Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1842)
- Date
- 1842-01-29
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 34 - schwierig, wenigstens verwickelt. Das zweckmäßigste Mittel wäre jedoch die Erwerbung von Landbesitz, der zu den obenerwähnten Zwecken geeignet wäre, und die Gründung von Niederlassungen, nach dem Vorbild derer, die sich in der Krimm so erfolgreich bewährt haben. Auf die Fragen, ob die Juden selbst sich bereitwillig zeigen würden, diese Vortheile zu benutzen, und ob die Genehmigung der türkischen Regierung zu erwarten wäre, läßt sich nur erwiedern, daß an der Mitwirkung der erstern wenig zu zweifeln ist, wahrend die letztere gewiß die Beförderung von Maßregeln begünstigen wird, deren Erfolg so vortheilhaft für den Wohlstand, die Ordnung und die Festigkeit der Ottomanischen Herrschaft aussallen würde. Die dringendste Rücksicht und wie einige behaupten^ die Hauptschwiengkeit ist die Anschaffung der nöthigen Gelder, um den vorgeschlagenen Versuch ins Leben zu rufen. Diese scheinbare Schwierigkeit wird verschwinden, wenn beschlossen wird, alle Gaben nicht als Geschenke, sondern als Darlehen anzunehmen; diese könnten, wenn die Plane angenommen werden, im Laufe einiger Jahre zurückbezahlt werden, oder auf Verlangen für den Darleiher fruchtbringend bleiben. Dieses Verfahren würde nicht Mm zum Besten derjenigen gereichen, zu deren Gunsten die Unternehmung stattflndet, sondern seine Wohlthaten würden sich auf viele unsrer europäischen Brüder erstrecken. Es ist wohl bekannt, daß in einigen SMten Europas die Juden' gegen viele Beschränkungen zu kämpfen haben, unter deren Druck sie entweder zur Abschwörung ihres Glaubens gezwungen, oder veranlaßt werden, 'solche Gewerbe zu ergreifen, die sie in der menschlichen Gesellschaft schmachvoll erniedrigen. Wenn daher durch gehörig geschützte Niederlassungen in Syrien für ein Asyl gesorgt wäre, und diese die nöthige Aufmunterung gewährten, ist mit Zuversicht anzunehmen, daß die erwähnten europäischen Juden sich mit Freude dahin begeben würden, um so mehr als alles für den eigentümlichen. Bedarf der Juden Erforderliche bereits aufgefunden wäre. Deutschland. Leipzig, 18. Jan. So eben kommt mir das hofräthlLche, d. h. klatschhafte Werk des Dr. Niemer, das den Titel führt: '„Mittheilungen über Göthe" in die Hand, worin im ersten Bande unter den verschiedenen Rubriken auch eine über Juden vockommt, Ln welcher man Göthe's Vechältniß zu den Juden, so weit es aus seinen Schriften erkennbar ist, zusammengestellt findet. Das rem Tatsächliche, ohne den Schmutzüberguß des Hrn. Riemer, hat in sofern einen Werth, als wir daraus die Gesinnung eines der größten geistigen Repräsentanten Deutschlands gegen edle Juden und dessen Ansicht über die jüdische Geschichte ersehen; wir lassen daher die gemeinen Ausfälle des' Hm. Riemer aus sich beruhen und ziehen blos, wie gesagt, das Thatsachliche aus. „Nach dem biblischen Ausspruch: „daß in allerlei Volk Wer den Herrn fürchtet und recht thut Ihm angenehm fei," konnte G'ns toleranter Gesinnung kein Glaubensvorurcheil gegen solche Qualificirte im Wege stehn, ja es hatten Einige sogar sich einer besonderen Werthschatzung zu erfreuen; ohne daß er deswegen „mit Israel auf ein und andere Art verwandt^ gewesen wäre (Bd. XIII, S. 24),. oder seine anderweitige Meinung über dasselbe verschwiegen hättet Er hatte die Geschichte der Nation, von ihrem ersten Auftreten an, zu einem besondern und genauem Studium gemacht, das Charakteristische derselben richtig aufgefaßt, auch die merkwürdigen Eigenschaften, welche ihnen Natur, Verfassung und Schicksale verliehen, in das gebührende Licht gestellt. Schon dies beweist, daß er kein, seiner als Natur- und Geschichtsforscher, unwürdiges Voructheil gegen sie haben konnte (XX!V, 236. 237), wie sie denn durch den reinen Deismus, dessen die Aufgeklärten unter ihnen sich rühmen dürfen, seinen eigenen Glaubenssätzen bereits nahe genug standen, und er der Ethik eines Spinoza soviel zu verdanken hatte. Auch waren die Gebildeten meist zuvorkommender und nachhaltiger in der Verehrung sowohl seiner Person wie seiner Schriften, als viele seiner Glaubensgenossen. Sie zeigen überhaupt in der Regel mehr gefällige Aufmerksamkeit und schmeichelnde Theilnahme als ein National- Deutscher, und ihre schnelle Fassungsgabe, ihr penetranter Verstand, ihr eigentümlicher Witz machen sie zu einem sensibelern Publikum als leider unter den zuweilen etwas langsam und schwer begreifenden Echt- und Uc-Deutschen angetroffen wird. Frauen besitzen jene Gaben öfter in noch liebenswürdigerer Gestalt und so kam es, daß G. seine neuesten dichterischen Erzeugnisse ihnen, einzeln oder in Gesellschaft, z. B. in Carlsbad (1807, 1808, 1810) gern vortrug, da er immer einigen Anklang zu finden gewiß sein konnte, wie ich dieses aus eigener Miterfahrung an einer Frau von Eibenberg, von Grotthaus, von Eskeles und Fließ u. a. m. bestätigen kann. Mit mehreren Männern stand er gleichfalls in gutem Vernehmen und Verkehr, sowohl durch die Poesie als durch die bildende Kunst. Der Dichter des Paria, Michel Beer, erfreute sich seines ungeheuchelten Beifalls,1 2 3 und sein Drama ward in Weimar vortrefflich aufgeführt. . Den Maler Oppenheim förderte ec durch belehrenden Rath und kunstge-! eignete Aufgaben; vor allem aber wandte er eine väterliche Liebe und Vorsorge dem jungen Felix Mendelssohn -zu., worüber die Briefe an Zelter^ die rührendsten Belege geben. Das ist aber auch Alles, was seine Epegeten über .sein Benehmen gegen die Juden herauszuklauben wissen, als Zeichen der Humanität viel zu wenig, aber als Dichter viel zu viel. Wie zwerghast sind doch die Riesengeister, wenn es gilt, human gegen Juden zu sein! 1) Vergl. Bd. XXIIJ, 122 f. 149; XXIV, 236 f.; ir. A. Nr. 179. S. 20,21; desgl. von Knebel's Lit. Nachl. Bd. II. S. 390. 2) S. Kunst und Merthmn Bd. V, St. h S. 10!. 3) Bergt. Nr. 686, 732, 744, 764, 783, 828.