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Der Orient · 1842-02-05 · 6 (5.2.1842) · p. Spalte 87-88

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
6 (5.2.1842)
Date
1842-02-05
Page
Spalte 87-88 (sequence 4)
Language
German
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8? Apologetik. Salvador („das Leben Jesu") und de Sacy, von M. Schwarzauer. 88 wahre Messias, welcher der Welt verheißen, wurde/ ist das ' jüdische Volk selber, der verfolgte Messias, der Mann der i Schmerzen während achtzehn Jahrhunderten, die vorüber gegangen sind, der ruhmvolle Messias einer Zeit, die nicht mehr fern ist. Die christliche Civilisation ist erschüttert, die Welt mußte erst das Christentum überstetzen; sie wird zu den rein hebräischen Ideen zurückkehren, und die Juden werden. zweimal die Herren und Urheber der Civilisation geworden sein. Man kann sich im Uebrigen leicht denken, was aus dem Leben Jesu Christi wird, wenn es aller Wunder beraubt und auf die Biographie eines Sectirers, der entweder geschickter oder glücklicher war, zurückgeführt wird! Nur eins wäre noch zu erklären, das ist der Grund, warum dieser Sectirer, welcher seine Moral von Philo und den Essäern, seine Glaubenslehren vom Oriente entlehnt hat, der sich den Messias, wie so viele andere, genannt, der Wunder gethan hat zu einer Zeit, wo sie gewöhnlich waren, der nur die furchtsamsten und unwissendsten seiner Landsleute, zu Gehilfen hatte,, der durch einen schimpflichen Tod endigte, allein unter allen Sectirern seiner Periode einen so wunderbaren Erfolg gehabt hat? Erklärungen dieser Art, wie sie Herr Salvador giebt, haben immer einen Fehler, nämlich sie erklären Alles, ausgenommen gerade den Punkt, den man erklären mußte: warum der Glaube der Menschen eher auf diesen als auf einen andern gefallen ist? 4) Ich glaube einen Anatom zu sehen, der um die Ursachen des Gehörs anzugeben, sehr gut zeigt, wie der Schall, zum Ohre gelangt, und den Knorpel trifft, den er treffen soll, aber warum ich höre, wenn die materielle Operation vorüber ist, das sagt ihm die Wissenschaft nicht besser als mir, der ich glaube, daß der Schall, das Ohr, das Gehör, oder die Seele welche hört, das Werk Gottes sind zc." „Ich gestehe übrigens, daß, so erfinderisch, so wahrscheinlich auch, wenn man will, die Verteidigungsrede ist, welche Hr. Salvador zu Gunsten der Pharisäer und des jüdischen .Rathes hält, es mir doch sonderbar vorkommt, daß derjenige welcher alles Unrecht hatte, unter andern auch das Unrecht, sich an das Kreuz schlagen zu lassen, die Kunst besessen hat, 4) Wir halten diesen Punkt in der Sache selbst schon hinlänglich erklärt. Einerseits giebt der glückliche Erfolg des Christenthums und seine Dauer und Verbreitung in Zeit und Raum schon deshalb keinen Beweis ab für die Wahrheit seiner wunderbar göttlichen Erscheinung, wie es de Sacy hier zu verstehen geben will, weil sonst das Heidenthum dieselben Beweise in unvergleichlich größerem Maaße für sich beanspruchen könnte. Wohl aber können wir den Sieg des Christenthums dahin erklären, weil erstens das Heidenthum sich überlebt hatte, und jenes von den ewigen Wahrheiten des Judentums so viel in sich ausgenommen, und, dessen die Sinne in Fesseln schmiedenden Cultus von sich fern haltend, nun durch Accomodation an den dermaligen Zeitgeist, sehr leicht Anhänger bekommen mußte; und zweitens, weil es dem immer mehr stabil werdenden Monarchismus die Hand zum ewigen Bunde bot, und so gemeinschaftliche Sache machend ihn am zweckmäßigsten ansprach. sich durch das ganze Weltall Recht zu verschaffen. Wir sind ein wenig weit von der Zeit entfernt, wo die Kreuzigung Christi stattgefunden hat, um strenge über die Form seines Processes aburtheilen und um g-nau wissen zu können, was in den Herzen derjenigen vorging, die ihn verdammt haben; auch verlange ich eben nicht seine Rehabilitation. ^)" „Ich würde ungerecht sein, wenn ich hier nicht hinzu fügte, daß Herr Salvador diese dornigen Fragen mit aller Mäßigung und allen möglichem Ernste abhandelt, und daß er ein sehr höflicher, sehr würdiger Gegner ist, von der sorgsamsten Rechtschaffenheit." — „Man sieht sogar, daß Hr. S. und dafür weiß ich ihm Dank , eine innere Angst, eine Art delicater Schamhaftigkeit empfindet, den Glauben und die heiligen Gefühle so vieler Menschen zu verletzen, ungeachtet der Freiheit, welche ihm seine Persönlichkeit als Jude giebt. Eben so wenig darf man vergessen, daß Hr. Salvador mit einer ganz natürlichen Vorliebe die Ehre seiner. Nation verteidigt, und daß seine Klagen nach achtzehn Jahrhunderten der Leiden und der Unterdrückung ziemlich'gemäßigt sind rc." „Ich will hier nicht in eine Erörterung aller derjenigen Punkte eingehen, in denen ich nicht mit Herrn Salvador übereinstimme; man kann wohl denken, daß sie wesentlich und zahlreich sind." „Der Glaube wird Niemandem aufgedrungen. Aber ich erkläre es, ich kann eine Religion ohne Geheimniß und ohne Wunder nicht fassen. Die religiöse Stimmung eines Menschen wird durch das Wunderbare erschüttert, wie die Saite einer Leier durch den Finger, der sie berührt." — „Ohne Wunder wurde die Religion selbst keine Civilisation mehr sein; denn wo sollte sie die Kraft her nehmen, den Geist und das Herz der Menschen zu ändern? t 5) Warum nicht? Wir sind der festen Ueberzeugung und mit uns sicher jeder unparteiische Beurteiler, seine Verurtheilung würde auch jetzt unvermeidlich sein. Jesus erschien als Messias, als der I u d e n -K ö n i g, und forderte hiermit das dmnalige Staats-Oberhaupt heraus; Jesus erschien als Gottessohn, nach echt christlicher Auffassung, in des Wortes mög ligster, eigentlicher Bedeutung, welches nach'jüdisch mosaischem Gesetze als die größte Blasphemie betrachtet werden mußte, und so war dies ein äelielum atrox, ecclesiasticum et seculare, welches nach den Gesetzen aller Zeiten und aller Volker das Todesurteil zur Folge haben würde. 6) Welcher wahrhaft religiös Gesinnte möchte nicht von ganzem Herzen hierin mit Herrn de Sacy übereinstimmen! Und auch wir finden uns, von vornherein zu der Erklärung genötigt, in sehr vielen Punkten nicht der Meinung des Herrn Salvador zu sein; halten daher schließlich noch folgende Bemerkung, an ihrem Orte. Man hat in der neuesten Zeit, von .Seiten der jüdischen Rationalisten sich eines Kunstgriffes bedient, um den Pechkranz des Unglaubens unter der Maske des Glaubens — die gewöhnliche Mephistopheles-Methode ~ auch in die Herzen zu schleudern, in denen noch die Religion ihre Heiligtümer unversehrt erhalten. In den Predigten jener Schule nämlich wird, so oft von einem biblischen Wün-

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