Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Seite 42 (sequence 3)
- Language
- German
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42 das Selbstbewußtsein erwachte und in diesem Geiste wird noch jetzt der sich aufdringende christliche Pietismus -zurückgedrängt und jede Bekehrung verhindert. '(Fortsetzung folgt.) Deutschland.' Hamburg, Jan. 1842. Die Redaktion des Orients möge mir erlauben > die hier folgende Erwiederung auf einen Artikel der A. Z. d. 3., die nur im Interesse der guten Sache, ohne alle persönliche Beziehung abgefaßt ist, hier mitzutheilen: „Das vor Kurzem in einem der Blatter der A. Z. d. I. befindliche Schreiben, die Talmud-Tora betreffend, ist hiesigen Ol'ts Mit Staunen und Unwillen gelesen worden; es hat die freche und schamlose Weise, in der der ungenannte Einsender die Leistungen dieses im wahrhaft religiösjüdischen Geiste wirkenden und bildenden Instituts herabzuwürdigen versucht hat, mit Recht die Gemüther vieler Gemeinde-Mitglieder, überhaupt aller Wahrheitsfceunde außerordentlich empört. Da nun, außer der Direction des Instituts, die in den letzten 20 Jahren daraus entlassenen Schüler vorzüglich angegriffen sind, so nehme ich, der ich mich mit Stolz zu dieser Zahl orthodoxer unwissender Jünglinge zahle, nachdem ich vergebens gehofft habe, daß Bessere, als ich, etwas erwiedern würden, endlich mir die Freiheit, einige wenige Worte auf diese unwürdige Schmähung zu entgegnen. „Nicht jedoch ist wein Zweck etwa, mich selbst zu vertheidigen, sondern nur, daß man den Schüler, der diesem Institute viel, sehr viel zu verdanken hat, nicht der Unthätigkekt oder der Undankbarkeit anklag e. Da der Einsender ein Anonymus ist, so will auch ich mit geschlossenem Bisir in die Schranken treten, um, da ich der Besorgniß, Jemanden beleidigt zu haben, überhoben bin, weine Meinung desto freier sagen zu können. Was den Verfasser dieses Aussatzes betrifft, so können hier zwei Fälle möglich sein. Entweder er ist des Wesens und der Einrichtung der Schule unkundig, so wie er auch die in der letzten Zeit daraus entlassenen Schüler nicht zu kennen scheint, er hat es also nur vo.m Hörensagen.. Wie konnte er aber so leichtsinnig sein, über eine Sache zu urtheilen, die er nicht selbst prüfend durchforscht hat? Wie konnte er überhaupt so leichtgläubig sein, einem böswilligen Werlaumder Glauben zu schenken? Man kann es also nur seiner Geistesschwäche, höchstens einem vorlauten naseweisen Wesen zuschreiben. Der bei Weitem wahrscheinlichere zweite Fall ist, daß er wohl die Schule und deren Leistungen kennt, sie aber, mit scheelem Blicke sie betrachtend, absichtlich zu entwürdigen strebt; und dann ist er selbst der böswillige Verläumder, der sich solcher lügenhaften Reden bedient, um leichtgläubige, der Verhältnisse unkundige Leser zu täuschen/' Denn die Sache selbst, bei Lischt betrachtet, erweist sich als evident falsch. Es möchte wohl noch mancher Jüngling aufzusinden sein, der derTalmud-Tora sowohl seine religiös-jüdische, als auch überhaupt seine geistige Bildung verdankt, „Md der im Stande wäre Kinder orthodoxer Eltern, wenn letztere dies verlangen, das Erlernte wiederzugeben.^ Es dürste auch wohl der Eine und der Andere gefunden werden, der einige Zeilen hebräisch schreiben könnte, wiewohl dies keine der Anforderungen ist, die an eine Schule, geschweige denn an eine Volksschule, gerichtet werden dürsten. Und man könnte auch viele junge Männer aufzählen, die, ohne sich dem jüdischen Studium gewidmet zu haben, durchaus keine Laien in der heiligen Schxist und deren Commentatoren sind. Der Einsender sagt ferner: „Es ist eine kostspielige Veränderung vorgenommen worden, aber Veränderung ist noch keine Verbesserung." Wahrlich, eine Bemerkung, die eben nicht von Salomonischer Weisheit zeugt! Nun ja, nicht jede Veränderung ist eine Verbesserung; aber die, welche vor 20 Jahren durch den geistlichen Beamten hier Statt fand, war wirklich eine solche; davon zeugt laut das öffentliche Urtheil, das sowohl bei einer vor längerer Zeit stattgehabten öffentlichen, als auch bei Gelegenheit einer vor etwa 5 Jahren gewesenen Privatpcüfung sehr günstig ausffel. 'Davon zeugt ferner das vor noch nicht langer Zeit ausgesprochene öffentliche Lob eines Vorstehers des Handwerksvereins, daß die eine Profession erlernenden Schüler der Talmud-Tora besonders sich die Zufriedenheit ihrer Lehrherren erwarben: Beweis genug also für das Wirken des Instituts, daß auch denen seiner Schüler, die sich nicht durch besondere Kenntnisse auszeichnen, doch wenigstens sittliche Bildung zu Theil geworden ist; es müßte denn auch dies vom Herrn Einsender in Abrede gestellt werden. Den unparteiischen Freund der Wahrheit, glaube ich zur Genüge von der Falschheit des vorliegenden Berichtes überzeugt zu haben, und den Lügenpropheten selbst zum Schweigen zu bringen, war gar nicht meine Absicht. Uebrigens kennt man den Grund aller Schmähungen/sowohl gegen den hiesigen geistlichen Beamten selbst, als auch gegen Alles, worauf er nur den geringsten Einfluß übt, bereits zur Genüge; „es ist die Wunde, die er durch sein Verbot des neuen israelitischen Gebetbuches schlug, und die neuerdings der Altonaer Oberrabbiner wieder aufriß. Es sind noch immer die krampfhaften Zuckungen der sich vor Schmerz krümmenden Gegner, die Alle gegen den Einen anschreien und lärmen, wie es nur noch die Damen der Halle können. Ich füge nochmals zum