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Der Orient · 1842-01-22 · Heft 4 (22.1.1842) · p. Seite 30

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 4 (22.1.1842)
Date
1842-01-22
Page
Seite 30 (sequence 11)
Language
German
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30 fernen Ansiedelungen zu bewirken. Aber nicht blos in Bezug auf die Zahl, sondern auch in Hinsicht der Ansiedelungsörter wurden die Juden in einer Weise beschrankt, wie wir es mit der Gesinnung der Regierung nicht zu vereinbaren vermögen. Denn wahrend den christlichen Colonisten die Provinzen Kaukasien, Saratow, Orenburg, Riüsan, Jekaterlnoslaw offen stehen, wurden die Juden blos auf die Provinz Cherson hingewiesen, die gerade für Uebersiedelungen manche Nachtheile darbietet. Möge die Regierung, in ihren so reichen und umfassenden Planen zur Verbesserung des Zustandes ihrer Unterthanen, auch der armen Juden gedenken und namentlich ihres leiblichen Fortkommens sich annehmen! Buketreft, 9. De/. 1841. In einem Schreiben, welches Herr Jolowicz in Berlin von seinem gelehrten Freunde, dem Herrn Dr. Julius Barasch, aus Bukarest d. d. 9. Decbr. 1841 erhalten, werden folgende wichtige Notizen über die dortigen Juden mitgetheilt, die wir den Lesern dieser Blatter nicht vorenthalten können. „Der Juden", heißt es, „giebts hier sehr wenige (im Verhältniß zur Gesamwteinwohnerschast von eiiea 100,000), im Ganzen vielleicht 2000 oder 2500 Seelen, und diese geringe Zahl ist aus zwei ganz heterogenen Elementen zusammengesetzt. Die einen, die gewöhnlichen polnischen Juden, die auch-hier, einige kleine Modifikationen abgerechnet, wie überall, ihr Nationalcostüm beibehalten haben, sind größtentheils Handwerker, und stehen auf einer sehr niedrigen Culturstufe. Es giebt unter ihnen nur wenig oder gar keine reichen Männer. Der andere Theil der hiesigen jüdischen Bewohner besteht aus den sogenannten Franken oder Spaniolen. Diese kleiden sich in der Landestracht, d. h. wallachisch und sprechen unter sich eine spanisch-kastilische Mundart, die natürlich jetzt in ihrem Munde mehr oder weniger corrumpirt ist. Mit den Christen, sowie mit den andern Juden, können sie sich nur vermittelst der wallachischen Sprache verständigen. Es giebt indessen unter ihnen viele vornehme Häuser, wo französisch und mitunter auch etwas Deutsch gesprochen wird. Die Juden im ganzen Orient, z. B. in Konstantinopel, Smyrna, Salonichi rc. sind von dieser Abkunft. Es giebt unter ihnen sehr viele reiche und angesehene Familien; doch mangelt den Spaniolen jene unverkennbare Grandezza, die den Portugiesen eigen ist. Diese stehen auch den deutschen Juden bei weitem nicht so schroff entgegen, als jene. Vecheirathungen zwischen Spaniolen und Polen ist an der Tagesordnung, auch haben die Spaniolen in ihrem Charakter jetzt ein bei weitem mehr Türkisches als ursprünglich Spanisches zu eigen. — Das Interesse für das Intellektuelle und überhaupt für den Fortschritt im Judenthum ist hier Leider noch eine terra iacognita, was schon daraus zu entnehmen ist, daß man hier beinah kaum von der Existenz einer jüdischen Zeitschrift etwas weiß. An Schulbildung, regelrechte Erziehung und rituelle Reform ist natürlich unter den hiesigen Juden gar nicht zu denken. — Die Stellung des christlichen Publikums zu dem jüdischen ist ziemlich erträglich. Der Jude wird hier vulgo Hebräer genannt, und es leben dieselben, was überhaupt das Materielle betrifft, recht gut; sie haben gar keine Abgaben zu zahlen und können jeden Zweig der Industrie und des Gewerbes frei ergreifen. Der Mangel eines ausdrücklichen Pcohibitivgesetzes veranlaßte einige Juden Landgüter zu kaufen, was erst von der letzten Nationalversammlung Anno 1839, dem Beispiele der größeren Nachbarstaaten folgend, untersagt wurde. Mehrere Juden sind indeß in Besitz von Hausern. Jüdische Aerzte giebtS hier sehr wenige, etwa drei bis vier unter fünfzig bis sechszig christlichen." Populäre Aufsätze und Bemtherlungen. Ueber das Verhältniß des Lehrers der Schule in den früheren jüdischen Gemeinden nach dem rabbinischen Rechte «nd dem altern Herkommen. (Fortsetzung.) Die philanthropistische Methode der Erziehung war den alten israel. Schulmeistern unbekannt, und daß doch im Unterricht und in der Erziehung geleistet wurde, was zu leisten man damals forderte zum frommen und thätigen Leben, zeigte die Erfahrung. Ueber die Schulzucht spricht sich das Gesetz folgendermaßen aus: „Der Schulmeister züchtige kein Kind auf eine feindliche und tyrannische Weise, weder mit Ruthen noch mit einem Stocke, sondern mit einem kleinen ledernen Riemen." 30) Daß mancher polnische Wicht in der Schule seine deutschen Schüler, die er von vorn herein für Dummköpse hielt, auf das Schändlichste verfluchte und oft mörderlich auf sie zuschlug, wenn sie etwas gegen ihn begangen hatten, war gegen das Gesetz, auch in den Augen der Eltern mißfällig, die oft nur aus Achtung vor der Gelehrsamkeit des Schultyrannen schwiegen, und hatte auch häufig darin seine Quellen, daß der arme unglückliche Präceptor das Unterrichten für eine besondere Strafe, womit ihn Gort heimgesucht habe, ansah> — Im Allgemeinen fordert das Gesetz vom Lehrer, daß er sich liebreich gegen die Schüler benehme, 30) Id. Cap. 245. §. 10. Eine körperliche Züchtigung mußte sich der, nachher so berühmt gewordene Lehrer zu iVellaräead, Samuel von seinem'Lehrer gefallen lassen , obgleich sein Vater darüber ungehalten war. cf, TivChoJin p. 107, d.

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