Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1842)
- Date
- 1842-01-15
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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18 — und nur das Elend der Zustände zwingt sie oft, den Wanderstab zu ergreifen, der zu einem Bettelstab wird. Alle unsere Mühe und Anstrengung für unsere Neben Brüder im heiligen Lande ist aber vergeblich, so lange die bürgerliche Sicherheit und die bürgerliche Freiheit sie nicht schützt und schirmt, und diese Freiheit ist für das der edlen Trauer hingegebene Land noch nicht gekommen. Der Allmächtige ist mein Zeuge, daß all die Sehnsucht meines Herzens dahin gerichtet ist, meinen Brüdern das schwer lastende Joch des^ Exils zu erleichtern und der Dollmelsch ihrer Hoffnungen und Gefühle zu sein; aber wenn ich auch durch die Gnade Gottes, die sein Volk noch nicht ■ verlassen, Einiges zu ihrer Erleichterung beitragen kann, so ist es doch gar nichts gegen das, was für Israel geschehen könnte, wenn die Edlen meines Volkes, seine Sprecher, se ine Lehrec, se ine Rejchen ihre Stim m e erhüben und mich mit Rath und That unterstützten. Wie Wasserbache leite Gott die Herzen der Edlen meines Volkes, das wünscht von ganzem Herzen London, 24. Marchefchwan, 5602- Moses Montefiore. Deutschland. WsvTrN, 5. Jan. Ich theite Ihnen hier einige Berichte für den Orient mit, und zwar: erstens einen Bericht aus Nr. 300, den 23. Dccbr. der Spenerschen Zeitung, der hier unten folgt; zweitens die Nachricht, daß unsere Königin an die Ausstellung zum Besten der jüdischen Waisenkinder 4 Fciednchsd'or und die Gräfin von Nassau 50 Thlr. geschickt haben; drittens, daß gleich nach Neujahr die Gesellschaft der Freunde das 50. Stiftungsfest großartig feiern wird, und daß die Gesellschaft rto flDJDn. i&r lOOjahriges Jubiläum feiert, und endlich folgt viertens die Abschrift einer allgemeinen Verfügung v. 11. Novbr., enthaltend die Empfehlung eines Werkes. . Seite 359 des diesjährigen Ministerialblattes heißt es: „Der hiesige Kriminalgerichrs-Actuarius Thiele ist mit der Herausgabe eines Werkes unter dem Titel „die jüdischen Gauner in Deutschland" beschäftigt, welches in zwei Theilen erscheinen soll und dessen Preis auf Thaler für jeden Theil bestimmt worden ist. Da dies Werk . nach seinem Inhalte zur Kenntniß der jüdischen Gauner kn Deutschland dienen und daher für die Gerichtsbehörden, besonders in den großen Städten, von Nutzen sein dürste, so wird den Königlichen Obergerichten, Jnquisüoriaten und sämmtlichrn kollegialifch-focmirten königlichen Untergerichten in denjenigen Städten der Monarchie, welche wehr als 10,000 Einwohner haben, die Anschaffung dieses Werkes, dessen erster Band bereits erschienen ist, für Rechnung ihrer Salarienkassen mit dem Bemerken empfohlen, daß der Verfasser nach seiner Anzeige vorläufig den Selbstverlag des Buches übernommen hat. Berlin, 11. Novbr. 1841. Der Justiz-Minister Mühler. Der erwähnte Bericht aus der Spenerschen Zeitung lautet: Arnsberg, 16. Decbr. Das hiesige kömgl. Ober- Landesgericht har folgende Bekanntmachung erlassen: „Bei einem gegenwärtig vorliegenden speciellen Falle ist die Frage zur Sprache gekommen:' ob in dem hiesigen Departement unter den Juden eine, von dem Rabbiner durch Ertheilung des Scheidebriefs ausgesprochene, Ehescheidung für bürgerlich gültig zu achten, so daß den aus solche Art geschiedenen Ehegatten die Befugnis; zustehe, zu einer ander-- weitigen Ehe zu schreiten? Die k. Ministerien der Justiz, des Innern und der Polizei, so wie die der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, welchen darüber Vortrag gehalten worden, haben jene Frage verneint, und den Grundsatz aufgestellt, daß auch in den Provinzen, wo weder die Vorschrift im §. 27. des Edicts vom 11. März 1812 (Gesetzsammlung Seite 20») noch der §. 20. der vorläufigen Verordnung vom 1. Juni 1833 (Gesetzsammlung Seite 70.) gesetzliche Kraft habe, zur Begründung der bürgerlichen Wirkung einer Ehescheidung unter den Juden das Erkenntniß des gehörigen Richters nothwendig sei; den Rabbinern jedoch unbenommen . bleibe, auf den Antrag ihrer Glaubensgenossen Scheide-Briefe, zu ertheilen, denen jedoch in keinem Falle die Wirkungen einer gerichtlichen Ehetrennung beigelegt werden könnten. Die praktische Wichtigkeit dieser Entscheidung für das jüdische Publikum unsers Departements veranlaßt uns, dieselbe hierdurch zur öffentlichen Kenntniß zu bringen." Berlin, 5» Jam Gestern haben die Vorlesungen des Dr. Aunz über jüdische Literatur begonnen. 2llsAusgangspunkt derselben bezeichnet Dr. Zunz den ersten Contraet des griechischen und jüdischen Geistes, der etwa in das zweite Jahrhundert vor Christi Geburt fällt. Zwei Jahrtausende einer reichen Geistesarbeit werden sich daher vor dem Zuhörer entfalten: ein unermeßlicher Stoff, den gewiß unter allen lebenden Gelehrten kein anderer mit eben so vielem Scharfblick für das Einzelne als combinirendem Tiefsinn für Strömung und Gegenströmung des in aller Erscheinung lebendigen Gedankens durchdrungen hat. Kaum möchten dreißig Stunden hinreichen, mehr als eine Gliederung des reichen Stoffes vorzusühren, wenn man bedenkt, daß noch ln weit höherm Maße von der GesammtLiteratur der Juden gilt, was Franz Delitzsch von der Poesie derselben sagt: „Die jüdische Poesie ist nicht das Geisteserzeugniß eines Volkes mit fest umgrentem Vaterlande; der Geschichtschreiber derselben muß den Erdkreis durchwandern, um in den entlegendsten Ghettos nach den abgewelkten und blühenden Literaturen dieser verborgenen Weltpoesie zu forschen." Mit allen Sprachen und Volkstümlichkeiten der gebildeten Welt tritt die Literatur der Inden in Berührung, theils von ihnen lernend und ihnen sich anschmiegend, theils dieselben Zwecke auf eignen Bahnen verfolgend, theils aber ihren elgenthümlichen Lebensgehalt selbstständig neben oder auch im Gegensätze zu ihnen entwickelnd. Je schwieriger durch so vielfach in einander verschlungene Verhältnisse die Aufgabe des Literärhistorikers wird, ein desto vielseitigeres Interesse nimmt er in Anspruch, und man darf gewiß mit Recht behaupten, daß fast ein jedes auf die Erforschung der Vergangenheit gerichtete Bestreben sich durch die Kenntnisnahme von der Literatur der Juden auf irgend eine Weise angeregt und gefördert fühlen dürste. Aber auch