Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Spalte 85-86 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sö Apologetik. Salvador („das Leben Jesu") und S. de Sacy, von Schwarzauer. 88 feine Christen werden, denn sie hatten mehr als das Christenthum. Das Christenthum ist für die Heiden ein unermeßlicher Fortschritt gewesen; für die Juden wäre es eine Entsagung ihres Ruhm es gewesen, der ihnen verheißen ist; wären sie Christen geworden, so hätten sie die Welt yerrathen, für welche sie erhalten wurden, denn sie werden an die Reihe kommen, wenn die christliche Civilisation erschöpft sein wird. Hier zeigt sich nun das wahrhaft bewundernswürdige Schauspiel der Bestimmung, und ganz besonders der Erwählung dieses klei-; nen Volkes aus Judäa. Die jüdische Nation theilt sich und : bildet gleichsam zwei Armeen, die eine ziemlich schwach an : Zahl, doch mit einer wunderbaren Fruchtbarkeit des Prosely- - tismus begabt, predigt den Nationen das Evangelium, unterl nimmt es, die Religion der Welt zu ändern , ändert sie! in der That, bricht nun deshalb mit den Brüdern, um der heidnischen Welt ihre Bekehrung zu erleichtern, und zwingt die Heiden trotz ihres Stolzes, trotz ihrer Verachtung und ihres Hasses für alles das, was aus Judäa kommt, das Knie! vor einem jungen jüdischen Manne zu beugen, und ihn als : ihren Gott anzu erkennen: ich bediene mich hier der Worte des Herrn Salvador, ich liebe den Nationalstolz an ihm. Was seit achtzehn Jahrhunderten in der Welt von Christen 5 eristirt, ist die ungeheure Nachkommenschaft dieses kleinen! jüdischen Stammes, Kinder Abrahams und Schüler Jesu j -Christi. Die größte Revolution, die je unter der Sonne statt-; gefunden hat, ist ihr Werkrc."; „Der andere Theil der jüdischen Nation verschließt sich; in sich. Ihre Stadt ist zerstört, ihr Vaterland ist nur noch! m verwüsteter Erdstrich, weit entfernt, daß die Bekehrung! der Welt, welche durch den Erfolg des Evangeliums halb! jüdisch geworden, ihnen ihr Elend in etwas versüße, hat viel-; mehr die Welt einen neuen, einen unerhörten Gegenstand des j Haffes in ihnen, man klagt sie des Gottesmordes an. Man! raubt ihnen ihre Schriften, man bemächtigt sich der Ver-; hekßungen, die Gott ihnen gemacht hat, was in den Proj pH et en nur von Schmach und Leiden voraus gej sagt worden, das läßt man ihnen, alles Ruhm- : volle deutet man auf sich.^) In der Kirche, auf dem Z) ,,Das ist der Fluch der bösen That, daß sie fortwäh-' rend Böses muß erzeugen." Die Lüge ist eine Schraube ohne Ende. Bis auf den heutigen Lag, hat sich die Schmach : der mit Haß getränkten christlichen Beurtheilung, so oft es dem Judenthum und dessen Bekennern galt, fortgeerbt. Verfiel das jüdische Individuum dem Laster anheim, so wurde! das ganze Judenthum sowohl, als feine sämmtlichen Beken-! ner dafür verantwortlich gemacht. Siegte die Lugend, wurde man für Haß und Verfolgung mit Edelmuth und Liebe vom Israeliten überrascht, so war, so mußte es eine Ausnahme, oder wohl gar der Einfluß der christlichen Civilisation sein. Als die Juden von den Fesseln des Mittelalters sich ■ losreißend, die Wissenschaft ergriffen, oder besser, als jene von; dieser ergriffen wurdensie in sich amalgamirten, und als . Katheder der Lehrer, überall nennt man sie mit Verachtung. Selbst die Philosophie verlangt nur Duldung und bürgerliche Gleichheit für sie, indem sie ihre Schriften und ihre Geschichte verdammt. Die Juden sind es, um mich nochmals der Ausdrücke des Herrn Salvador zu bedienen, welche seit achtzehn Jahrhunderten die Kreuzigung erduldet haben. Und dennoch hat -nichts ihre Treue entmuthigen können! Sie haben ein Vermächtniß zu bewahren, sie haben es bewahrt mitten unter Beschimpfungen, Verfolgungen, Flucht und Zerstreuung: der Welt eine Civilisation aufbewahrend, für die sie noch nicht reif war. Noch mehr, ungeachtet so vieler Ursachen der Zerstörung und des Todes haben sie sich auf-eine wunderbare Art vermehrt. Sie scheinennur aus ihrer Heimath verjagt, zu sein, um sich unter die Masse von Nationen zu mischen und den Kern einer neuen Einheit zu bilden, welche die Zeit enthüllen wird. Es giebt keinen Winkel aus der Erde, keinen noch so verborgenen, noch so unkultivirten Ort, wo man nicht Juden findet, mit ihrem Sinn für Arbeit, Industrie und ihr Gesetz. Sie erwarten ihre Zeit! Diese Zeit ist nahe. Der in nothwendiger Consequenz auch ihre Religion und ihr Cultus nicht isolirt bleiben konnte, — da mußte es das Christenthum und ewig dieses sein, dem sie, die nur einzig und all ein, mit der Fackel der Wissenschaft in der Hand, aus demMosaismus und sein en Traditio nen nothwendig ihre Bildung entwickelten, Alles entnommen haben sollen. Nicht das Christenthum, was es als solches, von seinen Müttern, dem HeidenundJudenthum unterscheidet und seine eigenthümliche Doetrin, war der Schöpfer jener großen Resultate der heutigen Weltgeschichte, sondern dasjenige was in ihm von dem Geiste wohnt, den es bei seiner natürlich historischen Geburt zur Mitgift sich genommen. Die Weltgeschichte ist ja auch hier das Weltgericht. Denn mit demselben Rechte könnte der Fetischismus und die Jdololatrie die Ergebnisse ihrer geistigen Koryphäen sich vindicixen, bei denen doch das heutige gebildete und ungebildete Christenthum mehr lernt und unverhattnißmäßig länger in die Schule gehr, als bei und von den sehr wenigen, oft schwer verständlichen Blättern Jesus und seiner Apostel. Wenigstens hat der weltgeschichtliche Fortschritt der Menschheit, den Jdololatristen Homer, Pythagoras, Pindaros, Sophokles, Herodot, Sokrates, Hippokrates, Plato, Aristoteles, Phidias, Praxiteles, Skopas, Polyklet, Zeuxis, Parrhasius Aristarchos und Archimedes, ebensoviel zu verdanken als den christlichen Aposteln bis zu den Päpsten, dem Bonifacius, Olav, Boleslav, Peter von Amiens und — dem Ignaz von Loyola rc. Ja wir wollen es bis zur Evidenz beweisen, daß das christliche Prineip in seinem engsten dogmatischen Sinne, der Welt in ihrem Fortschritte mehr.hindernd als fördernd war. Und so oft wir die Geschichte einen großen Anlauf machen sehen, so ging diesem entweder eine philosophische Erweiterung jenes Princips voran, wie bei dem Erwachen des Protestantismus, .oder wohl gar eine gänzliche Losreißuna vom Christenthume, wie zurZeit der französischen Revolution. Und so wie der alte Polytheismus mit dem ihm sehr homogenen neuesten Pantheismus die Demokratie und die politische Freiheit in ihrem Schooße getragen, so sind der Monotheismus und die Lrinität die Quellen der Monarchie und des Absolutismus. Bei einem umgekehrten Resultate wäre die Wett vielleicht schon um Jahrtausende weiter. 6