Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Seite 43 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Schlüsse Hmzu, daß nicht beleidigte Persönlichkeit, sondern einzig und allein warme Teilnahme und die Pflicht der Dankbarkeit, meine Feder geführt und dies Schreiben hervorgerufen haben, indem ich dies der unterdrückten Wahrheit schuldig zu sein glaubte." * * Halberstadt, 23. Jan. Sie erhalten beigehend die Besprechung einer Kinderschrist von Gustav Nieritz, die 1841 in Leipzig erschien, zur geneigten Aufnahme. Im Begriff für die Lesebibliothek einer Schule einige Kinderschriften anzuschaffenkam mir diese Schrift in die Hände, und gewiß dürfte ein solches Buch für die unreife zarte Jugend verfaßt, jeden Israeliten wie mich empören. Deshalb fand ich mich veranlaßt, meine Amtsgenoffen auf diesen neuen Geist der Finsterniß, der schon in das Herz her Kinder eindringen soll, aufmerksam zu machen, und vielleicht dadurch zu bewirken, daß unsre jüdischen Gelehrten mehr als bis jetzt geschehen, in einem Blatte, welches, wie das Ihrige, bei christlichen Gelehrten Eingang gefunden, gegen den so bedrohlich um sich greifenden Pietismus zu Felde zu ziehen. Nächst dieser Arbeit wird es mir sehr angenehm sein, Einiges über jüdisches Schulwesen einzusenden. „Wenn der Glaubenshaß, diese sich selbst widersprechende Geißel der Menschheit, sich da kund giebt, wo man dessen trübe -Quelle leicht aufsindet, sei es hier der Krämergeist, der den Concurrenten fürchtet, oder dort ein roher Pöbelhaufe, der im Gefühl eigner Unwürdigkeit, gern seinen trunkenen Uebermuth an einem Juden ausläßt, weil er ihn auch im Staate stiefmütterlich behandelt weiß, so sinh diese Erscheinungen, wie Irrlichter aus faulem Gründe entstiegen und als natürliche Folgen menschlicher Schwachen oder ungeschlachter Rohheit, wohl zu bedauern aber nicht weiter zu beachten. Wenn Staatsregierungen noch diesen Schwachen huldigen, und deshalb einem Theile ihrer Staatsbürger Menschen- und Bürgerrechte vorenthalten, so bleibt den Zurückgesetzten noch die Hoffnung, die fortschreitende Civilisation werde endlich die Vorurtheile besiegen. — Wenn aber der Religionshaß darauf hinarbeitet, sein Gift immer frisch aufzukochen, und es wohl verwahrt auf die Nachwelt zu vererben, so muß es den Menschenfreund tief betrüben, daß dadurch auch für die Zukunft eine düstere Aussicht bleibt, und daß die glückliche Zeit noch lange werde erwartet werden müssen, wo in dem Menschen überall der Mensch geachtet wird. Zu dieser unerfreulichen Betrachtung veranlaßt eine in Leipzig erschienene Kinderschrist, Seppet, oder der Synagogenbrand, betitelt. Der Verfasser, Herr Gustav Nieritz, dessen lehrreiche Erzählungen von der Jugend gern gelesen werden, hat es in seinem frommen christlichen Eifer verrarhen, daß auch die Jugendlehrer, uneingedenk ihres heiligen Berufes, die Menschheit zu veredeln und die Humanität in dem Herzen der Kinder fest wurzeln zu lassen, sich nicht scheuen, durch solche Schriften den Haß gegen Juden ^nd Judenthum bei der Jugend wach zu erhalten. Es Ist dem Verfasser nicht unbekannt geblieben, daß das Judenthum, welches von ihm wegen der vielen Retigionsbürdm bedauert wird, diese in neuerer Zeit hier und da abzuschütteln angefangen hat, und er schreibt diese Erscheinungen den Einwirkungen des Christenthums zu S. 362. Da er aber mit Recht fürchtet, daß in diesem rastlosen Streben, sich selbst zu emamipiren, bald keine Spur mehr von dem Schmutze vorhanden sein dürfte, der dem Juden aus den Ghetto's angeklebt war und daß bald nirgends Wehrdas Jammerbild anzutreffen sein werde, zu welchem der Jude durch den Fanatismus und den Haß des Mittelalters verzerrt worden ist, daß sich ferner die christliche Jugend schon früh mit der jüdischen auf den Schulbänken befreunden möchte, deßhalb will der Herr Verfasser sich in neuester Zeit das Verdienst eines Eisenmenger und Consorten erwerben, und ist darauf bedacht, jene Zerrbilder, denen es so sehr an Wahrheit fehlt, in schönem Rahmen vor die Jugend zum ergötzlichen Beschauen hmzustellen. Der Hauptmoment der Erzählung ist ein mehrmals kannibalisches Auto da fe vor.150 Juden in der Synagoge zu München, wegen jenes fürchterlichen Wahnes, der im Orient wieder ausgetaucht und von der Journalistik bis zum Uebevdruffe abgehandelt worden ist. Auch unserm Verfasser liefert es einen effettreichen Stoff, und er bezeichnet diese Handlung als etwas, das den Christen eben keine Ehre macht, und in einer lebhaften Schilderung der 'Todesqualen seiner Geopferten, entblodet er sich nicht, sich eines der niedrigsten Gleichnisse zu bedienen, damit sich wahrscheinlich die christliche Jugend, seine „lieben Lesers daran recht ergötzen soll. — Wahrlich aus der ganzen Stelle (S. 140) möchte man versucht fein, die verhaltene Freude eines Tilly bei den Mordscenen in Magdeburg zu vernehmen, etwas, um das wir ihn nicht beneiden wollen. — Wohl aber möchten wir es bedauern, wenn der gute Mann gerade darin ein Mittel findet, den jungen Christen recht innig das Glück empfinden zu lassen, Christ zu sein. Zu dem Ende wimmelt das Büchlein von Verleumdungen und von ^ine-c Unkenntniß deS Judenthums, daß selbst christliche Mißbräuche aufgerafft sind , um sie dem einmal zum Pranger verdammten Judenkhume an" den Hals zu werfen. Unter den vielen Absurditäten wollen wir nur einige beleuchten. „Das Fleisch des stößigemOchsen sei nicht koscher" hier weint der Vers. 2 B. M. 21, 28, ein Polizeigefetz, den unachtsamen Eigenthüm ec zu strafen, das aber nur für 'Palästina zur Zeit des iscael. Staates gültig gewesen-war. 'Welche klägliche Scenen Liefert dem Verfasser die nach seiner Meinung unumgänglich nothwendig fein sollende Levirats-Ehe, da 5 B. M. K. 25, 7—9 ihn 6*