Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1842)
- Date
- 1842-02-05
- Page
- Seite 41 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern, ititb allen solid. ^Buchhand- Lungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Nr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 6« Leipzig, den 5. Februar 1842« Orient. (Palästina. Die Umtriebe der Iudenmiffionen im heiligen Lande in der Bekehrungssucht.) — Deutschland. (H a mbur g. Replik in Bezug der Talmud-Tora-Schule von * *. Halberstadt. Besprechung einer Kinderschrift von Nie ritz. Berlin. Die Schrift über die jüdischen Gauner in Deutschland. Hannover. Verhandlungen der zweiten Kammer üb. jüd. Rechtsverhältnisse. Die ausführliche Debatte.) — Böhmen (Prag. Jüdisches Rabbknen- und Gemeindewesen.) — Populäre'Aufsätze und Beurtheilungen. Ueber das Verhältniß des Lehrers u. der Schule nach d. rabb. Rechte u. d. Herkommen. — Personalchronik und Miscellen. Eine interessante Autographensammlung. — LB. d. Or. Orient. Palästina (Forts» von Nr. 4.). Freilich wird von den Missionen nicht immer eingestanden, daß die Bekehrung der Juden der alleinige. Zweck ihrer Sendlinge sei, vielmehr hört man nur zu oft die salbungsreichen Phrasen von einer Auferstehung der erstorbenen Kirchen des Orients, von einer Bekehrung der Drusen des Libanon, der Griechen, Armenier, der Nestorianer, ja sogar der Katholiken, und schämt sich nicht, jene unduldsamen Worte offen zu sagen, daß nur der Protestantismus die wahre christliche Religion sei und alle andern Bekenner nur gleich den Heiden zu achten waren. Allein wer es weiß, wie gehaßt, isolirt und unfruchtbar das evangelische Missionswesen im Oriente dasteht, wie zahm den dortigen mächtigen Kirchen gegenüber diese Sendlinge austreten müssen, dem entgeht es nicht, daß es nur auf die . schutzlosen Juden abgesehen sein kann. Nur gegen diese, scheint Alles erlaubt; ausgeschlossen von so vielen natürlichen Rechten, glaubt man, sich kein Gewissen darüber machen zu dürfen, wenn man ihre geistige und moralische Gesundheit untergrabt. Doch ich will die Resultate dieser Bestrebungen aufzahlen. Der Hauptgewinn, den diese Gesellschaft bis jetzt aufzahlt, ist, nach ihrer eigenen Mittheilung, die Bekehrung einer jüdischen Familie, die im April 1839 in Jerusalem getauft wurde. Aber selbst bei den Tiraden, daß seit den ersten Jahrhunderten des Christenthums dieses das erste Beispiel wäre, so ist es dennoch nur ein geringer Triumph und kann höchstens dazu beitragen, das Selbstbewußtsein der Juden zu erwecken. Es ist für jedes fromme Gemüth gewiß betrübend und verletzend, wenn es eine die edelsten Zwecke der Religion zur Schau tragende Gesellschaft die Bestrebungen der Juden im Osten zu eigenen intoleranten Zwecken ausbeutm sieht. Die Idee einer Colonisation Palästinas durch Juden hat bekanntlich innerhalb des Judenthums Platz gefunden, Lord Ashl e^ in England, ein einflußreiches Parlamentsmitglied, hat sogar dem auswärt. Ministerium eine Schrift über den Nutzen einer europäisch-jüd. Colonisation von Palästina übergeben und selbst die Missionsgesellschaft hat Anfangs in dieser Idee nur ein jüdisch-nationales Streben gesehen, indem sie in einem Berichte sagte: „die Juden sind die zahlreichste und mächtigste Nation im tückischen ' Reiche." Aber rücklings suchte die protestantische Bekehrungssucht sich dieser Idee zu bemächtigen und für eigene Zwecke zu benutzen. Auf dem Berge Zion, der Davidsburg gegenüber, nahe dem Thoce von Jaffa an den Grenzen des Judenquartiers suchte die Gesellschaft Land zu erwerben, auf welchem am 10. Febr. 1840 der Grundstein zu einer juden-christlichen Kirche gelegt und der Bau eines Spitals 'für Judenchristen begonnen wurde, und schon vor Vollendung derselben wurde da in hebräischer Sprache täglich Gottesdienst gehalten. Daß dieses Werk der Verführung der Schwachen im jüdischen Glauben eine Reaction in der dortigen jüdischen Gemeinde wecken würde, daß die Juden den Umtrieben der Judenmisstonen nicht ohne Widerwillen zusehen würden, das war leicht vorauszusehen. Die Reaction blieb nicht aus, 6