Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Seite 20 (sequence 7)
- Language
- German
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20 — ten, sowohl von Israeliten, als Nicht-Israeliten.soll derselbe , sich zu verschaffen suchen, sie mit Liebe und Eifer studiren, und sich das Schöne und Gute daraus sorgfältig merken. §♦ 14. Gutes Beispiel. Da der Rellgionslchrer noch mehr, als durch seine Lehren, durch sein gutes Beispiel wirkt, ja die Wirksamkeit der erstern durch letzteres bedingt ist, indem ein anstößiger Lebenswandel auch die beste Lehre unwirksam macht, dagegen ein tugendhaftes Leben dem Unterricht auch bei dem Verstockten und Leichtsinnigen Eingang verschafft, so wird es für denselben doppelt heilige Pflicht, durch ein wahrhaft religiös-sittliches Leben, sowohl in seinem Hause, als öffentlich seine Lehren zu unterstützen, und durch sein eigenes Beispiel die Kraft der Religion zu zeigen, deren Lehrer er ist. Er sei daher seiner Gemeinde Muster einer wahrhaft erleuchteten Frömmigkeit, einer ungeheuchelten Lugend, ein Vorbild in allem Schönen und Guten überhaupt und insbesondere des aufrichtigen Wohlwollens und der Verträglichkeit und der ächten Bruderliebe gegen alle Menschen ohne Unterschied des Standes und des Glaubens. Populäre Aufsätze und Beurteilungen. Neber das Verhältnis des Lehrers der Schule in den frühere» jüdischen Gemeinden nach dem rabbinifchen Rechte und dem älter» Herkommen. Einleitung. Schon die ältesten Lehrer in der Synagoge sprachen es aus, daß 'Scheu vor dem Bösen und Liebe zum Guten nur durch den Unterricht der Jugend befördert werden könne, wenn sie sagen: „Der Ignorant kann vor dem Bösen sich' nicht hüten (er kennt es ja nicht immer), der Idiot kann nicht ganzfromm sein (weil er nicht alle Forderungen kennt, welche die Lugend an den Menschen stellt,)" *) u. sie empfehlen mit den Worten der Schrift-) das Lernen gar sehr, welches aber mit der Praxis gleichen Schritt halten soll ^). Kant's Ausspruch: „hinter Education steckt das große Geheimniß der Vollkommenheit der menschlichen Natur", hatten diese Weisen also bei ihren Glaubensgenossen schon lange, geltend gemacht und nach Kräften in ihrem engen Kreise Licht und Wärme erhalten und selbst nach außen verbreitet, bis später die wohlthuende Sonne der Philosophie auch den andern Völkern aufging, und am helleren Lage Allen, nicht Llos einzelnen Auserwählten, das neue Siel sichtbar wurde, worauf von nun an mit angestrengter Kraft das vereinte menschliche Geschlecht hinstreben sollte: Höchste wissenschaftliche Ausbildung, — vollkommenste Sittlichkeit. Jede wahre Philosophie erkennt dies als ihr Endziel an, und die verschiedenen Systeme sind nur verschiedene Wege, den Berg des Heiligthums zu ersteigen. Vorüber ist die Zeit der spitzfindigen Scholastik. Die Menschheit ist es müde geworden, für und gegen Lustgespenster der Don Quichotte zu streiten, — denn auch die Philosophie hatte solche Glücksritter; — in Europa hat sich durch manche 1) Tr. Abot Cap. 11. §. 7. 2) Jos. Cap. 1, 8. 3) Tr. Abot Cap. ], 17. glückliche Revolution gegen das Hergebrachte und Stabilgewordene, und dem menschlichen Geiste daher Unerträgliche und Unnatürliche, das höhere Streben des Geistes dadurch zuerst wieder beurkundet, daß der Geist seiner selbst sich wieder bewußt wurde und sein Wesen, seine. Kraft und sein Streben kennen lernen wollte; und damit er nicht wieder in den Fehler der Vorwelt zurückfalle, wußte er es zu veranstalten, daß seine, mit Mühe und Anstrengung gewonnenen Resultate, als praktische Wahrheiten im Lhun und Lassen der Menschheit sich zeigen, gleichsam als bestirchtete er, man wolle oder man könne ihm den errungenen Sieg wieder streitig machen. Sind diesen Bestrebungen aber nun nicht auch der große Eifer für das Materielle in der Jugenderziehung, der sich in unser» ■ Schulen heutiges Lages so sehr geltend zu machen sucht, Zuzuschreiben? — Diese Frage ist allerdings der Untersuchung werth , gehört aber nicht hierher. — Unter Europas Ländern gebührt unserem deutschen Vaterlande gewiß die Ehre, m neuerer Zeit durch Gründlichkeit in allen Zweigen des Wissens sich ausgezeichnet zu haben; wofür es aber vorzüglich den Dank der gesammten Menschheit verdient, ist sein so schönes, segenreiches Bemühen um Schule und Iugendunterricht. Dem Juden, welchem man erst mit dem Ende des vorigen Jahrhunderts ein eigentliches Vaterland gestattete, der indes? doch fast an jedem Orte heimisch geworden war, an welchem seine Eltern ihn als Menschen auf der schönen Erde in die Welt gesetzt hatten, zog Nichts so sehr an, als das Licht und das geistige Leben, was er bei denjenigen wahrnahm, die ihm feindlich entgegenstanden und die es ihm doch nicht wehren konnten, daß nicht auch sein Geist Nahrung schöpfte aus den Werken, welche Wissenschaft und Philosophie an das Tageslicht förderten. Sein Geist war vorbereitet zu den Operationen des höheren Denkens durch das Studium des Talmud's, und man kann es nicht läugnen, daß dies Studium dem jüdischen Knaben die Lection der Denkübung in der Elementarklaffe, dem Jüngling die mathematischen Wissenschaften des Gymnasiums und die Vorlesung über Logik auf der Universität ersetzte, und man könnte dies Studium der Jugend noch heutiges Tages als unfehlbar empfehlen, wenn man nicht auf leichtere Weife und in weniger Zeit zum Ziele, den jugendlichen Scharfsinn zu erwecken und zu stärken, gelangen könnte. Es bedarf der Beweise für diese Behauptung nicht, wenn man nur an das Gymnasium und an .die Universität denkt, welche der selige Mendelsohn besuchte, oder wenn man nur diejenigen jüdischen Gelehrten der altern Generation befraget, welche noch heute mit Ehre und Glück in manchen Zweigen der Wissenschaft sich auszeichnen. Dem Biedersinn deutscher Fürsten hat die gedrückte jüdische Glaubensgenossenschast bessere Schulanstalten zu verdanken, einen Kaiser Joseph fl., einen Fried. Wilhelm M. von Preußen und einen Maximilian von Bayern werden Juden me vergessen. Dessau, Strelitz u. s. w. werden Regenten stets segnend erwähnen, die dadurch wenigstens die trennende Scheidewand zwischen Juden und Christen niederzureißen beabsichtigten, indem sie für einen zweckmäßigeren und zeitgemäßeren Iugendunterricht bei den Iudenkmdern sorgten, die gern lernten, und im Verlause einiger Decemnen schon bewiesen, daß auch sie zu allem Guten und Schönen fähig sind. Wahrlich! wenn man eine allgemeine Bildung zur alleinigen Bedingung der Emaneipation der Juden machte, so hätten die Juden in Deutschlands Staaten, wo ihre Schulen nur eine Zeit lang von der christlichen Obrigkeit begünstigt, beaufsichtigt und unterstützt worden sind, oder wenigstens nicht indireet unterdrückt wurden, — die Bedingung, woran man ihr bürgerliches Leben und Wohl geknüpft hat, schon längst erfüllt.