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Der Orient · 1842-02-19 · 8 (19.2.1842) · p. Spalte 113-114

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
8 (19.2.1842)
Date
1842-02-19
Page
Spalte 113-114 (sequence 1)
Language
German
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Mtevalurblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Jüdische Geschichte und Literatur. JYi.8» Leipzig, den 19. Februar 1842» Dogmatik. Ueber die Vorstellungen der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Von Isidor Kämpf. — Literarische Uebersichten. Festreden und Festvorbereitungsreden für Israeliten von Sal. Pleßner, beurtheilt von H. Iolowicz. — Analekten. Bemerkungen auf Anfragen, von M. Heß. — Philonische Literatur. Dr. Grosimann's Abhandlung über die Reihenfolge und Me chronol. Ordnung der Schriften des Juden Philo. — Lit. Anzeigen. Ukber die Borstellungen der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Von Isidor Kaempf. (Fortsetzung.) Die mosaische Religion ruft ihren Bekennern, als Preis für die von ihnen verlangten Entbehrungen, zu: „Ihr seid Kinder des Ewigen, eueres Gottes; daher sollt ihr euch bei einer Leiche keine Wunden einschneiden, auch keine Platte zwischen den Augen scheerenz denn du bist ein dem Ewigen, deinem Gotte, heiliges Volk k." Deut. 14, 1 u. 2. Wahrlich! ein hoher Preis, der alle, irdischen Freuden und Genüsse reichlich auswiegt! Das Verhaltniß des Israeliten zu seinem Gotte ist das des Kindes zu seinem Vater — seinem ewiglebenden Vater. Beseligender Gedanke! der den Staubgebornen dem Staube entwindet und in die Regiow.der Gottheit versetzt! — Kann der Israelit noch über seine Zukunft besorgt sein? darf er noch fragen: „warum Dies thun und Jenes lassen?" Nie und nimmer! In seiner Brust lebt der beseligende Trost, daß es sein ewiger Vater ist, der über ihn waltet und ihm die Bahn bezeichnet, die er wandeln soll. .Darum braucht er auch beim Hinscheiden einer geliebten Person, nicht untröstlich zu sein, weil er weiß, daß auch der geliebte Hingeschiedene das Kind des ewigen Vaters ist, zu dem er heimgegangen. Nachdem die mosaische Religion ihrem Bekenner diesen bis über das Grab hinaus reichenden Trost gegeben, ruft sie ihm nochmals zu: „Denn du bist ein dem Ewigen, deinem Gotte, heiliges Volk"; die Heiligkeit der Seele kann aber nur auf Kosten des Körpers erlangt und erhalten werden, darum verbietet sie ihm (Id. Id. 3 rc.) Dies und Jenes zu genießen.1 — Indessen will sie ihren Bekenner nicht zum Stoiker machen, das Gefühl des allgemein Menschlichen soll in ihm nicht ersterben; vielmehr spricht sie nicht selten auch von Erdenfreuden, .die den aufrichtigen Verehrer des wahren Gottes erwarten; nur will sie, daß das Physische dem Psychischen untergeordnet und von ihm gleichsam bedingt sein soll. Die Erdenfreuden sollen nur in sofern sie die Heiligkeit und Reinheit der Seele nicht verletzen genossen werden. Daher ihr gewaltiges Streben, jedem unentbehrlichen Sinnengenuß irgend eine religiöse Tendenz beizulegen, um auf diese Weise selbst das rein Physische mit einem psychischen Schleier zu umhüllen. Die Hinweisung der mosaischen Religion auf ein seliges Jense it ist also über allen Zweifel erhaben. Nur auf eine solche Hinweisung gestützt kann sie ihren Bekenner auf- 1) Es wäre durchaus ungereimt, den Speisegesetzen der mosaischen Religion bloß kliinntische Beziehung und somit nur vorübergehende Geltung zuzuerkennen, weil sich dann für das Verbot so mancher Speisen gar kein Motiv aufsinden ließe. Auch wäre.dann gar nicht abzusehen, was wohl den Gesetzgeber bewogen haben mochte, das wahre Motiv der fraglichen Gesetze, nämlich „Leben und Gesundheit", zu verschweigen, und die mit physischen Interessen gar nicht in Berührung kommende „Heiligkeit der Seele" als Motiv vorzuschützen (Lev. 11, 44; Deut. 14, 21.). Wir mögen daher wollen oder nicht, so sind wir genöthigt anzunehmen, daß den Speisegesetzen der mosaischen Religion nur psychische Interessen zu Grunde liegen, und daß diese Znter essen dem Volke, zu welchem der Gesetzgeber sprach,, weit mehr gatten als die physischen. — 8

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