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Der Orient · 1842-02-19 · Heft 8 (19.2.1842) · p. Seite 63

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 8 (19.2.1842)
Date
1842-02-19
Page
Seite 63 (sequence 13)
Language
German
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63 Und von diesem Standpunkte aus erhalt die Klage hinsichtlich der n^N.l einigen Grunds obschon ich sie nicht ganz theile und die Erwiederung des Hrn. Dr. Salomon so wie' die der geehrtenDirection, das an vielen Stellen rfclN.1 WLM erwähnt werde, als richtig und gegründet anerkenne. Aber die Inconsequenz ün B eibehatten und Auslassen des hierher sich Beziehenden zeigt eine Geringschätzung, eine geringfügige Behandlung dieser Idee, deren Frische in Ihrem Buche ganz herabgedrückt und verwischt erscheint. Es ist zwar nicht zu läugnen, daß Sie .in einem deutschen Gebetbuche mit Vorsicht zu Werke gehen und von einer individuellen (körperlichen und leiblichen nach Hrn. D. Salomon) Erlösung absehen mußten; und doch, so sehr wir uns überhaupt mit dieser Ansicht einverstanden erklären, muß sich von der andern Seite die Ueberzeugung aufdringen, daß in diesem Gebetbuche, das mitunter ganz unschädliche Stellen wegstreicht und weder das „Zuviel" noch das „Zuwenig" gehörig beachtet, das Erhebende und Lebendige dieses Gedankens nicht zu einem selbstständigen Bewußtsein, nicht zu idealer Anschauung gekommen sei und das Beibehalten ost mehr als Palliativ, denn als Abwehr gegen leicht vorauszusehende Einwürse zu dienen scheint. Und die Idee einer Selbstständigkeit hat doch so Großartiges, Lebenskräftiges in sich, daß der Beachtung eines jeden Edlen und für Großes Empfänglichen nicht unwerth ist. Der Wunsch, daß an einem Winkel der Erde — und natürlich in dem Lande unserer Väter, an das uns die heiligsten Erinnerungen knüpfen — unsere. Volkstümlichkeit. wieder frei Hevortrete und wir die Achtung genießen, die, wie eine traurige Erfahrung lehrt, trotz so vieler Fortschritte der Aufklärung doch gewöhnlich nur einem auch durch äußere Macht vertretenem Volke gezollt wird, hat nichts Ungerechtes und ist hier keinesfalls der Gedanke des Haffes oder der Geringschätzung gegen das dermalige Vaterland, oder daß wir uns in demselben als Fremde .betrachten und aus ihm uns wegwünschen, ausgedrückt. Noch weniger Gewicht kann auf den schalen Einwand gelegt werden, daß doch so Viele ihr Vaterland nicht verlassen würden. Wir wollen die Ueberzeugung fest hatten, die Gottheit habe Großes mit uns vor und wir dürfen uns selbst nicht aufgeben; wir wollen bekunden, daß trotz tausendjähriger Leiden und Widerwärtigkeiten wir nicht an uns verzweifeln und wenigstens noch die Idee einer Selbstständigkeit, eines selbstständigen Wiederauflebens zu erfassen vermögen; wir wollen es aussprechen, daß wir den Gedanken, unser. Name werde wieder frei und unabhängig hervortreten, nicht in das Gebiet der Unmöglichkeit verlegen) —und die jüngste Vergangenheit bietet doch manchm Beleg zur Verwirklichung solcher Hoffnung eines an sich selbst nicht verzweifelnden Volkes dar: — und ist diese Idee nicht weit jener flachen uud inhaltlosen Gesinnung vorzuziehen, die aller selbstständigen Aeußerung sich entwöhnend, nirgend Grund und Halt findet; ist dieser Gedanke nicht erhabener als die Verwässerung und gemüthlose Verflachung, die Alles was nur irgend einen selbstständigen Characterzug manifestirt ängstlich fliehet, sich von verächtlicher Nachäfferei und äußern Umständen -ganz bestimmen läßt, keines wahren Aufschwunges, keiner Begeisterung für den Namen Jude und Iudenthum fähig ist und in erassen Materialismus oder m hohlen jede Liefe entbehrenden Kosmopolitismus ausläuft! .Daß diese Idee im Volke nicht mehr lebendig waltet, dürfte eher ein nachtheiliges Zeugniß für das aus das Materielle gerichtete und im Materiellen ganz untergehende Sinnen und Streben sein: daß auch von Seiten seiner Lehrer diese Ideen verdrängt und ausschließlich in das fast transeendente Gebiet des „Priesterreichs", der „Weltrcligion" des „Reiches Gottes" hinübergetragen wird, hat sein Nachtheiliges, da, so großartig auch eine solche Bestimmung ist, sie doch dem größern Theile unbegreiflich bleibt und daher ihn im Ausdauern und in der Begeisterung herabstimmt, wird nicht auch' das Menschliche im Menschen, dem beim Leiden und Ertragen auch eine irdisch eHoffnung noththut, berücksichtigt: daher jene Idee der Selbstständigkeit, die doch auch ihr Großartiges hat und in jedem Volke geehrt wird, die, fruchtbarer als jenes vage und nach Gefallen zu drehende und zu deutende Ideal, eine lebendige Begeisterung erzeugt, und nicht zurück gewiesen werden darf. — Diese Ueberzeugung schwebte Ihnen nach Hrn. D. Salomon's Erklärung vor: aber Sie blieben ihr, wie mehre Auslassungen und Aenderungen bezeugen, nicht treu; auch dieser Gedanke scheint nicht genug gewürdigt worden zu sein: und wo mehr als in einem neuen, freiem Tendenzen huldigendem Gebetbuche war. ein großer Raum für eine solche kräftige Lebensäußerung geboten? Aber Sie haben, verzeihen Sie meine Herren! den starken aber leider wahren Ausdruck, eine Halbheit vorgezogen, die Ihnen den Vorwurf einer rfrlNJD ^TSri zu Wege brachte und ihn -nicht ganz grundlos zeigt. Ich gehe nun über zu dem was den Lebensnerv jedes Gebetbuches ausmacht, was ihm allein Halt und Dauer zu geben vermag und woran sein innerer Werth sich erprobt: zu der Befriedigung der gemüthlichen Anforderungen. Daß auch in dieser Hinsicht das neue Gebetbuch nicht befriedige und das religiös-gemüthliche Bedürfniß zu wenig berücksichtigt wurde, ist um so mehr zu bedauern, als dieses Buch des Trefflichen und wahrhaft Erhebenden so viel enthält und sich in ihm an. : mehren Seiten eine tiefe hinreißende Gemüthlichkeit kundgibt. Der Tempelverein huldigt dem Fortschritte; es sei fern, hierin einen Abfall, eine Gottlosigkeit wahrzunehmen; dieses Streben und Ringennach einem ihm zusagenden verbesserten Gottesdienste spricht zur Genüge, daß ihm das Göttliche nicht gleichgültig sei, daß das Bedürfniß nach dem Göttlichen sich in ihm kundrhue und sich nach Befriedigung sehne: und wo solches Verlangen sich ausspricht, ist kein Anlaß zur Verdammung; wollen wir daher auch nicht, weil in manchem Punkte von unserer Meinung abgewichen wird, verstoßen und verwerfen und uns in dem alleinigen Besitze der Gottesverherrlichung und der Gottesverehrung wähnen. Dem Streben des Tempelvereins muß Jeder, der aus dem engen Kreise der Gewohnheit und des Vorurtheiles herauszugehen vermag, Anerkenn?

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