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Der Orient · 1842-01-29 · Heft 5 (29.1.1842) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 5 (29.1.1842)
Date
1842-01-29
Page
Seite 39 (sequence 13)
Language
German
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39 chen, obgleich ec ihr auch manche Wunde durch die Heftigkeit seinerSprache geschlagen. Hr. Steinheim hat durch seine Bitterkeit, durch seine Ironie fast den Nutzen seiner Kämpfe paralysi'rt. Denn Gutzkow hat vollkommen recht, wenn ec sagt, daß bei diesem Kampfe nur an das Gefühl der Völker appellirt werden darf und alles Pochen auf Recht, auf Menschenrecht, und wie die Phrasen alle heißen, nur Leeres Stroh dreschen heißt. Nicht das Recht leitet die Völker, sondern das Gefühl, ich möchte sagen ein Instinkt; das Gefühl der Völker gebiert erst das Recht, und alle Beweise sind unnütz, wenn sich das Gefühl eines Volkes gegen etwas sträubt. Die Abneigung der. germanischen Völker gegen die Juden hat im Gefühle seinen Ursprung, der Germane ist sich oft selbst nicht bewußt, warum er diese Nachkommen eines fremden Stammes nicht leiden mag und unsere Aufgabe ist es m ehr, mit zarten Worten an sein Gefühl zu appelliren als in Donnerworten zu fordern, was wir doch nur auf dem Wege des Gefühls erlangen können. Herr Christern hat aber l.eider nur zu sehr den Stachel hervorgekehrt; er geißelt Hrn. Witt (z. B. Nr. 52, S. 331 col. 2. Zeile 8—30) eben so unwürdig, als seine Ausfälle der guten Sache nichts nützen, ja vielleicht eher schaden. Der nun fast verschollene Dohm hat den richtigen Ton für diesen Kampf gefunden, und es wäre wirklich zu wünschen, daß dieser alte Vorkämpfer für die Iudenemancipation, obgleich er diesen fremdländischen Ausdruck noch gar nicht kennt, noch immer zum Muster genommen würde. Abgesehen aber auch von der Haltung der Antwort im Allgemeinen, so enthalt sie auch noch Manches, was theils der Berichtigung theils der Widerlegung bedarf. „Die rechte Zeit" heißt es gleich am Eingänge, „wo man es sich lebhaft angelegen seyn ließ, über die Emancipation der Juden zu verhandeln, wo Männer wie Börne und Rieß er unter den Vorkämpfern standen und dem Object ihre ganze Aufmerksamkeit, den Kern ihres Geistes wie ihres Styles zuwandten". Wenn dieses von Rießer auch gesagt werden kann, wo freilich die Phrase über den Kern des Styls weggelassen werden muß, so ist die Erwähnung Börne's dabei ganz falsch und unrichtig. Wann stand Börne unter den Vorkämpfern für die Juden, wann machte er die Emancipation zum Gegenstände seiner ganzen Aufmerksamkeit, wann hat er diesem Object den ganzen Kern seines Geistes wie seines Styles zugewendet? Börne's Geist und Styl war der Emancipation Deutschlands geweihet und wenn er auch die Juden mitbegriff, so war dies wehr ein Ausfluß seines Kosmopolitismus; Börne hat me die Juden geliebt, und wenn er zuweilen etwas zu ihrem Gunsten gesagt, so geschah es deshalb, weil er die Christen noch weniger liebte und weil sie Bosheit genug hatten, ihn einen Juden zu nennen. Ich komme aber nun zu dem eigentlichen Object der Widerlegung des Hrn. Christern. Hr. Advoeat Witt ist ein Judenfeind wie raufend andere Christen, spricht in seiner Abneigung eben so unbesonnen, wie tausend andere seines Stammes, aber deshalb verdienen seine Sätze nicht mit Hohn und Spott nbergossen, sondern in humanem Sinne und vom humanen Standpunkte aus widerlegt zu werden. (Fortsetzung folgt.) Populäre Aufsätze und Beurlheilungen. Ueber das Verhältruß des Lehrers «. der Schule in den früheren jüdische« Gemeinden nach dem rabbinifchen Rechte und dem altern Herkommen. (Fortsetzung.) Wenn nun der Iugendlehrer, auf großen, fixen Gehalt keinen Anspruch hatte, ja sogar in ältester Zeit für den Talmudunterricht nichts bezahlt nehmen durfte, so hatte schon die Achtung vor ihm, alseinem Gesetzeskundigen die'Gemeinde bewogen, für ihn zu sorgen, und gewiß t'häten die Ettern der Kinder Vieles für ihn aus religiösen und dankbaren Gefühlen. So macht der gelehrte R. Schabtai Cohen in 17 sec.) aufmerksam auf die Unterstützung der Iugendlehrer mit den Worten: „der Unterhalt eines jeden Menschen wird ihm vom Neujahr her bestimmt; nur dafür ist ihm Nichts bestimmt, was er zur Verherrlichung Gottes an Sabbat - und Festtagen verwendet und für d e n. U n t e r ri ch t der Kinder hergibt; wer da ein Mehreres thut, dem wird seine Nahrung vermehrt."40) Ueber das eigentliche Quantum bcS. Lehrergehalts mußten die Contrahenten unter sich einig werden. Hatten aber beide Parteien beim Contrahiren davon geschwiegen, so mußte der Prinzipal bezahlen, wie der Usus es forderte. „Sagt ein Vater zu einem Lehrer: Unterrichte meinen Sohn! bestimmt aber nicht das Honorar dafür: so muß er dem Lehrer geben, was jeder Andere dem Lehrer bezahlen muß." 4l) Wir finden also keinen bestimmten Gehalt für den Lehrer angegeben, wahrscheinlich entschied da auch wieder der Gebrauch, die Achtung und der Ruf, worin der Lehrer stand; aber fast immer war die Besoldung von der Beschaffenheit, daß der Lehrer des Ortes zu den verschämten Armen gehörte, wenn er auch nicht zu den Bettlern gezahlt wurde. Der arme Schulmann siel aber auch zuweilen geldgeizigen und filzigen Privatleuten in die Hände, und konnte das Wenige nicht bekommen, was man ihm für den Unterricht schuldete, so daß das Recht für ihn sorgen mußte. „Dem Lehrer ist es erlaubt, das Buch zu behalten, worin er das Kind unterrichtet, für den Unterrichtslohn,"4-) (wenn er sonst nicht zu seinem Gelde kommen konnte) was in anderen Fällen die Rechtslehre nie gestattete. Oben sagten wir zwar, daß gesetzmäßig der Lehrer kein Geschäft treiben durste, was ihn vom Unterrichten abhält. Indeß bezog sich dies mehr auf den Lehrer, der von der Gemeinde oder von mehreren Privaten in der Gemeinde besoldet wurde. Dem Hofmeister bei einem Herrn sah es die Prinzipalität schon nach, daß er sich nebenbei ein paar Pfennige verdiente, wenn es ihr selbst nicht schadete, oder das Salaire schon von der Art war, daß der junge Mann durchaus Nichts überlegen konnte. Denn viele Iugendlehrer der dermaligen Zeit trieben gar zu oft, aus Mangel an Mitteln zu einem andern Gewerbe, dies heilige Geschäft der Jugenderziehung und Belehrung, .und hatten sie sich erst eine kleine Geldsumme erspart, dann sagten sie der Schulmeistere; aus ewig ein Vale und wurden Kauf- 40) R. Schabtai Cohen ad Joi\ Deah Cap. 215, §. 6. 41) Choscheti ha-Mischpat Cap. 335, §. 1. Am. 42) Choschen ha-Mischpat Cap. 72. §. 17. Am.

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