Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1842)
- Date
- 1842-01-22
- Page
- Seite 29 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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29 ftnb die Einzigen nicht, die nach Freiheit ringen. Deutschlands edle Jugend.weif was-Ringen nach Freiheit ist. Du, o Verklärter, hast das große Wort zur That gemacht, daß frei der Mensch seyn muß, der würdig ftyn will des göttlichen Funkens, welchen Du, o seliger Geist, in den Herzen deiner Schüler zur lichten lohen Flamme angefacht. Darum Dank Dir, heißer, inniger Dank aus dem Munde und aus dem Herzen eines Einzigen für Tausende! Hat ja auch Dein Herz das Wohl und Wehe von Lausenden getragen und darum wirst Du diesen Dank nicht verschmähen." Zum Schluß der Feierlichkeit ward noch ein zu diesem Zwecke auf die Melodie: „Freiheit die ich meine" besonders gefertigtes Lied von der ganzen versammelten Menge abgesungen, welches lautet: Schlaf in süßem Frieden Zn des Grabes Ruh', Freudig stirbt hienieden, Wer gelebt, wie Du. Schauest jetzt in Klarheit, Was Du hier geahnt, Wo Du^zu der Wahrheit Uns den Weg gebahnt. Hast so treu gekämpfte Für des Glaubens Hort, Unrecht stets gedämpfte, Stark in That und Wort. Hast das Schwert geschwungen Für der Freiheit Heerd — Wer, wie Du gerungen, Ist des Lorbeers werth. Galizien. Brody, 30. Nov. 1841. (Verspätet.) Heute langte hier eine Botschaft aus Lemberg an unfern Hrn. Rabbiner Ehr istianpoller, mit dem Anträge, daß er si'ch^um das vacante Rabbinat in der Hauptstadt der Provinz bewerben möge. Natürlich wurde ihm unter der Hand die Versicherung gegeben, daß bereits der größte Theil der Stimmfähigen ihm ihre Zustimmung reftcviren werde, was aber, wie ich höre, bei den dortigen Parteiungen noch zu bezweifeln wäre. Diese Nachricht, welche sich hier in unserer Stadt mit Blitzesschnelle verbreitet hatte, war für den Hrn. Rabbiner hier von großem Nutzen; denn die Meinung, daß man sich um seine Anstellung in der Hauptstadt unserer Provinz reißt, hat hier den Glauben geweckt, daß wir den großen Mann nicht verlieren wollen. Wir wurden es zum ersten Male inne, daß wir Vieles verlieren konnten. — Lernberg, 10. Decbr. (Verspätet.) Zn den Hoffnungen, die ein großer Theil der orthodoxen Mitglieder der Gemeinde gehegt, daß Hr. Christianpoller sein jetziges Rabbinat inBrody mit dem in Lemberg vertauschen würde, haben wir uns getäuscht, und ich glaube, wir verlieren mehr dadurch, daß Hr. Chr. unsere Einladung ablehnte, als wir durch das Gegentheil gewonnen hatten; denn wir haben uns nun erst recht cowprommittirt. Herr Christianpoller will trotz der vielen Zusicherungen um das Rabbinat in Lemberg nicht concurriren, theils aus Pietät gegen seine Vaterstadt und seine Familie, um diese nicht zu verlassen, theils aber auch, wie man sich hier allgemein erzählt, weil er der, ihn einladenden Partei nicht traut, da er mit leichter Mühe erkennen konnte, daß es weniger auf seine Person und seine Gelehrsamkeit abgesehen war, als auf ein Gegengewicht gegen dm gelehrten und würdigen Hirsch Chase s, gegen dessen Familie Manche etwas aussetzen zu müssen meinen. Die Rabbinenwahl ist vorläufig prolongirt, aller Wahrscheinlichkeit wird sie zu Gunsten des Herrn Chajes ausfallen. Für Lemberg wäre seine Anstellung ein Fortschritt; denn als Hauptstadt der Provinz, bei einer an andere Formen zum Theil schon gewöhnten jüdischen Bevölkerung verlangt man auch in dem Rabbinen einen Fortschritt,- wenn auch nur den, daß er sich der allgemeinen literarischen Bewegung in Deutschland anschließe. Rußland. Russische Grenze, Dez. 1841. Zn Bezug auf die jüdischen Zustände in dem großen russischen Reiche.hat die Ausschließung der Juden Polens von dem eigentlichen russischen Gebiete dem Wohlstände der Gemeinden die tiefsten Wunden geschlagen; denn die Juden, bei den noch herrschenden alterthümlichen agrarischen Verhältnissen, von dem Ackerbau ausgeschlossen, sind natürlich nur auf den Handel angewiesen, und da die Westgrenzen ihnen hermetisch abgeschlossen sind, so bleibt ihnen nichts übrig, als sich nach Rußland selbst zu wenden. Der Handel mit Rußland, da sie die rein russischen Provinzen nicht besuchen dürfen, ist ihnen eben so gut wie versagt und wir sehen täglich die Gemeinden dermaßen verarmen, daß die Regierung über kurz oder lang, da sie wohl nicht der Juden wegen ihr Sperrsystem aufgeben wird, den verarmten Gemeinden andere Nahrungswege anzuweiftn genöthigt fein wird. Unter diesen Wegen ist wohl der beste der Weg der Ansiedelung, weil theils dadurch die Juden dem Schacher entfremdet werden, wenigstens eine große Anzahl derselben, theils die Regierung eine große Anzahl nützlicher Kolonisten gewinnt, die das Wohl des Landes undder-Krone fördern. Nach dem vorjährigen Jahresberichte des Ministeriums des, Innern betrugen die übergesiedelten ackerbautreibenden Juden 3434, was also in Bezug auf die Zahl sehr unbedeutend ist; denn nach den starken jüdischen Uebervölkerungen in den polnischen Städten könnte die Zahl der Ueberstedelten das Zehnfache betragen und wie man allgemein vernimmt, so bedürfte es nur einer Vergünstigung der Regierung, um ein Zuströmen zu den