Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-02-12 · 7 (12.2.1842) · p. Spalte 103-104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
7 (12.2.1842)
Date
1842-02-12
Page
Spalte 103-104 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/8555529-9894039-9894050--2016-3529094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

108 Jüdische Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten (Strabo). 104 chen Preis bietet btcje' Religion ihrem Bekenner für alle die Opfer, die sie von ihm verlangt?" — Die Antwort auf diese.Frage soll nun der Gegenstand unserer Besprechung in der nächsten Fortsetzung sein. — (Fortsetzung folgt.) Jüdische Alterthumskunde. Die Befchneibung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. , (Fortsetzung.) Dagegen hat er eine besondere Vorliebe für den Homer, dessen geographische Ansichten er überall zu vertreten sucht. Was nun seinen Bericht über das israelitische Volk und die Beschneidung insbesondere anbelangt, so ist er darin viel ausführlicher als alle seine Vorgänger, wie Diodoc und Herodot. Er kennt bereits unfern Gesetzgeber Moses unter diesem Namen, und was .er über ihn aussagt, verdient noch heute einige Rücksicht.. Im sechszehnten Buche seines Werkes (8li'aKom8 rerum geograpliicarum Lih. XVI.) handelt das zweite Kapitel ausschließlich von Syrien im weitläufigsten Sinne dieses Wortes. Als eine Provinz von Syrien betrachtet er nun Judäa, dessen Grenzen er genau nach allen Seiten hin angiebt. Bei der Erwähnung der Hauptstadt Jerusalem und ihres Tempels findet er Veranlassung, eine biographische Skizze von - Moses Leben, Wirken und Handeln einzuschalten. Daran wird eine kurze .Erzählung der Ereignisse nach Moses Tode geknüpft, die etwas verworren-und unklar ist. Denn die Stelle lautet wörtlich folgendermaßen: Qt öl ötaös^dfievoi 2Qovovg fiiv xivag iv zoig avzolg öliyLBivov ßMcaoTtQctyovVTsg, Kal d-eoGcßslg cog ak'yj&elg övxEg. Mnzix9 iqpiöTttuivcov im zi)v lsqoövvtjv to {xlv tvqwxov deiGideuiiovcov, ’imixa zvgavviKWv av&QcaTicov sk fxsv vfjg dsLöidcufiOviag ctl zcov ßQco{idzcoy d7toa%ia£ig9 C01/7t£Q Kal vvv £&og iaxlv avzoig a7V£%s6d'ca, %al TZBQixoyLCu Kal izropal Kal £t xiva zoLavza ivoplod-rj. £K öl zcov xvQavvlöcov za hjGZfjQLa. Das heißt: „Die Nachfolger des Moses verblieben einige Zeit bei denselben Einrichtungen, da sie als Richter und Priester in eigentlichem Sinne dieses Wortes lebten. Hierauf aber gelangten zur Priesterwürde anfänglich abergläubische, dann aber herrschsüchtige Männer, und so entstanden aus dem Aberglauben die Fasten und Enthaltsamkeit von Speisen, wie dieses auch noch jetzt der Fall ist, die Beschneidungen sowohl, als die Ausschneidungen und was der Art noch Mehres erdacht wurde. Aus der Herrschsucht aber entstanden Räubereien." — So unverständlich der Ausdruck hzopal Ausschneidungen, wobei man an das hebräische tro denken sollte, an und für sich ist, so leicht wird seine Erklärung, wenn man ihn in Verbindung mit TVBQizopal betrachtet. Dieses bezeichnet nämlich die einfache Beschneidung eil'eumeiZw) wie sie in alten Zeiten. ursprünglich von den Israeliten geübt wurde. ’EKzoficil aber bezeichnet die Operationsweise der Beschneidung, wie sie seit den Zeiten der Makkabäer, zur Vorsicht und Verhütung eines im Jünglingsalter häufig vorgekommenen Lpispasmusmit dem bei den Israeliten der spätem Zeit, üblich war. — Einer andern Erklärung unsrer Stelle aus dem Strabo zu Folge, könnte man annehmen, daß mit dem hier gebrauchten hzo^al derjenige Gebrauch bezeichnet werden sollte, den wir noch heute bei vielen südlichen Völkern Europas und Asiens vorfinden, und der auch im Alterthume bereits allgemein bekannt gewesen sein dürfte, nämlich der Gebrauch, den wir mit dem Namen des Eunuchismus belegen. Es besieht derselbe in einer Operation, die in der akiurgischen Chirurgie unter der Benennung der Castration, Verschneidung, abgehandelt zu werden pflegt. Die Operation' selbst bezweckt die Entfernung oder die kunstgemäße Exstirpation der beiden männlichen Hoden, Testikel. Für diese Annahme scheint auch die grammatikalische Ableitung des Wortes BKtopal von hziiwew, exciclere, Ausschneiden, exstirpare, ausrotten, verschneiden gewissermaßen zu sprechen, und . man könnte hiermit die Bedeutung des hebräischen Wortes rro, namentlich wie es im Exodus Capitel 4, V. 25 bei Gelegenheit der von der Zipora an ihrem Sohne unternommenen Beschneidungshperation gelesen wird, in Beziehung bringen. Bekanntlich aber ist der Zweck, den man bei der Vollführung der Castration an gesunden Menschen vor Augen hatte, von jeher ein doppelter gewesen. Entweder wurde sie, wie noch jetzt häufig in Italien, bei jungen Knaben vorgenommen, um die Diskantstimme der jugendlichen Kehle bis in das späteste Mannesalter hinauf zu erhalten, und solche Sänger werden deßhalb auch, wie man weiß, Castraten genannt. Oder man beabsichtigte, wie dies auch noch jetzt im Oriente hin und wieder, namentlich aber in der Türkei zu geschehen pflegt, mit der Castration die Bildung von Eunuchen, die dann spater das traurige Amt von Frauenwächtern in den Harems der Sultane zu versehen hatten. Keiner dieser beiden genannten Zwecke, konnte aber bei den Israeliten je vorherrschen, und sie zur Vollziehung dieser grausamen Verstümmelung an israelitischen Knaben bewegen. Sondern wir müssen vermuthen, daß, wenn die Sitte der Castration überhaupt jemals unter den Jsraeljten in Palästina üblich war, diese gewiß nur mit irgend einer frommen, heiligen, der Religion entnommenen Absicht in Verbindung gestanden haben muß. Es konnte dann diese keine andere sein, als die der Erhaltung der männlichen Keuschheit, wie dieses aus der physiologischen Function der hier durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.