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Der Orient · 1842-02-19 · 8 (19.2.1842) · p. Spalte 117-118

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
8 (19.2.1842)
Date
1842-02-19
Page
Spalte 117-118 (sequence 3)
Language
German
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m 118 Die Unsterblichkeit der Seele bei den anders sagen will, als daß Gott den He noch, seiner Frömmigkeit wegen, vor der Zeit sterben lief.3 4 In wie fern der frühe Tod für Henoch eine Wohlthat gewesen sei, erklärt die Schrift selbst, indem sie bald darauf (iMd. 6, 1 2C.) von der allmählig überhandgenommenen Sittenlosigkeit unter den Menschen berichtet, woraus klar hervorgeht, daß Gott den frommen Henoch dem drohenden Verderben entziehen wollte. Es liegt demnach in der fraglichen Erzählung die erhabene und trostreiche Lehre, daß der frühe Tod nicht immer für ein Unglück zu betrachten sei, da ihm ja eine wohlwollende Absicht des Allgütigen zu Grunde liegen könne. Nebenher erfahren wir auch, wohin der Fromme nach dem Tode kommt — zu Gott! Demnach sind wir berechtigt anzunehmen, daß nicht nur Noa und die Patriarchen, denen die Schrift selbst das ehrenvolle Zeugniß ertheilt, daß sie, wie Henoch, vor Gott gewandelt,^ nach ihrem Tode in die Seligkeit eingegangen seien, sondern daß alle Menschen, die nach dem heiligen Witten ihres himmlischen Vaters leben, der ewigen Seligkeit theilhaft werden. Es fragt sich nur noch, was unter dem Ausdruck „wandeln vor Gott" eigentlich zu verstehen sei, um ermessen zu können, ob es auch jedem Israeliten möglich sei, vor Gott zu wandeln und der ewigen Seligkeit einst theilhaft zu werden. Zwar lesen wir (Genes. 17,1), daß Gott dem Abraham zuruft: „wandte vor Mir, und sei ungetheilten Herzens!" woraus wir allerdings ersehen, daß „wandeln vor Gott" nichts anders heißt, als sich Ihm völlig hingeben; allein hiermit ist immer noch nicht erwiesen, ob eine solche völlige Hingebung an Gott auch einem an psychischer Kraft dem Abraham weit, nachstehenden Individuum möglich sei. -- Doch siehe! der erwähnte Zuruf 3) Schon die Ausdrücke: und np!? zeigen deutlich, daß hier blos von einem auf natürlichem Wege erfolgten Tode die Rede ist; vergiß Ps. 37; 10, 36; — Hiob 7; 9, 22; — Ezech. 24, 16; Pst 73, 24. — 4) Von Noa wird gesagt: m-^rinn D'TÄwrrDN vor Gott wandelte Noa (Genes.6, 9.); von Abraham und Isaak: pnm DiTON VÜD1? OlOis' inbnhD o Gott vor welchem meine Vater Abraham und Isaak gewandelt (ibid. 45, 15.); endlich von allen drei Patriarchen nmN mnNb'njwn ^DONO so allem an deinen Vorfahren hat der Ewige Gefallen gehabt, daß er sie geliebt (Deut. 10, 15.) z wer von Gott geliebt wird, dessen Seligkeit ist über allen Zweifel erhaben. Auch muß das Volk an die Seligkeit seiner frommen Erzvater fest geglaubt haben, sonst wäre es unnütz gewesen, ihm so oft von den frommen Werken seiner Ahnen und deren Ansehn bei Gott zu erzählen. Wir tragen kein Bedenken, hier auf jene Stelle in Matth, aufmerksam zu machen, wo erzählt wird, daß der Stifter der christl. Religion die Auferstehung der Lobten aus der Exod. 3, 6. erwähnten Rede Gottes „dITON -fihü 'Ol OÜN" mit den Worten zu demonstriren gesucht: ovn sazcv 6 fteng freog vev.Qoiv, älhx ^covtcov. — Matth. XXII. 32. -- alten Hebräern. Won Isidor Kampf. Gottes an Abraham ergeht später an die gesammte israelitische Nation; er lautet: „Du sollst dich ungetheilten Herzens dem Ewigen, deinem Gotte, hingeben!" — Dies entscheidet. Wenn Gott an das geringste Individuum in Israel dieselbe Forderung wie an Abraham stellt, so muß Er, der Allwissende, nothwendig wissen, daß das geringste Individuum ebenso gut wie Abraham im Stande sei, der gestellten Forderung zu genügen. Hören wir, wie die Schrift selbst die Ansprüche Gottes an Israel rechtfertigt: „Und nun Israel! was verlangt denn der Ewige von dir? Nichts mehr, als daß du von ganzem Herzen und ganzer Seele vor dem Ewigen, deinem Gotte- Ehrfurcht haben, in allen seinen Wegen wandeln, ihn lieben und ihm dienen, d. h.: die Gebote des Ewigen und seine Gesetze, die ich dir jetzt gebe, halten sollst!" (Deut. Cap. 10, 12 u. 13.) -- Die Schrift betrachtet also die Anforderungen Gottes an Israel als leicht zu erfüllende. Noch deutlicher spricht sie sich hierüber mit den Worten aus: „Denn dieses Gebot, das ich dir jetzt gebe, ist dir nicht verborgen, auch nicht ferne; es ist nicht im Himmel, daß du etwa sagen möchtest: „„wer steigt für uns in den Himmel hinauf, um es herunter zu holen und uns bekannt zu machen, so wollen wir'es halten""; es ist auch nicht jenseit des Meeres, daß du etwa sagen möchtest: „„wer reist für uns über das Meer, um solches herüber zu holen und uns bekannt zu machenso wollen wir es halten,"" sondern das Wort ist dir ganz nahe, du hast es im Munde und den Begriff davon im Herzen, wie solches zu beobachten sei" (iMd. 30, 11—15). — Wir sehen also, daß die israelitische Religion, die den Eingang Henoch's in die Seligkeit verkündet, auch alle ihre Bekenner, ohne Ausnahme, für fähig erklärt, eben so gut wie Henoch ungetheilten Herzens vor Gott wandeln und folglich zur ewigen Seligkeit gelangen zu können. — In wie fern liegt nun in der Erzählung von Henoch's Eingang zu Gott eine negative Beziehung auf andere Fromme? Wohl könnte man darin allenfalls eine Negation in Bezug auf Nicht-Fromme erblicken, aber dies wäre ja der Gerechtigkeit Gottes höchst angemessen!5 Oder 5) Ja, selbst die strenge Gerechtigkeit Gottes ist, der mosaischen Lehre zufolge, noch immer mit Milde gepaart; denn dem Sünder wird nur insofern Verbannung gedroht, als er verstockten Herzens in der Sünde verharrt;, hingegen wird ihm, im Falle er reuig zu Gott wiederkehrl, volle Verzeihung zugesicherr: „ Bekehrest du dich aber zu dem Ewigen, deinem Gotte, und gehorchst seiner Stimme, wie ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und ganzer Seele: — so wird der Ewige, dein Gott, auch wieder Sich deiner erbarmen" rc. (Deut. 30, 2 und 3.) — Wahrlich! dies sind Lehren, die eben so den Verstand befriedigen, als sie das Herz erquicken. — 8 *

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