Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Spalte 43-44 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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43 44 Apologetik. Zur Abwehr der fremden Religionsansichten v. M. Schwarzauer. christlichen Religionsunterricht verpflichtet zu sein. Erwägen wir nun, wie es zum Wesen der Christologie gehört, diese nach allen Kräften zu verbreiten, wie sie gleichsam alle ihre Bekenner zu Missionären berufen, wie namentlich in Preußen und Waiern die Methode des Elementarunterrichts vorschriftsmäßig der Art sein muß, daß dieiChristologie nicht nur Bibel und Weltgeschichte, Natur- und Völkerkunde, sondern sogar Formenlehre und Arithmetik durchdringe, daß jeder Unterricht christlich fctI) * 3); — so müssen wir wiederholt unser Erstaunen aussprechen, wie es möglich war, daß noch von Niemandem irgend Rathschläge gegeben, wie diesem Uebel überhaupt und namentlich Lm jüdischen Religionsunterrichte zu begegnen sei. Consuetudo est altera natura, und nur so können wir es uns erklären, daß, als man von einer Seite zu erwachen begann, und das schädliche, fremde Fluidum im Judenthume fühlte, und zu diesem Zwecke, so vom nothwendigsten Bedürfnisse begründete, für Israeliten eigene Schulbücher herausgab, deren Tendenz selbst heftigen Tadel von israelitischer Seite hervorriefen.4) I) Es Haben uns viele christliche Lehrer an höhern und /niedern Bürgerschulen in Preußen die ernstliche Versicherung gegeben, „daß sie sich als Christen gewissenhaft berufen fühlen, nach Kräften dahin zu wirken, die ihre Schulen besuchenden Iudenkinder, von der Wahrheit des Christcnthums zu überzeugen und sie dazu zu bekehren." 4) S. 322 des Israel. Predigtu. Schul-Magazin 1834 wird von Herrn G. Lahn die Tendenz des Herxheimischen Kinderfreunds für Israeliten „höchst tadelnswerth" genannt und gefragt: .„Warum will der Verfasser den Kindern die bisherigen deutschen Kinderfreunde und Lesebücher eines Rochow, Wilmftn, Zerrenner u. a. m. nicht mehr lassen; warum sollen christliche Kinderfreunde nicht zur Bildung israelitischer Kinder paffen, wie er sich einbildet." „Was ist das für eine Tendenz der Isolirung in einer Zeit, wo die Juden nichts sehnlicher als Emancipation wünschen, welch unglückliches Leben kann der Herr Landesrabbiner für die Jugend der ihm untergeordneten Schulen herbei führen, wenn er sie mit so engherzigen Ideen erziehen läßt und schon im Kindersreunde von christlichen Mitbürgern trennen will. Wir haben in keinem Kin der freunde etwas Schädliches für Israeliten gefunden." Wenn Hr. Lahn bedacht, wie diescs Magazin (dessen Nichtmehrerscheinen wir übrigens bedauern,) in die Hände so vieler Lehrer kommt, die nicht selbst denken und urtheilen, deren Erfahrung noch nicht gereift, deren Amtseifer nicht so warm, deren Gewissenhaftigkeit nicht so difficil ^ifi, wie sie sein sollte, er wäre vorsichtiger gewesen in der Manifestation dieser Ansicht und hätte berücksichtigt: pejora juvenes facile praecepta audiunt! (8en. Thyest.) Denn wenn in den vorhandenen Kinderfreunden nichts Schädliches für das israel. Kind enthalten ist, so heißt dieses so viel: man lehre den Kindern in der Religionsstunde >0# *T1N 'H nirp und in der Lehrstunde wieder von einer Trinität; in jener werden Abraham und Iizchak und Moscheh und ihre Lehren als Lebensmuster der Jugend vorgeführt, in dieser wieder gelehrt, daß Jesus von Nazaret alle diese Männer erst habe müssen aus der Hölle erlösen und ihre Lehren erfüllen. Sind dies kerne „verwirrenden Begriffe"? Daß Wenn wir auch das bisherige ruhige Verhalten, auf dem Gebiete der Publicität, von Seiten der jüdischen Theologie und Pädagogik, diesem das Wesen des Iudenthums zu paralysiren drohenden Principe gegenüber, dahin uns erklären, daß man wir darin mit Hr. Lahn einverstanden sind, unsere Jugend nicht unbekannt zu lassen, mit. dem Christenthume und seinem wechselwirkenden Verhältnisse zum Judenthume, geht ja gerade aus der Haupttendenz dieses.Aufsatz es hervor. Aber nur die schon unterrichtete, gereiftere Jugend — etwa in der Vorbereitung zur rjttlQ “D — soll hierüber belehn, gründlich belehrt werden, nicht aber die Kinderfreund lesende; diese darfum Gottes- und Menschenwillen noch nichts hiervon erfahren. Das nennen wir „harmlos nebeneinander leben", wie G. Lahn sagt. Denn was diesen Kindern vom Christenthume gegeben werden kann, was das Iudenthum nicht schon hätte, muß und soll doch sogleich widersprochen und widerlegt werden. Hieße das nicht, das Kind mit dem Bade ausschütten? Soll etwa diesen Kindern schon gesagt werden, daß es der Wege viele gibt, auf welchen die Menschen zum Vater zu gehen hoffen — ehe sie noch den Vater recht kennen und allein gehen gelernt haben?? — Herr G. Lahn fragt ferner: „Was ist das für eine Tendenz der Isolirung in einer Zeit, wo die Juden nichts sehnlicher als Emancipation wünschen." Das heißt: damit unsere 'Feinde uns nicht ewig mit dem Popanz des Vorwurfs unseres Particularismus unsere Bürgerrechte vorenthalten können, sollen wir das Christenthum gleich mitunterrichten, und etwa den Gegenstand ihres Hasses, das Iudenthum, succeffive wegräumen. — Wir aber sind der Meinung, der NW emancipirt uns nicht, bis er selbst und sein Glaube und sein Herz durch den Geist der Zeit emancipirt ist. Die Nonemancipisten haben keine anderen Motive, als Neid und Habsucht und — Habsucht und Neid. Unsere geistige Reife oder Nichtreife thut im Geringsten nichts zur Sache. — Der größte Diplomat Europas sagte noch nicht gar lange zu einer um Emancipation petitionirende jüd. Deputation, welche eben die geistigen und moralischen Fortschritte der Juden geschildert: „Meine Herren, ich bin es überzeugt, daß ihre Glaubensgenossen die völlige Reife zur-Emancipation haben, keineswegs aber das Volk, dessen Stimme die Gesetzgebung berücksichtigen muß." — Was hilft es, wenn wir immer die größte Toleranz predigen und gerne die ganze Menschheit brüderlich umarmen möchten, so lange unsere „Muttersöhne" bei jeder Berührung uns feindlich zurückstoßen! — Als sich zum ersten Mal die Pforten des israelitischen Tempels öffneten, als der weiseste König zum ersten Mal flehend die Hänöe zum Gotte Israels empor hob — da war es ein Toleranz-Gebet, wie es vielleicht seit dessen dem Munde keines Königs wieder entströmt, in keinem andern Tempel wieder gehört worden; (S. 1 B. K. 8, 41—44.), und selbst in jenen finstern Zeiten des schwärzesten Fanatismus, .wo jeder Ton aus des Israeliten Herzen ein Ach und Weh war, , von seinen Drängern ausgepreßt, — auch damals sprachen seine Lehrer: kNQIN ny p?n DH? nfrtyn und was sagen diese jetzt? Man schlage nur jedes israelitische Buch nach und man wird die Aufforderung zur allgemeinsten Menschenliebe lesen; aber dir christliche Kanzel, der christliche Redneru. Lehrstuhl, hat noch nicht aufgehört, alle Jahrhunderte hindurch Intoleranz und Fanatismus zu predigen. — Darum keine Concessionen! Die Freiheit verkauft nicht für einige Freiheiten!-- —