Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1842)
- Date
- 1842-01-22
- Page
- Seite 31 (sequence 13)
- Language
- German
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31 sie achte und Liebevoll sie behandle, um ihre Lernbegierde zu stärken und zu erhalten, und daß dies manche unserer seligen Lehrer in der reinsten Absicht thaten, dafür segnen wir noch ihr Andenken. Sie handelten dem Gesetze gemäß: „Laß dir die Ehre deiner Schüler so rheuer wie deine eigene fein." 31) Kapitel II. Rechte des Lehrers in Rücksicht auf Eltern und sonstige Vorgesetzte. §. 1. Das alte Israel b esold et keine Lehrer. Je höher wir hinaufsteigen ins Alterthum, desto weniger sehen wir die einzelnen Stände des bürgerlichen Lebens geschieden, bis der Staat erst eine politische Verschiedenheit feststellte zwischen Freien und Sklaven, oder die Religion, und dann auch nur als Staatsgesetz, einige Familien und Stamme als besondere Notabeln der. Ration bezeichnete, das in Indien und Aegypten durch das Kastenwesen die widerlichste Höhe erreichte. Könige und Fürsten entstanden aus den Ackerbauern, Volksredner und Propheten warm früher die einfachsten Bürger, und ohne sich ihres bürgerlichen Berufes zu schämen, hörten sie dann erst auf, ihr bürgerliches Gewerbe zu betreiben, wenn ihr neues Amt sie gänzlich in Anspruch, nahm. Im alten Staat der Israeliten wurden die Abgaben an den Stamm Lewi, woraus Priester, Tempelwächter, Sänger, Musiker, Richter, Aerzte und Lehrer — und zuweilen auch Propheten hervorgingen, nicht als solche betrachtet, die man zur unmittelbaren Erhaltung solcher Institute von Priesterthum, Sängerchor und Lehrschule u. s. w. beitragen mußte, sondern; als ein nothwendig er Ersatz dafür, daß dieser ganze Stamm keinen hinlänglichen - Grundbesitz zum Unterhalt bei der allgemeinen Theilung des Landes erhielt, und dennoch stets im Dienste Gottes für die Gemeinde stand.3") Der halbe Schekel jährlich für jeden erwachsenen Bürger war die einzige direkte Steuer für das Heiligthum. Als das Königthum in Israel auflam, vermehrten sich zwar die Abgaben der Bürger, aber da hatte das Volk nicht mehr die ihm von früherher zugedachte Verfassung, und die nun vermehrten Abgaben des Volkes gingen mehr an den König als an die Staatsinstitute. Daraus können wir es uns erklären, wie Israels Lehrer und Propheten, seine quasi Volkstribunen, wenn sie nicht aus dem Stamm Levi waren, als Verfechter des reinen Mosaismus, (denn das waren die Propheten, die ein übermüthiges Königthum und ein ausschweifendes Priesterthum stets im Schach erhielten,) auf kein bestimmtes Honorar von ihren Mitbürgern irgend einen Anspruch hatten und entweder von eigenem Vermögen zehren mußten oder durch die freiwillige Wohlthätigkeit frommer Menschen erhalten wurden *3), wofür diese wahrhaft göttlichen Männer sich gerne dankbar bewiesen, als brächten sie ihren Mitmenschen durch, ihre Lehre und ihr Beispiel nicht den größten Nutzen. Daß Mancher dieser Propheten (Lehrer) nicht allein Lehrer der Erwachsenen, sondern auch Lehrer der Jugend war, lehrt die heilige Geschichte; aber ihr Unterricht war unentgeltlich , da sie fast ohne alle Bedürfnisse lebten, ja sogar für den Unterhalt ihrer Schüler mit sorgten. Unter einem solchen Kampfe mit dem Leben und im Leben bildete sich ein Lehrstand aus, dem der Staat weder Gymnasien noch Akademien erbaute, sondern der allenthalben austauchte, wo der Geist Gottes, der Geist der Wahrheit und 31) Tr. Abot Cap. IV7. §. io. 32) 4 B. Mos. 18, 20.. 33) Cf. 1 Keg. Cap. XVII5 2 Rrg. Cap, IV. der Menschenliebe, ein Individuum beseelte, daß es wieder mittheile, was man ihm gegeben und was ihm als Wahres, Schönes und Nützliches von Neuem offenbart worden war. So war der Lehrstand in Israel, als dasselbe noch zu den Staaten gezählt wurde und unabhängig da stand und seine Lehre frei war vom fremden Einfluß.— §♦ 2. Eigentliche Schulen der späteren Zeit. Israels eigentlicher Staat hatte bald sich aufgelöst, wenn auch das Volk der Juden zur Zeit des zweiten Tempels noch manche politische Glanzperiode erlebte. Das Staatsleben der Israeliten war kein mosaisches mehr, vielmehr ein fremdes, das man dem mosaischen Gesetze aceommodirte. Diese Accommodation, das Sichzuzählen zu den anderen Völkern, und daher das nothwendige Theilnehmen an den erschütternden Welthändeln, schwächte die innere Kraft und machte die Juden endlich zu römischen Unterthanen, woraus erfolgen mußte, was erfolgte, daß nämlich fast jedes Institut, was auf Selbstständigkeit hinzielen konnte, theils von der Glaubensgenossenschast selbst als unerhaltbar aufgegeben, theils von den feindlich gesinnten Römern, als ein Centralpunkt möglicher Empörung angesehen, mit Gewalt aufgehoben wurde, wie sie es denn auch mit dem Patriarchat machten (429.), obgleich dabei der Lomes sacrarum iargitionum vielleicht schon ein Instrument des religiösen Fanatismus gewesen sein mag. Israels positive Lehre und so auch sein Glaube war in Gefahr unteczugehen, wenn nicht Beides durch eine besondere Fürsorge der Gottheit erhalten worden wäre bei Menschen, denen man es am wenigsten zutraure, ein geistiges Gut sich zu erhalten, woran sie nur durch Leiden und Kummer in der Fremde erinnert wurden. Die Lehre selbst, wozu sich Israel jetzt bekannte, war nicht mehr der einfache Mosaismus. Zusätze der Welsen, Erweiterungen der mosaischen Gesetze, Vorsichtsmaßregeln, um das Gesetz Mosis ja nicht zu übertreten, fingen von jetzt, an ein System zu bilden, dessen innerer Kern der reine Monotheismus blieb und dessen Anerkennung bezweckte, das aber schon einen gebildeteren Verstand erforderte, um gehörig erkannt, aüfgefaßt und weiter ausgebildet zu werden. Es hatten sich in dies neue System des Pharisäers Erschwerungslehre und des Sadducäers Erleichterungssucht aufgelöset, und des tieferen Effäers Aseetik mußte sich ihm ebenfalls affimilkren, — und dies neue System nennen wir — Judentum, welches dem Heidenthum nun ganz und gar als feindselig gegenüber stehen mußte, mit dem Christenthum in stimm Innern eine Zeit hindurch ungetrennt fortging, bis letzteres die Ausscheidung durch seine Dogmen deutlich beurkundete, ersteres aber sich immer mehr consolidirte und isoliere und nun schon fast Jahrtausenden trotzte, weil seine Lehre das Jnsiegel der. Wahrheit enthält. — Dieses Judenthum konnte der Sache gemäß seine Bekenner nicht ohne Belehrung lassen und thac es auch nicht. Als noch der zweite Tempel stand, erzählen uns traditionelle Nachrichten im Talmud,, war der würdige Hohepriester, Iosua ben Gamla, für Schulen in Jerusalem tyätig"), und daß auch selbst in anderen Städten, nach Jerusalems Zerstörung, Jugendschulen blüheten, lehrt uns die tragische Beschreibung des untergehenden Bethar’s 3 5); ebenso waren auch in Babylonien Vbaje und Raba für Elementarschulen thä lig. ^) 34) Cf. üb. dessen Person Iost's Gesch. d. Zsr. Lhll U. p. 31 die Am.; üb. seine Schule eben das. 111. p. 163. 35) Talm. Tr. Gittin. [>. 58, b. 36) Cf. Iost's Gesch. SV. p. 316 u. da b. Quellen.