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Der Orient · 1842-01-15 · 3 (15.1.1842) · p. Spalte 39-40

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
3 (15.1.1842)
Date
1842-01-15
Page
Spalte 39-40 (sequence 4)
Language
German
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39 Apologetik. Zur Abwehr der fremden Relkgionsansichten v. M. Schwarzauer. 49 mit diesem Unterrichte eine derartigeUeberzeugung in dem Herzen des jungen Israeliten gewonnen wird, so daß.später divergicende Ansichten gar nicht mehr influiren können; daß der Zögling gleichsam indisponibel wird für jedes Afsiciren irgend eines Miasma. Wir gingen lange, sehr lange zu Rache, bevor wir uns von der Nothwendigkeit der öffentlichen Besprechung dieses Gegenstandes überzeugten und uns zu diesem Entschlüsse bestimmten. Denn es blieb uns keinen Augenblick das Zarte und Eigenthümliche dieses Lhema's, in seinem möglichen Ge- und Mißbrauche, durch den Willen der Guten und Bösen sowol, als auch in seinen böswillig daraus zu ziehenden Consequenzen und möglichen Folgen verborgen. Nicht unberücksichtigt blieb der Grundsatz, wie der Religionslehrer überhaupt, als erster Pfleger und Begründer der allgemeinen Menschenliebe, und der israelitische Lehrer insbesondere—welcher priesterlich in den Zöglingen-seines Priestervolks die allumfassendste Liebe säen und warten und befestigen soll — sich jeglichen Polemisirens enthalten müsse; wie er nirgendwo geeigneter in der Beurtheilung anderer Glaubensgenossen, zur Basis, den (o, daß er die allgemeinste Anerkennung fände!) die Menschheit beglückenden Ausspruch des weisesten Mannes, der vor Jahrtausenden gelebt, machen müsse: nn6 mnDJn 'Dl lA rtel) (Deutr. 29, 28.) „Das Verborgene ist des Ewigen unseres Gottes, aber das Offenbare ist unser u. s. w." Das heißt: das Metaphysische Gott mnd) das Reale uns. Nicht unberücksichtigt blieb, wie die Urquelle des israelitischen Glaubens, im Verhältniß zu den Religionsquellen anderer Völker, wenig, sehr wenig metaphysische Lehren enthalte; weil ihre Devise lautet: □IN pNl DW D’DtWl »Die Himmel Gott, die Erde uns." Weil dem, der die Erde recht gehabt, der Himmel desto sicherer ist, darum ist des Lehrers nächste Pflicht, wahrhaft glückliche Erdenbürger zu bilden. Die himmlische Emancipation kann dann gar nicht fehlen. Denn bei Sr. unsichtbaren Majestät giebt es keine asiatische Race und keine Ausländer, keine Nichtreifen und keine blos Geduldeten, keine Provinzialrechte und keine petitionirenden Zünfte und Krämer, sondern alles rufet wie aus einem Munde: üW> INN 3N! (Mal. 2, 10.) Dennoch ruft es wie eine mahnende Stimme in mir rwj£> ny ynin nsn nirr6 (Ps. 119, 126)! und die quM-und quantitative Ueberwogenheit dieses mahnenden Rufes , welcher alle jene Bedenken niederzuhalten wußte, wollen wir durch Nachstehendes verificiren. Me das Verhältniß der Sonne und ihrer.Planeten in Erzeugung von Licht und Wärme zu einander — so steht der Focus des israelitischen Glaubens, der Monotheismus, zu den theils von ihm emanirten und theils ihn conservirenden Geboten und Gesetzen und Rechten. Diese empfangen von jenem das Licht und erzeugen dadurch erst die das Menschenheil fördernde Wärme. Jener ist das Licht und diese sind die Leuchter, -jin rnirrt MD *13 D (Prv. 6, 23.). Jener will den Weg uns zeigen, der zum Ziele führt, die Gebote und Gesetze und Rechte wollen uns bewahren das beseligende Licht, daß es nicht verlöscht werde von den Moussons und Chamsins, die da wüthen in vielen Zeiten und Zonen.. Daß der in seinem Ursprünge extensiv so schwache Monotheismus, nicht verschlungen wurde von dem wie der Ocean die Erde umspülenden Polytheismus, hat er der Allgewalt seiner intensiven Stärke zu verdanken. Daß das Judenthum nicht unterging im Heidenthum, hat es dem Palladium seiner religiösen Institutionen zu verdanken.-) Haben wir das wechselwirkende Verhältniß des mosaischtheistischen Axioms und-dessen Institutionen mit dem der Sonne und ihrer Planeten verglichen, so ist die Reciprocität der Israeliten zu den sie umgebenden Glaubens-Völkern, nicht weniger derjenigen gleich, welche die Planeten für sich unter einander haben. Die Vollkommenheit des einen ist entschieden von dem empfangenden Fluidum des andern bedingt. Die: gänzliche Jsolirung des einen Körpers würde allmälige Vernichtung für alle herbeiführen. Nur das Verharren in der vom Naturgesetze angewiesenen Bahn, bringt die große Harmonie der Sphären hervor. Die geringste ungesetzliche Annäherung oder Entfernung unter einander würde, ja müßte Alles in ein Chaos verwandeln. Ohne Bild. Israel kann — sich und der Menschheit zum Heile — nur dann seiner göttlichen Mission unter den Völkern sieggekrönt entgegen leben, wenn es einerseits felsenfest hält an seinen religiösen Institutionen, und andererseits in socialer Hinsicht die Interessen seiner Mitbürger zu den seinigen macht; ja hierin aushört ein Besonderes zu seyn, und Eins wird mit dem Staate, in welchem es athmet. Dieser scheinbar heterogenen Anforderung muß der religiöse Israelit zu genügen suchen, was in letzterer Beziehung schon großenteils geschehen. Wir wissen es recht gut, daß diese Anforderung leichter gedacht und geschrieben, als realisirr werden kann, wissen daß nicht uns die Priorität der Manifestation dieses Theorems zukommt; wissen aber auch, daß wenn irgendwo, so hier die Wahrheit nicht oft genug wiederholt werden kann, und um so mehr wiederholt werden muß, als diese gerade jetzt zu unserer occidentalisch-orientalischen Frage geworden ist. ' 2) I. P. F. Richter schreibt an seinen Freund Emanuel: „Und zwischen Laufwasser und Weschneidung, und zwischen dem Fasten am christlichen und zwischen dem Schmausen am jüdischen Sabbat ist als körperliche Handlung kein Unterschied, außer daß die letztere Ceremonie ein wenig angenehmer ist. Ihre Religion überh olt d ari n unsere, daß.sie kerne einzige theoretische Unbegreiflichkeit und Contradiction, wie unsere, fordert. Ein Philosoph kann leichter ein Lalmudist, als ein Orthodox seyn. Gerade Religionen und Völker mit vielen scharf abgeschmttenen Ceremonien verwittern später in Wind und Wetter der Jahrtausende, als andere mit weniger Ceremonien. Je näher aber eine Religion, wie die reformirte, der Philosophie kommt, desto öfter ändert sie, wie die Philosophie selber, Körper und Kleid." (Dörrng's, I. Pauls Leben und Charakteristik).

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