Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 8 (19.2.1842)
- Date
- 1842-02-19
- Page
- Spalte 115-116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9894039-9894052--2023-3529110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
115 116 Die Unsterblichkeit der Seele bei den fordern, für den einigen, ewigen Gott nötigenfalls auch das zeitliche Leben hinzuopfern (Deut. 6, 5). Wie sehr aber dieser selige Trost das Herz der Nation durchdrungen, ersehen wir aus der würdigen Fassung, aus dem Heroismus mochte ich sagen, womit sie in der arabischen Wüstedem Tode entgegen sah. Aharon bestieg (begleitet von seinem Bruder Moses und seinem Sohne Elasar, Num. 20, 27 rc.) das Gebirge Hör, das, wie er wußte, sein Grab werden sollte, mit einem Hetdenmuth, den nur die gewisse Zuversicht auf ein seliges Jenseit gewähren kann; und Moses, als er sich, trotz seiner Aufopferung für die Lehre der Wahrheit, auf ReKo zu sterben vecurtheilt sieht, bricht nicht in Klagen aus, sondern in kindlicher Liebe und flammender Begeisterung für seinen Herrn und Meister, spricht er das erhabene Bekenntniß aus: „Er (Gott) ist der Felsenschutz! Sein Thun ist ohne Fehl, denn Recht ist all sein Verfahren; ein Gott der Treue, ohneKrümme, gerecht und redlich istEr!" Deut. 32, 4. Muthig besteigt er nun den Berg; „Heil dir Israel! wer ist dir gleich?" ist der letzte Gruß, den er seinem geliebten Wolke noch zuwirft, dann verscheidet er durch den Mund des Herrn (Deut. 34,5). So gestimmt geht man nicht der Vernichtung entgegen, noch weniger aber in einen finstern, nur von wesenlosen Schatten bewohnten Scheol hinab, um selbst wesenloser Schatten zu werden; so ist man nur gestimmt, wenn im Herzen die selige Ueberzeugung lebt, daß man die körperliche Hülle nur darum ablegt, um heilig und rein sich hinauf zum Throne des Herrn zu schwingen, wo ewige Seligkeit wohnt. Dieser Ueberzeugung lebten stets die aufrichtigen Bekenner der mosaischen Religion, und jener heidnische Weise hatte nicht Unrecht, wenn ec, die Verheißungen dieser Religion an ihre Bekenner eewagend, begeistert ausrief: „O daß ich stürbe der Gerechten Tod!; Und mein Ende wie das ihrige sei!" — Num. 23, 10. Nachdem wir nun nachgewiesen, daß die mosaische Religion der Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele nicht 'fremd ist, wollen wir uns zu jenen Stellen in der heiligen Schrift wenden, die nach dem Vorgeben mancher Interpreten das Gegentheil beweisen sollen. Vor Allem soll dieses mit den Erzählungen von der Himmelfahrt H enoch's (Genes. 5, 24.) und Elia's (Kön. II. Cap. 2, 11.)'der Fall sein, die, diese Facta als etwas ganz Außerordentliches anführend, sagen sollen, daß bei den hier erwähnten ausgezeichneten Personen eine höchst seltene Ausnahme von der Regel stattgesunden habe.2 -- Aber diese Argumentation beruht auf 2) Siche Handb. d. Dogmatik der evangelisch-luthealten Hebräern. Bon Isidor Kämpf. mehr als einem Jrrthum. Denn gesetzt auch, die fraglichen Relationen betrachten die erwähnten Facta als etwas Außerordentliches, so liegt ihnen das Außerordentliche offenbar nur darin, daß ein Mensch mit der körperlichen Hülle sich hinauf zum Throne Gottes schwingen konnte. Erscheint dieser Umstand jenen Interpreten nicht des Aufzeichnens werth? wie sollte doch nur im Entferntsten daraus zu folgern sein, daß andere fromme Personen, die ihres Körpers-sich entaußern, nicht zu Gott kommen? — Abgesehen aber von allen dem, so ist die gewöhnliche Annahme, daß die Tendenz der vielfach beregten Relationen lediglich die Seligpreisung der zwei Tugendhelden sei, — eine unrichtige, — namentlich ist sie in Betreff der Erzählung von der Verklärung des Propheten Elias durchaus unstatthaft. Nicht daß Elias in den Himmel gefahren, sondern die Art und Weise, wie er die Erde verlassen, ist die Hauptendenz der Erzählung. Schon früher (Reg. I. Cap. 19, 12—14) bemerkt die Schrift, wie Gott dem Propheten Elias nicht undeutlich zu erkennen gegeben habe, daß er seine überaus strenge und eifervolle Amtsführung mildern möge, indem Gott ihm nicht im Orkan, der Berge zersplittert und Felsen zerbricht, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, sondern in einem stillen, sanften Säuseln erschienen sei. Hieraus erzählt nun die Schrift (Kön. II. Cap. 2, 11.), daß der strenge und eifervolle Prophet eben so stürmr.sch geendet, wie er stürmisch gelebt. — Sonach hat diese Erzählung eine bei weitem erhabenere und lehrreichere Tendenz, als die, welche man ihr gewöhnlich mit Gewalt unterzuschieben pflegt. Daß nebenbei noch erzählt wird, Elias habe aus dem Sturm siegreich zum Himmel sich erhoben, kann weiter nicht befremden , da er ja ein r reu er 2t r b e i t e r im Garten des Herrn gewesen. — Was endlich die Erzählung von Heu och betrifft, so ist es ein gewaltiger Jrrthum, wenn man annimmt, daß hier von einer Himmelfahrt in Blut und Fleisch die Rede sei. Die Erzählung lautet ganz einfach: ~ TOn ‘ibufW IDX nph~'D, -ÜJW „Es wandelte He noch vor Gott, und —; war nicht mehr, denn Gott hatte ihn weggenommen" (Genes. 5, 24.), was nichts rischen Kirche, oder Versuch einer beurLheilenden Darstellung der Grundsätze, welche diese Kirche in.ihren symbolischen Schriften über die christl. Glaubenslehre ausgesprochen hat, v. K. G. B r e rschneider. 2. Bd. S. 385. — Man sicht, in welche Absurditäten selbst gelehrte Männer verfallen können, wenn sie nicht vorurteilsfrei sind, Anstatt der mosaischen Religion es als einen charakteristischen Zug der Toleranz anzurechnen, daß sie einer ihrem Bereich so fern stehenden Person, wie H enoch, Seligkeit zuerrennt, will man in diesem erhabenen Zug — ungereimt genug — nur eine negative Beziehung auf die in ihr eigenes Bereich gehörenden Personen erblicken. —