Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 5 (29.1.1842)
- Date
- 1842-01-29
- Page
- Spalte 75-76 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Alterthumskunde. Beschneidung bei den Israeliten. 75 To nennt, sondern sie schon unter dem Namen: ’IovöaToi beschreibt. Es ist bekannt, daß der Name: Juden erst seit dem babylonischen Exil datirt. Die geringe Kenntniß, die er von ihnen besaß, leuchtet einmal aus der geringen Notiz, die er von diesem durch seine Geschichte und Institutionen schon damals merkwürdigen Volke nimmt, und dann aus der falschen Angabe ihrer Abstammung hervor. In Bezug auf den letztem Umstand theilt er mit Herodot die irrige Ansicht, die unter allen profanen Schriftstellern der damaligen Zeit allgemein verbreitet zu sein scheint, das israelitische Volk als eine egyptische Colonie zu betrachten. Doch darf das um so weniger befremden, da er selbst die Babylonier, die Argiver und Athenienser als Herkömm- Linge egyptischen Ursprunges bezeichnet, obgleich er selbst kaum einen Glauben daran zu haben scheint, wenn man anders die Worte in der gleich zu citirenden Stelle in ihrem Zusammenhänge richtig würdigt. Diese findet sich im 28sten Kapitel des ersten Buches (Diodori Siculi Bibliotheca ed. Wesseling. I, 28) und lautet folgendermaßen: Ol Sh ovv Alyvitzioi (pccGi Kctl pszu zavza d7toimccg 7tXeiGzag AlyvTtzov ncczu TtccGav SiuGitciqrjvctt zyv olxov(jiivY]v . AiyovGi Sh neu zovg tceq\ zbv Aavctbv oQfiTj&ivrcig o(JioiG)g snsidzv gwomIgcu zyv (x^fimotaz'Y\v G%sSov tcccq r'Elh]Gi noXswv s,Aqyog TO zs zwv KoX%cov ed'vog sv zw TIovzco ymI zo zcqv IovScticov dva, [isGov ’AQctßiag EvQictg oittiGcti zivug 6Q\nri&svzag 7tctQ iavzwv. Aid ydcI 7taqä zovg ysvsGi zovzoig s% naXcaov naQaSsSoGd'cii zo tcsqizs- (,ivsiv zovg ysvo(isvovg TtaiSctg Alyvitzov pszs- 'vrjvsyiiivov zov vofilfiov. Die Übersetzung würde so lauten: „Nun aber behaupten die Egyptier, daß sie außerdem noch die meisten Colonisationen aus Egypten nach allen Weltaegenden hin ausgesandt hatten. So sagen sie, daß die um den Danaos wohnenden Völkerschaften ebenso daher stammen, als die fast älteste Stadt der Hellenen, Argos, nicht minder das Volk der Kolcheram Pontus und das der Juden im Striche zwischen Arabien und Syrien in der Mitte; alle diese waren Colomen von ihnen. Deßhatb ist es bei diesen Völkerstämmen seit Alters her als Sitte überliefert, die geborenen Knaben zu beschneiden — eine Gewohnheit die aus Egypten herstammt." —Man ersieht aber aus der Art und Weise? wie Diodor diese Ansichten, blos als Behauptungen der Egyptier hinstellt, ohne selbst für ihre Richtigkeit eingestehen zu wollen, daß eine Anschauungsweise, nach der die angesehnsten Völkerschaften in Kleinasten und.Griechenland als Pflanzstätten von Egypten erscheinen, blos von den Egyptern selbst als eine rein subjective Hypothese ausgehen konnte, ohne eine objektive Begründung nachzuweisem Der Herausgeber der Diodorischen Bibliothek, Eichstädt, fügt auch in seinem kurzen Commentar zu dieser Stelle sehr bezeichnend folgende Worte : Narratio ne ipsi qnidem aulori per, omnia probabilis de Aegyptiorum coloniis Babyloniis, Atgiyis, Colcliieis, Judaeis, Atlieniensibus. Wir bemerken übrigens hierbei ausdrücklich, daß an dieser Stelle des Diodor, und sie ist es gerade, die gewöhnlich bei der Ableitung des Beschneidungsgebrauch aus egyptischen Sitten citirt wird, durchaus von Beschneidung nur in sofern die Rede ist, als die Behauptung der Egypter angeführt wird, daß die Juden eine ihrer vielen Eolonien wären,' und daß sie auch die Beschneidung daher angenommen hätten; dagegen wird die specielle Angabe vermißt, ob die Egyptier überhaupt die Beschneidung geübt, in welchem Grade diese bei ihnen verbreitet und wie lange diese Gewohnheit bei ihnen bereits in Gebrauch war. Man wird daher unsre oben citirte Stelle aus dem Diodor keineswegs als Beweis sür den egyptischen Ursprung der Beschneidung bei den Israeliten gelten lasten können, wie dieses Spencer in seinem Werke de legibus ritualibus Lib. I. cap. 5. Lect. 4. pag. 54. und nach seinem Vorgänge Joh. Dav. Michaelis in seinem mosaischem Rechte, 4. Bd., Bauer in seiner Beschreibung der gottesdienstlichen Verfassung 1 Th. S. 37 und endlich de Wette in seinem Lehrbuch der hebräisch-jüdischen Archäologie §. 150. S. 186 zu thun sich veranlaßt fanden. — Unsre Ansicht über den Werth der Diodorischen Stelle haben wir oben ausgesprochen, in sofern sie blos eine Wiederholung des Herodotus zu sein scheint. — S trabo. Eine viel ergiebigere und zuverlässigere Quelle für die historischen Forschungen über die Beschneidung und über die Israeliten des Alterthums überhaupt finden wir unter den griechischen Schriftstellern zuerst bei dem Geographen und Statistiker der alten Welt, Strabo. — Ec lebte unter dem Kaiser Tiberius, also im ersten Jahrhundert nach Christi, und war aus Amasia, in der Provinz Pontus gebürtig, daher ihm in Bezug auf die asiatischen Länderschaften, die an sein Geburtsland Pontus grenzten, besondere genaue Kenntnisse zuzutrauen sein möchten. Er ist schon im Alterthume wegen seiner Weitläufigkeit und Ausführlichkeit in der Darstellung der geographischen Verhältnisse berühmt. Doch hat er nicht blos das Verdienst, daß er Alles ziemlich ausführlich erzählt, deutlich und bestimmt auseinandersetzt, sondern er verbreitet sich auch mehr, als alle anderen alten Geographen, die auf uns gekommen sind, über die Geschichte und verschafft oft historische Aufklärung bei vielen Gelegenheiten. In Bezug auf seine Vorgänger weicht er von Diodor von Sicilien, wenn wir ihn mit diesem vergleichen wollen, insofern ab, als er gar nicht den Herodot so, wie diese es gethan, berücksichtigt und somit ihm nicht blos nirgends folgt, sondern sogar in vielen Stücken geradezu widerspricht. (Fortsetzung folgt.)