrchtsbedeutende Dinge, enthalten durchweg Erklärungen und Erörterungen von Sohar- oder Midraschstetten und nur hin und wieder schenkt der Redner dem Bibelworte seine Aufmerksamkeit. In dieser Beziehung zeichnet sich ganz besonders die erste Rede „das Leben ein Gesang" aus, und die andern stehen ihr nicht viel nach. Beispiele liefert jede Seite in Fülle, besonders aber S. 30, 31, 38, 122, 293 ff. — Ueber die Form unserer Vorträge genügten zwar die oben angeführten Worte unseres gottbegeisterten Redners; doch um unserer Recensentenpflicht zu genügen, müssen wir noch bemerken, daß Hr. Pl. Logik und begriffsmäßige Gedankenentwickelung für profan, mißhellig und die fromme Begeisterung störend erachtet, und seiner Rede lieber freien Lauf läßt, in sie Randglossen aus seiner Hagada (S. 102—106), Noten aus seinem Machsor (S. 259) verflicht und auf solche höchst interessante und überraschende Weise die Bedeutung und Bedeutsamkeit der jüdischen Feste zu erörtern sucht. An exegetischen Bemerkungen, die gewiß tiefere Blicke in das alte Testament sind, mangelt es den Reden keinesweges, und um unserem Versprechen nachzukommen, möge hier ein Pröbchen davon seinen Platz finden. S. 16 heißt es: So fiel es mir immer auf, warum im Gesänge am Meere die einfache Zahl: Ich singe dem Herrn u. s. w., als hatte Moses nur allein gesungen, gebraucht ist? Allein es scheint Israel einem Jrrthume nahe gewesen zu sein." Es heißt: „Und sie glaubten an den Herrn und an Moses seinen Diener^. Sie hätten daher auch leicht den Gesang an Beide richten können. Darum griff Moses der Begeisterung des Volkes und dem möglichen Jcrthume weislich vor, und brach rasch in die Worte aus: Ich! ich