Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-01-29 · 5 (29.1.1842) · p. Spalte 77-78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
5 (29.1.1842)
Date
1842-01-29
Page
Spalte 77-78 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/8555529-9894039-9894046--2001-3529061
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

77 Literarische Ankündigungen. Errichtung einer Pensionsanstalt in Sondershausen. 78 Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. ß.] Errichtung einer größern Pensionsanstalt für israel. Knaben und Jünglinge. h h Dy Seit einer Reihe von Jahren habe ich mich dem Lehr- und Erziehungssache mit Liebe und Erfolg gewidmet und mein höchstes Lebensglück in der Erfüllung meines heiligen Berufes gefunden. Der Herr hat mich auch Gunst finden lasten in den Augen der Menschen und mir eine Stellung verliehen, wie selten einem meiner Brüder in Israel. Dadurch bewogen, übergaben mir seit einiger Zeit selbst fernwohnende Eltern ihre Kinder zur Erziehung. Die Anträge haben sich nun gemehrt, nachdem das Vertrauen, das man in mich gesetzt, gerechtfertigt wurde. Ich habe mich daher bestimmen lassen, unter Mitwirkung einiger biederen, wissenschaftlich gebildeter Männer, sämmrlich Lehrer an den hiesigen höhern Schulanstalten, und vornehmlich unter Beihülfe eines religiösen, tüchtigen Talmudisten eine größere Erziehungsanstalt für israelitische Knaben und Jünglinge zu gründen, und glaube sogar, damit einem fühlbaren Bedürfnisse abzuhelfen, da meines Wissens in Deutschland noch wenig derartige, umfangreiche, so viel Annehmbares darbietende, Anstalten bestehen. Eltern, die mich mit ihrem Vertrauen beehren, werden es nicht bereuen, mir ihr Theuerstes übergeben zu haben; ich bin selbst Familienvater und weiß was und wie Eltern fühlen und wünschen. Mein nächster und höchster Zweck ist, meine Zöglinge in der Furcht des Herrn zu erziehen, daß sie ihren heiligen Glauben, unmittelbar aus jenen ewig frischen Quellen geschöpft, wahrhaft erfassen und innig lieben lernen, daß das Feuer unserer göttlichen Religion ihre Herzen erwärme und ihr ganzes Seyn und Denken durchdringe; denn in unserer gleichgültigen, glaubensarmen Zeit müssen alle Bessergesinnten ihr Augenmerk, ihre Hoffnung auf die Heranwachsende Jugend gerichtet haben, und wenn sie begeistert und erwärmt wird für das himmlische Erbe ihrer Väter, kann Israel in Wahrheit wiedergeboren werden. — Dann will ich sie aber auch für das Leben und seine Anforderungen, die sich mit jedem Tage mehren, tüchtig befähigen ‘yn üy min niD^n n=P nrDtz/D nnm nyw pN — Die beiden hiesigen höhern Schulanstalten, ein vollständiges, sehr gehobenes Gymnasium, eine wohlorganisirte Realschule und eine ordentliche israelitische Religionsschule, die noch eine höhere Klaffe erhalten wird,, kommen meinem Unternehmen trefflich zu statten; denn eine der ersten und gewiß zweckmäßigsten Bedingung wird seyn, daß meine Zöglinge zugleich eine der geeigneten höhern Lehranstalten besuchen; und so kann eine gründlich-wissenschaftliche und zugleich auch eine wahrhaft religiöse Bildung erzielt werden. Am Sabbat und an den Festtagen sind die jüdischen Schüler von allen öffentlichen Lehrstunden entbunden. — Im Hause sollen meine Eleven nicht nur auf die Gegenstände der Schule gewissenhaft vorbereitet, sondern auch überdieß in den verschiedenen Zweigen des Wissens, ihrem dereinstigen Berufe angemessen, noch ganz besonders unterrichtet werden, namentlich in den alten und neuern Sprachen, in der Mathematik, für künftige Geschäftsleute vorzüglich in den kaufmännischen Wissenschaften, für solche, die sich dem theologischen oder dem Lehrfache widmen wollen 'oder sich sonst aus frommer Neigung dazu hingezogen fühlen, noch außerdem in der hebräischen und den verwandten Sprachen, im Talmud und den übrigen rabbinischen Schriften mit ganz besonderem Fleiße, so daß junge Leute hier in jeder Art eine gediegene Bildung erlangen und von hieraus entweder gleich ins Berufsleben eintreten oder zur Universität abgehen können.. Auch für die körperliche Erziehung wird durch eine Turnanstalt, tägliche Spaziergänge, botanische Exkursionen, kleine Reisen, stete Beaufsichtigung und durch einen Hausarzt bestmögligst Sorge getragen werden. — Nicht nur, daß hier ein edles Fürstenpaar üver alles Gute wacht und vorzüglich Schulen und Erziehungsanstalten begünstigt, es herrscht hier überhaupt ein überaus gebildeter' Ton und ein wirklich humanes Benehmen gegen Israeliten, was schon meine Stellung genügend' besagt; auch die wenigen Schranken des Gesetzes werden mit der Hülfe des Herrn recht bald hinweggeräumt werden. — Unser Gottesdienst ist trefflich geordnet, schon seit 15 Jahren wird in unserer Synagoge das lebendige Wort Gottes verständlich gelehrt. Das Klima ist sehr gesund, die Stadt in einem reizenden Thale gelegen/Stadt- und Landleben eng verbunden, welchen Umstand ich besonders hervorhebe. Auch für Kunst wird viel gethan und besonders in der Musik ist Gelegenheit gegeben, sich zu einem förmlichen Künstler heranzubilden; die hiesige Kapelle gehört anerkannt zu den bessern Deutschlands. Ich selbst erfreue mich der allgemeinen Achtung und stehe mit den sämmtlichen Lehrern in den freundschaftlichsten Verhältnissen, was meinen Schülern von großen Nutzen sein wird und mir die Ueberwachung derselben ungemein erleichtert. Die hohe Behörde protegirc mein Unternehmen, die nachgesuchte Erlaubniß ertheilte sie mir nebst einem Zeugnisse mit den Worten: ...... und erwarten von Ihnen, daß Sie eben so gewissenhaft als Erzieher zum Besten der Jugend wirken werden, wie wir Sie alseinen pflichtgetreuen Lehr er kennen zu lernen Gelegenheit gehabt haben. — Mit dem ersten Mai e. sott meine Anstalt HW ins Leben treten, und ich ersuche daher die darauf reflectirenden Eltern, sich gefälligst recht bald in portofreien Briefen an mich zu wenden, weil ich natürlich nach Anzahl der Jünglinge raeine Einrichtungen treffen muß. Um nun vielfache Unterhandlungen zu ersparen, setze ich den jährlichen Preis für einen Zögling auf 150 Thaler Gold fest und verpflichte mich dafür, das Schulgeld der betreffenden öffentlichen Anstalten zu zahlen, den häuslichen Unterricht zu ertheilen und ertheilen zu lassen, so weit dieß nicht die Erlernung einer Kunst betrifft, wozu sich aber auch sehr billige Gelegenheit darbietet, kräftige Kost, gesundes Lo-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.