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Der Orient · 1842-02-05 · 6 (5.2.1842) · p. Spalte 83-84

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
6 (5.2.1842)
Date
1842-02-05
Page
Spalte 83-84 (sequence 2)
Language
German
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84 83 Apologetik. Salvador („das Leben Jesu") und S. de Sacy, von Schwarzauer. Christettthüme seinen Charakter göttlicher OWbarüng 'und des höchsten Gesetzes der Geister zu nehmen. Nach Hrn. S. hat vielmehr das Christenthum in einigen wesentlichen Theilen das Gesetz und die Religion der Juden verdorben/ öder, um mich eines Ausdrucks zu bedienen,.welcher dem Gedanken des Verfassers besser entsprechen wird, die religiöse und politische Philosophie hes Aölkö's Mosis> die Hebräische Civilisation. Der, den die christliche Kirche als ihren Stifter und göttlichen Herrn anerkennt, hat aus dem Orient gekommene Glaubenslehren mit der Einfachheit des israelitischen Glaubens vermischt. Diese Glaubenslehren, welche die babylonische Gefangenschaft, die Reisen, der Handel unter den Juden verbreitet hatten, welche aber blose Gegenstände der Meinun- M uÄ NsMationen geblieben waren, ohne rn das Gesetz MMMM Äer einen verpflichtenden Äharakter "anzünehmen, hat die neue Lehre ihnen einverleibt. Von dem rein hebräischen Gesichtspunkte aus/betrachtet (ich spreche imck'er nach den Ideen des Herrn Salvador) ist die Welt gut; die Erde ist das Paradies des Menschen; das Uebel ist hier nur ein Zufall, den man durch Arbeit ausrotten muß, wie den Dornstrauch, der auf einem fruchtbaren Acker emporschießt „Was die Moral anbelangt, so behauptet Herr Salvador, ohne dem Meister der Christenheit den Ruhm, daß seine Lehre eine überzeugende Anmuth und eine oft unvergleichliche Erhabenheit besitzt, streitig machen zu wollen, daß das Christenthum sie schon ganz vorbereitet, ganz v ollend et,vorgefunden habe, einige Ideen von ascetischer Strenge vielleicht ausgenommen, deren Uebertreibung sich natürlicherweise mit der orientalischen Glaubenslehre von dem Uebergewichte des Bösen in dieser Welt verbinden mußte. Diese Aussprüche sind in der Lhat wahrhaft schön, trotz der decl^matorischen Beredsamkeit, welche sie ein wenig ihrer Anmuth beraubt^ und zeugen von einer sehr erhabenen, sehr reinen Moral. Er stellt auch mit der berühmten Bergpredigt ein Buch in Parallele, welches weit älter ist, als die Offenbarung des Evangeliums, das Büch Jesus Sir ach, ein Lheil der moralischen Bücher der Bibel. Und warum (damit ich's gleich sage), warum sollten die Christen dem Philo, dessen Wissen durch das Studium der heiligen Schriften, aufgeklärt war, dem Sohn des Sirach, den Essäern, die Ehre streitig machen, die Lehre des Evangeliums vorbereitet zu haben? Welcher vernünftige Christ kann zweifeln, daß die griechischen Philosophen.sehr viel dazu beigetragen Hebreu. Nach der . zweiten Ausgabe aus dem Französischen übersetzt für Gelehrte und Gebildete aller Stände 'von Dr. Essenna, bevorwortet von Dr. Gabriel Riesser. Hcimburg 183'6-M Hö'ffmann mnd -Campe. Sind wir auch noch so weit von bem religiösen Standpunkte des Hrn. S. entfernt, so -können wir dennoch nicht umhin, dieses Buch ebenfalls, wegen seiner höchst geistreichen und scharfsinnigen Auffassung des Mosaismus, und wie es die falschen Vorurteile und Ansichten siegreich zu bekämpfen sucht, unfern Lesern angelegentlichst zu empfehlen. habery das HÄenth'um zu zerstöben, üNd den Geifl'dÄ Menschen für den Glauben an die Einigkeit Gottes empfänglich zu machen? Wenn der Meister der Christenheit den Menschen öine Moral gepredigt hätte, deren Principien sie nicht in sich selber wieder gesunden hätten, würden sie ihn gehört haben? Philo hat es gesagt, es sei! Ehre dem Philo; Ehre der Weisheit, welche überall sein kann und stets dieselbe ist! Aber weder Philo noch Jesus Sirach haben die Welt belehrt. Wir, die Abkömmlinge der Heiden, haben nur durch das Evangelium diese göttliche Moral, durch das Evangelium hat ihre Fackel die Welt? erleuchtet.. DreIdeen gehören denen, die sie verbreiten; denn sie verbreiten, heißt: ihnen das Leben geben, heißt sie erschaffen!" *) „Doch der Plan des Herrn Salvador ist, aüf eme allgemeine Weise das Uebergewicht der rein hebräischen Idem über die christlichen Ideen darzuthum So wie die christliche Civilisation wert höher stand, als die heidnische, so schließt das Iudenthum nach Hrn. S. seinerseits den Keim einer Civilisation in sich, welche vollkommener als die christliche ist. Zwei Umstände trafen mit der Absicht der Vorsehung oder mit der Ordnung, welche die allmähligen Fortschritte dieser Welt bestimmt, überein, der eine, daß ein Theil von der jüdischen Nation losgerissen, sich unter die Heiden verbreitet und ihnen viele ihrer Ideen mittheilte, wodurch ihre Götzen vernichtet und die 'Welt von einem groben Cultus gereinigt würde, der andere, daß die Menge des israelitischen Volkes sihren Principien treu blieb, wodurch dieselben in ihrer ganzen Reinheit für die Zukunft bewahrt wurden. Die Juden sollten 2) Wir schätzen und würdigen das von Verletzung sickerhebende, christlich religiöse Gefühl des Herrn de Sacy, und rechnen daher diesem, diese hohl klingende Phrase zu gute; denn daß es nur eine solche und durchaus eine grundlose ist, wird Uns Herr de Sacy um so lieber zugegeben haben, als wir sonst der Versuchung ausgesetzt werden könnten, mit demselben Schluffe — den Verlegern seiner wissenschaftlichen Werke und nicht ihm das große Verdienst, welches er sich um die Wissenschaft erworben, zu vindiciren;. denn offenbar 'wären jene, die Verbreiter seiner Ideen, auch deren Schöpfer. Demnach wären die rohen Formen jedes großen Werkes mehr denn der darin waltende Geist, die arbeitenden Gesellen mehr denn der leitende Meister, die Schüler mehr denn der Lehrer, der Leib mehr denn die Seele; der Mensch mehr, denn Gott. — Es handelt sich hier nicht um Motive der Eitelkeit bei diesetn Prioritätsstreite der höchsten Wahrheiten im Leben — wir würden die Letzten sein, Partei zu ergreifen; das Wahre mag erkannt werden ohne Rücksicht aus das Mittel, durch welches der Schöpfer der Wahrheit uns dasselbe Übermacht; — sondern um nichts geringeres als um die Wahrheit der Erscheinung des Christenthums in seiner gött lichen Positiv ität. Ist es einmal zugegeben, das Christenthum sei eine Emanation des Judentums, und seine diesem fremden Bestandteile "habe es vom Heidenthume mit ausgenommen, um sich mit letzterem zu versöhnen: -— so ist hiermit die Möttlichkeit und also auch die Notwendigkeit seiner Erscheinung aüfgegeben.

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