Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-01-29 · 5 (29.1.1842) · p. Spalte 67-68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
5 (29.1.1842)
Date
1842-01-29
Page
Spalte 67-68 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9894039-9894046--1996-3529056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

67 Dr. Frankels Studien zur Septuaginta, nebst Beiträgen zu der Targurnim. 68 CH.) in Egypten Einfluß gewann und bei dem Widerwillen des egyptischen Volkes gegen die Eroberer die griechische Sprache die egyptische in einem Zeitraum von etwa 50 Jahren kaum verdrängt haben konnte. —Dieser Einwurf trifft ja aber den Vers, gar nicht, und könnte höchstens über die angebliche Zeit der griechischen Version Zweifel erregen, welche der Verf. genugsam erhebt. Der Verf. wollte nicht beweisen, wie die griechische Sprache in einem Zeitraum von 50 Jahren die egyptische verdrängen konnte; denn dies ist im Grunde keine so unerhörte Erscheinung. (Man denke an Wilhelm den Eroberer in England!) Unser Verf. wollte nur darthun, wie zu jener Zeit das Hebräische bei den alexandrinischen Juden so vernachlässigt sein konnte, daß überhaupt eine Uebersetzung nothwendig wurde, da seit Ptolem. Lagi, der sie zuerst nach Egypten führte, kaum 50 Jahre verflossen waren; und dies thut er genügend in den nachgewiesenen frühen Einwanderungen in Egypten zur Zeit des ersten Tempels. Uebrigens hegt er selbst, wie schon gesagt, gegen die angebliche Zeit der Abfassung der Version großen Verdacht. — Daß aber die Bemerkung des Recensenten dem Verf. nicht entgangen war, konnte derselbe aus §. 3 Note § ersehen, wo dieser Einwurf des Necensenten, von Wesseling gegen die Annahme einer griechischen Uebersetzung vor Alexander geltend gemacht, angeführt wird. Ob die ganze heilige Schrift oder nur der Pentateuch zu gleicher Zeit übersetzt worden sei, läßt der Vers, vorläufig unentschieden, neigt sich jedoch aus innern Gründen zur letztem Meinung hin. Den Umstand, daß die Version des Pentateuchs die der Propheten an Correctheit übertrifft, will Vers, als keinen Beweis gelten lassen, und erklärt diese Erscheinung aus einem nach Talmud Megilla 3 a früh vorhanden gewesenen Targum zum Pentateuch, das die LXX benutzt haben mögen; allein nach derselben Stelle daticte sich auch ein'Targum zu den Propheten, wenigstens zu den vorexilischen, aus sehr früher Zeit, da wie es dort heißt, es unter dem Beistände der Propheten Haggai, Zacharia und Maleachi angefertigt sein soll. Im dritten Paragraph wird..die angebliche Aussage des Aristobut (bei Eusebius) über eine griechische Ueberfttzung des Pentateuch aus der Zeit vor der Herrschaft der Perser siegreich zurückgewiesen. Es wird nämlich erstlich Aristobuls Autorität geschwächt, indem derselbe des Betruges überwiesen und gezeigt wird, wie er schon dem Orpheus Verse in den Mund legt, die eine genaue Kenntniß von dem Monotheismus der Juden, so wie von Most's Sendung bekunden. Es stellt sich zweitens heraus, daß dort von einer griechischen Uebersetzung durchaus keine Rede ist, ja daß überhaupt nur von einer ms^fiytjGig zyg vo^od'EGiag, von einem Auszugs der Gesetzgebung, nicht vdn einer Uebersetzung gesprochen wird. Der Vers, thut ferner dar, in welche Verlegenheit man geriethe, wenn man die in Aristobuls Bericht befindlichen Worte: za zs %aza vy\v £§07«- yip . .... rc. als eine Aufzählung der übersetzten fünf Bücher Mosis nehmen wollte, und es ist in der That ergötzlich, welche Mühe sich Valkenär u. A. geben, die fünf B. Most's in diese Worte hinein zu demonstriren und wie sie auf Conjecturen sinnen, weil sich für die Genesis durchaus keine Spur darin finden will. Unser Verf. schließt daher mit Recht, daß Aristobul nur von einem Compendium der vaterländischen Geschichte und einem Auszuge aus der Gesetzgebung spreche. Er hegt übrigens, wie billig, kein Zutrauen zu dieser ganzen Angabe, da sich nicht einmal über die Persönlichkeit dieses Aristobul etwas ermitteln laßt. Einen Beweis der Gründlichkeit des Verfassers giebt die interessante Note g zu dieser Stelle, die Person des Aristobul betreffend. Nachdem die Authenticitat unsres bei Eusebius (Praepar. Evang, 9, 6.) als Zeitgenossen des Ptolom. Philometor mit demselben sprechend eingeführten Aristobul, der mit dem in Marc. II, 1, 10 erwähnten Peripatetiker identisch sein soll, mit triftigen Gründen bestritten worden, werden noch Hody und Eichhorn eines merkwürdigen Jrrthums überwiesen. Beide nämlich nehmen an, Aristobul der Penpatetiker wäre ein Heide gewesen und beweisen dies aus einer Stelle bei Cyrill. Alexandr. contra ■ Julia* num, wo es heißt: ’AgLGzoßovkog öh ovtco %ov cpriGiv o nzginazezmog * aroavza fxiv zoi za Ttegl cpvGscog rr. t. Ä. za öh ev zrj Evglci vjib za v zaXovfxivav ’lovöalav. Würde ein Jude gesagt haben: zav na X ov ftiv cov der sogenannten Juden? argumentiren Hody und Eichhorn. Aber unser Verf. weist nach, daß Cyrill selbst falsch eitirt, und bei Clemens Alexandr. diese Worte gar nicht dem Aristobul, sondern einem Megasthenes in den Mund gelegt werden; nur durch Auslassung einer Zeile im Citat von Seiten Cyrills entstand also dies quid pro quo. Dies zeigt, wie auch die gefeiertsten Autoritäten einen guten Schriftsteller der gründlichen Nachforschung nicht überheben dürfen. — Das Resultat unsers Verf. geht dahin, daß zwar die Uebersetzung der Septuaginta weder aus einer fcühern vollständigen Uebersetzung hervorgegangen noch bloses Sammelwerk früherer Glosseme, sondern daß, wie jedes Buch zeigt, die Verfasser den Stoff selbstständig aufgefaßt haben, aber dennoch die allmälig angehäustm Glosseme und Bemerkungen zu schwierigen Stellen, Tradition, und theilweise frühere griechische Uebersetzungen zur Hand gegangen zu sein scheinen. Der Verf. verspricht uns dieses in den „Beiträgen?zu den Targumim" genauer nachzuweisen. — Daher „und weil die Uebersetzung nicht den Text entbehrlich macht, sondern das Verständniß desselben erleichtern sollte, leitet der Verf. den Umstand, daß im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.