Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 4 (22.1.1842)
- Date
- 1842-01-22
- Page
- Spalte 57-58 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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57 Literatur des Rückschrittes. „Laubhütte und Palmzweig" von Ettlinger. 58 meinde schon so weit geordnet, ^aß keine Anleitung, keine Anweisung darüber Noth thut? Hat sich der Mann dadurch nicht selbst gerichtet? Welche Ansichten, welche Begriffe muß der Verfasser jener Schrift von seinem Berufe als Volkslehrer haben! Welche Verbesserungen lassen sich unter diesen Umständen erwarten! Man sagt uns, Hr. Ettlinger sei kein gewöhnlicher Rabbiner, er sei einer von denen, die sich nie genügen und zu den Chassidim gehören. Gut. Wird er es mit dem Verfasser des fimn aufnehmen können, der im gesammten Israel als nj-q lionn verehrt wird? Au diesem kam einst Jemand , der über p&yyip’) Belehrung wünschte. Wie? sagte der Rabbi, bist du denn über deine - sonstigen Obliegenheiten schon so hinlänglich unterrichtet, daß du dich um so fremdartige Dinge kümmerst? üut upplieutio, mein Herr Rabbiner! Von dem Titelblatt lassen Sie uns zu der Vorrede übergehen; sie ist klein, aber interessant. Wir erfahren aus derselben, „daß Hr. Ettlinger unter Weisen auferzogen ist" — 1^1.1 Q^on pi — (Glückliches Altona!) „daß £r. Ettlinger viel von seinen Meistern, noch mehr von seinen — Jüngern erlernt hat" — nnm 'WnD nmn VTOl? ’TD^flD — (glücklicher Rabbi!) „daß sich die Schüler, so wieHr. Etting er nur denken konnte, Schaaren- und Heerdenweis um ihn gesammelt" ifijn hy ’HDy TND l&n Dmy m?N4 „von denen viele zur Zeit als Rabbiner in frommen Gemeinden fungiren" (Beneidenswerthe Gemeinden!). Während zehn Jahren hat Hr. Ettlinger das jüdische Gymnasium zu Mannheim geleitet und viele gelehrte Hefte angefertigt, die mit Gottes Gnade ans Licht einst treten sollen. (Freundliche Aussicht!) Doch das vorliegende opus (über Laubhütte und Palmzweig) erscheinen zu lassen drängt ihn ganz gewaltig, da der Vers. schon die Hälfte seines Lebens zurückgelegt. Es ist das erste Werk, das er der Presse übergiebt, daher Erstlinge genannt (spy* '»“n.Dü). Doch das Wort hat auch eine mystische Bedeutung. Das Wort hat den Zahlenwerth von Rachel, dem Namen seiner Gattin, und den Zahlenwerth von pn^, so hieß sein früh verklärtes Söhnlein; nicht minder die Buchstaben und den Zahlenwcrth (238) von “pnv das die Bitte ausspricht: Gott möge doch das Haus Jakobs gesegnet sein lassen! — Das 'sind einige der Spielereien in dem Vorworte, die den Kabbalisten ankündigen , der sich im Buche selbst noch deutlicher verräth. Wie alle große Geister giebt im Buche selbst der Verfasser mehr als er verspricht. Das Titelblatt spricht nur von der Laubhütte und dem Palmzweig; der Leser wird aber auch über den Paradiesapfel und die Bachweide (freilich integrirend.e Theile des Palmzweiges) hinlänglich belehrt. Dem rabbinischen Studium des Verf. macht diese Schrift — Rcf. .muß es gestehen — alle Ehre. Viel Belesenheit' und mitunter auch Schärfe des Verstandes ist unverkewtbar. Oder begreifen denn die Leute noch immer nicht, daß über diese und ähnliche Gegenstände viel zu viel geschrieben ist? Haben die unb bte DWHwS4 diese rituellen Angelegenheiten nicht auf das Erschöpfendste gelehrt und erklärt? Schon vor 600, sage vor sechshundert Iahr en, suchte Maimonides alle jene im Talmud verhandelten Materien in' fein berühmtes Werk npin ZU concentriren, und im 19. Jahrhunderte erscheinen über einzelne Gebote und Verbote ganze Monographieen, ganze Bücher. Freilich muß der Unsinn aller Art ausgeheckt werden, um etwas Neues an den Tag zu fördern, um Original zu sein! Und das ist dem Verfasser auch gelungen*! Recensent, der unlängst einmal über einen dogmatischen Gegenstand von einem christlichen Theologen ein dickes Buch gelesen, nahm ob der Zeitverschwendung Buße auf sich — und hat zur Buße das Ettlingersche Buch durchgelesen, daher er denn auf die einzelnen interessantesten Partieen aufmerksam zu machen ün Stande ist. Zwei Betrachtungen indeß über das Ganze müssen vorangehen. Daß der Verfasser seine Zeit und Gelehrsamkeit gerade an Sukka und Lu lab verschwendet, das zeugt von seiner Vorliebe zur m y st i s ch e n K a b b a l a. Dem Talm u d zufolge ist Sukka, wie jeder weiß, nur eine ^p NW*); doch die Kabbala schwärmt für diese Pflicht, so wie für den Palm zweig. Jedes Blättchen ist ihm ein Baum, ein Wald, und jede Bewegung, die mit diesem Zweige gemacht wird, hat wundersame Kräfte. Auf der 74. Seite der „Erstlinge" fiy pp) bedauert Hr. Ettlinger den -pro, daß ihm ■ das Buch iri/i unbekannt geblieben, während „uns das Licht des heiligen Sohar leuchtet". Wie wohl, sage ich, wa«:e uns, wenn wir dieses Licht nicht kennen gelernt hätten! Die mystische Kabbala hat unser ganzes religiöses Leben durchdrungen und — entstellt und vergiftet, har den Glauben in Aberglauben und die Liebe in Furcht verwandelt. Ein Rabbiner, welcher der mystischen Kabbala huldigt, wird selbst die heilsamste, die unschuldigste Reform gräuelh a ft finden. Was M t schna und Talmud gestatten, ja anempfehlen, anrathen, dagegen hat der „heilige Sohar" gar vieles zu erinnern, einzuwenden. Nach dem System der Kabbala ist die „Vernachlässigung der allergeringsten sogenannten religiösen Verordnung eine Revolution gegen die Ober- und Unterwelt" und wer sich dessen zu Schulden kommen läßt „macht eine Pegima (eine Lücke) oben und unten, indem eigenen Wesen und in dem ganzen Universum."-) Nun bitte ich Sie, wer will da reformiren, verbessern, wo so viel auf dem Spiele stehet? „Wenn die Erdbewohner sündigen, dann wendet die Gottheit sich weg von der Kirche Israels und vermählt sich nicht mit ihr von Angesicht zu Angesicht, sondern nur QrrnniO und dann waltet das Zornyo (1 DM3 .TD-M1? DM3 NiTl1? DM3 töyb. DM3 (2 ,(nkm '3 vm) po^y