Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Spalte 35-36 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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35 36 Dr. Frankels Studien zur Septuaginta, beurthellt von Dr. Landau. Napaport, Luzzatto, Fürst u. A. die Biurim, Bikkure HaLttim, frühere Werke, welche Exegese, Grammatik und Lexicographie betreffen, als für ihn nicht vorhanden, vornehm zu ignoriren; besonders da diese jüd. Bestrebungen in christlichen Journalen selten gründliche Berücksichtigung finden und sie zu lesen schwieriger ist, als ihr Dasein zu verschweigen. Es steht daher zu befürchten, daß unsre geistige Emancipation noch langer, als die bürgerliche ausbleiben, und daß es langer und großer Anstrengung bedürfen werde, ehe man aufhören wird, jüdische Wissenschaft und jüdische Gelehrte über die Achsel anzusehen. Hören wir unfern Verfasser selbst, wie er sich in. der Vorrede mit edlem Freimuthe über die gegenwärtige Stellung der Juden und die unparteiische, ehrliche Forschung im Judenthume ausspricht: „Juden und Judenthuw, diese seit undenklicher Zeit verpönten, und doch nicht zu vertilgenden Namen; Juden und Judenthum, denen man jeden Werth abzusprechen stets geneigt war, und doch wider Willen eine große historische Bedetttung zuerkennen mußte, bilden noch immer ein wichtiges Problem in der Staatengeschichte, und selbst die nach Klarheit und Zurückführung auf das letzte Pcincip ringende Gegenwart ist noch zu keinem vollkommenen Bewußtsein hierüber gelangt, vermochte noch nicht die Einigung zwischen den sich widerstrebenden Elementen zu bewirken. Eine spätere, gereiftere Zeit wird auf diese Rathlosigkeit mit Unwillen zuxückblicken: dem Juden preßt das Geständniß, daß seine Ansprüche auf Staatsrecht gegründet seien, man aber von Gewohnheit und Herkömmlichem sich nicht so schnell lossagen könne, ein schmerzliches Lächeln ab. Die Nachwelt wird die Ironie, die in diesem Geständnisse liegt, mir Indignation zurückweisen. Der Jude muß noch immer betteln, oft vergebens betteln, wenn er sein Recht verlangt: die Vorurtheile der Erziehung, von denen selbst gebildete und einflußreiche Männer sich mitunter nicht lossagen können, die vorgefaßte Meinung von des Juden Schlechtigkeit und Verworfenheit, von denen Viele sich nicht lossagen wollen, treten dem Streben der Edlen, die diesen schmählichen Fesseln sich entwunden und im Juden den Menschen mit seinen Tugenden und Fehlern wahrnehmen, hemmend entgegen. Der Fortschritt der Zeit hat auch beim Juden sich bemerkbar gemacht: sein Selbstgefühl erwachte. Was seine Väter oft als Gnade betrachteten, die Verachtung (so lange sie nicht in blutigen Fanatismus und die Menschheit schändende Metzelei ausartete) weist er mit derselben Verachtung zurück. Er ist sich seiner Bedeutung als Weltbürger bewußt, und wie erhaben ihm auch die Resignation, die das Auge auf das Jenseits richtet, erscheint; so fühlt er sich doch durch eine innere Stimme getrieben, sein Recht als Mensch, ein Recht, auf das die Gottheit Jedermann hingewiesen, und das uns vorzuenthalten Niemand befugt ist, nicht aufzugeben. Und er muß dafür um so beharrlicher kämpfen, als das Edelste, was ihm geblieben, sein Glaube, .das Judenthum, oft zum Vorwände für die ihn treffende Verstoßung und Bedrückung dienen muß, und auch hier sein Schmerz ein viel tieferer, als der seiner Vater ist." Ueber die rechte Weise, wie das Judenthum von christlicher Seite zu erforschen sei, spricht sich der Verfasser u. A. folgendermaßen aus: „Wohl bedarf es großer Anstrengung und des Aufgebens eines Theiles der Subjectivitat, um in die Literatur einer uns fremden Religion einzudringen, unsere Ansichten mit den ihrigen zu amalgamiren, uns im Augenblicke der Forschung ganz in sie zu versenken, und den widrigen Eindruck, den sie auf uns, deren Begriffe von den ihrigen verschieden oft ganz entgegengesetzt sind, hervorbringt, zu unterdrücken. Wer sich nicht mit solcher Kraft ausgerüstet fühlt, der unterlasse den Versuch. Keine Anklage wird ihn über das Geständniß, daß es ihm an Lust und Zeit gebreche, treffen. Aber jene unreifen Urtheile, das Citiren mißverstandener, aus dem Zusammenhänge gerissener Stellen, die bettelhaste Ausklauberei einiger zerlumpter, hingeworfener Fetzen, um ein von Lächerlichkeit und Gehässigkeit strotzendes Gewand daraus zu verfertigen, zeigt hinlänglich, wie wenig es auf ein ernstes der Wahrheit würdiges Studium abgesehen sei. Nur durch eine Wissenschaft des Judenthums kann diesem hämischen Treiben ein Ziel gesetzt werden." Der Vers, erklärt weiter, daß die wissenschaftliche Behandlung des Judenthums die der Emancipation entgegenwirkenden religiösen Vorurtheile zwar nicht heben werde, da jene offenbar nur als Vorwand gebraucht werden; daß dieser materielle Zweck auch der Wissenschaft unwürdig sei: vielmehr werde sie von dem Bedürfnisse, die verunglimpfte Würde des Judenthums wieder herzustellen, von dem Umschwünge, den die Wissenschaft überhaupt erfahren, und endlich von mancher nothwendigen Umgestaltung innerhalb des Judenthums, die nur historisch basict und in dem Boden der Wissenschaft wurzelnd segensreich werden kann, hervorgerufem Wenn nun jeder aufrichtige Freund der Wissenschaft und des Judenthums diesen Bemerkungen des Vers, seinen vollkommenen Beifall schenken muß, so wird er, da in unsrer Zeit von so Vielen über jüdische Wissenschaft gesprochen, aber nur von einigen Wenigen Tüchtiges darin geleistet, da besonders den Rabbinen Mangel an wissenschaftlichem Streben oft zum Vorwurfe gemacht wird, gewiß die Erscheinung dieses Werkes höchst willkommen heißen. Was den Gegenstand der Forschung betrifft, so ist die Septuaginta, trotz der großen Literatur darüber, doch noch me in ihrer Totalität kritisch wissenschaftlich behandelt worden. - Die meisten Schriften über dieselbe betreffen nur das Aeußerliche, ohne auf ihren innem Gehalt einzugehen und zu bestimmen, in wie weit sie für