Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Spalte 41-42 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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41 Apologetik. Zur Abwehr der fremden Religionsansichten v. M. Schwarzauer. 42 Die Schwierigkeit und jetzige Nothwendigkeit der Lösung dieser Frage ergiebt sich jedem unparteiischen Beobachter unserer Zustände von selbst. Mit jedem Schritte in das sociale Leben treten dem Juden seine religiösen Satzungen — wenn auch nicht störend — doch hindernd in den Weg. Dem Gelehrten im Amte wie dem Künstler, dem Geschästsmanne wie dem Handwerker kommen die Anforderungen seines Glaubens mit denen seiner Tagesbeschästigung in Collision. Aber alle diese Hindernisse wird der leicht beseitigen, ja er wird sie kaum verspüren, den seine Religion nicht nur unterrichtet, sondern auch und hauptsächlich erzogen hat, denn her Mensch lebt unzertrennlicher von dem, was er in seiner Zugend gesehen, als von dem was er in ihr gehört hat. Der hat die festeste Ueberzeugung von der Wahrheit und von der inwohnenden Kraft und einzigen Beglückung seines Glaubens erhalten, welcher früh schon mit den Collisionen des Zeitlichen mit dem Göttlichen vertraut gemacht wurde und Waffen zu deren Besiegung empfangen hat. Aber diese Präservative werden noch von einer ganz andern weit höher potenzirten Gefahr in einer Aeiterscheinung für den Israeliten bedingt, dem seine Religion noch jene Wichtigkeit hat, die sie haben sott. Das Leben in seinen verschiedenen Berufs-Geschäften bietet gleichsam nur passive Hindernisse dem Gläubigen. Ein Anderes ist es mit jener Zeiterscheinung. Diese tritt mit einer activen Kraft dem Israeliten entgegen, um Säuglinge und Jünglinge auf allen Heerstraßen zu sahen, und welche so mächtig und allgewaltig ist, um uns die traurige Alternative zu stellen — mit unserem Glauben, mit unserem Blute, uns für das Leben zu verschreiben, oder — dieses zu lassen. Wo die Mauern einer Synagoge sich erheben, da sind auch schon Boten ausgesandt, Mssionsgesellschaften gestiftet, ja nicht selten besondere Tempel errichtet, um — hier zu widersprechen, was dort behauptet) um hier niederzureißen, was .dort aufgebaut; um die in jener gelehrte Wahrheit und Seligkeit, hier als Lüge und Verdammmß herabzuwürdigen. Es ist sogar dahin gekommen, daß (llormdile äictu!) man m der heiligen Sprache in jenen Tempeln mit uns spricht, um desto sicherer die Heiligthümer dieser Sprache uns zu rauben. Um uns das Fremde einzuimpsen, was unsere Väter nie gekannt, bedient man sich einer Lanzette von einschmeichelndem und vertraulichem Metalle. Dort wo einst der Glaubenstempel stand, von dem die Sonne der Welterleuchtung ausging und wie ein Held freudig die Erdenbabn durchlief, dort wo die Lehre herkam, welche die ganze Menschheit selig sprach, hat jetzt, die nur ihre Gläubigen selig sprechende, sich hingepflanzt, um die letzten Reste der Bekenner jener Lehre zu verdrängen. Sollte diese Erscheinung für den israelitischen Erzieher und Lehrer nicht die ernstliche Mahnung in sich tragen, seine Zöglinge und Schüler, bevor sie das Haus mit dem Leben wechseln, vertraut zu machen mit den Gefahren, welche dem CulminaLionSpunkte ihres Lebens drohen, mit dem Schilde, mit der Waffe, durch welche sie Alles abwehren können, was dem Glauben widerspricht? — Wer da glaubt, daß wir übertreiben, den bitten wir, sich die Mühe zu nehmen, einen forschenden Blick auf das innere Leben der Israeliten zu werfen, und er wird in Folgendem nur eine schwache Federzeichnung eines Gemäldes finden, das in seiner Unerquicklichkeit zu keiner weitern Staffage ermuntert. Man betrachte nur den, wenn auch anscheinend im Abnehmen begriffenen, noch mehr als genug um sich greifenden Jndiffermtismus, wie diese europäisi'rte moralische. Cholera, die heiligsten Institute entweihet und den Menschen seiner wahren Würde entkleidet hat! Denn das muß wohl jeder Menschenkenner zugeben: wer für Gott keine Opfer hat, bringt auch keine seinem Könige; wer den Glaubensgenoffen nicht liebt, bleibt auch kalt und schaal gegen den Mitmenschen. Der schlechte..Israelit ist wenigstens auch ein nutzloser Bürger; wer keine Zukunft kennt, hat auch keine Gegenwart; sein liebes Ich ist ihm Gott und König und Vaterland und Gemeinde und Alles. Jener Jüngling, dem entweder Hegel Alpha und Omega, oder die Verhältniß - Berechnung zwischen Pcrrds und Brabanter Ellen, zum Lebeasprincip geworden; jene Jungfrau, die kein Werk des Victor Hugo, der George Dudevant wie Tiek's Victoria Accorombona ungelesen läßt: die Gefühle und Empfindungen dieser Verbildeten thun sich selten ohne eine Jnterjection kund, deren sich ein ChrWvon Sitte und Religiosität; nur im äußersten Falle bedient: „Ach ob. o, Herr I....!" Ihre Sabbathe und Festtage kennen sie kaum mehr — die sonst für diese Tage vorzüglicheren Kleider, haben eine andere Bestimmung erhalten. Selbst die Namen der jüdischen Festtage werden deportirt. Statt: Pesach, Schebuot und Sukkot hören wir Ostern, Pfingsten u. s. w. Aus , unserem Chanuka ist — Weihnachten geworden. —- Was wohl der Hasmonäer Mattathias und.Juda Maklabi dazu ssagen möchten?! — Und nur einmal müßten jene Namenjuden in das Innere eines wahrhaft gebildeten Christen schauen können, wenn dieser, jene sich unter einander fragen hört: „Was haben ihnen die Weihnachten u. s. w. bescheert?" sie würden ihre eigene Verachtung ob des unverzeihlichen Leichtsinns lesen. Dennoch müssen wir gestehen, daß der unbegreiflichste, jedes Maß überschreitende religiöse Jndifferentismus derjenige ist, wenn man hört, wie man in einer Gemeinde (irren wir nicht, in Ostpreußen), freiwillig die Schuljugend in eine christliche Missionsschule schickt und sich anderseits — ganz consequent — weigert, einen gebildeten Rabbinen aufzunehmen. Wir sind noch nicht zu Ende mit der Schilderung der dem wesentlichen Charakter des Judenthums widersprechenden Einflüsse. Zur Bekämpfung eines Feindes, ist die genaueste Kenntniß des Lerrain's unentbehrlich. Zur Heilung eines Nebels müssen wir dieses in allen seinen Dimensionen kennen. In sämmtlichen Staaten Europa's -- wo die Volkserziehung Staatsangelegenheit ist — sind die Juden verpflichtet, — wo sie keine eigenen Schulen haben — ihre Kinder in die christlichen Schulanstalterr zu schicken; ohne jedoch zur Lheilnahme an den