Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1842)
- Date
- 1842-01-08
- Page
- Seite 14 (sequence 11)
- Language
- German
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§♦ 11. Verhältniß des Vorsängers zum Rabbi nen. Dem Rabbinen, als seinem Vorgesetzten ist der Vorsänger in Allem, was den Gottesdienst und den Religions-Unterricht betrifft, Gehorsam schuldig, an ihn hat er sich in allen schwierigen Fällen seines Amtes zu wenden, und seine Entscheidung oder seinen Rath einzuholen«. Von dem Religionsunterricht hat der Vorsänger an dem Orte des Rabbinatssitzes^. den Unterricht der jüngeren Kinder (etwa bis zum eilsten Jahre) zu übernehmen, und diese die biblische Geschichte, das Hebräische bis zur Übersetzung des Pentateuchs und der hebräischen Gebete einschließlich zu lehren, und sie im Auswendiglernen von Sprüchen und Liedern zu üben. In Orten, wo kein Rabbine sich befindet, hat der Vorsänger den ganzen Religions-Unterricht zu ertheilen, und auch die älteren Schüler jn der Glaubens- und Sittenlehre nach Anleitung des allgemeinen Lehrbuchs der israelitischen Religion zu unterrichten, die Bibel mit ihnen zu lesen und ihnen die hebräischen Psalmen, in so weit diese in dem Gebetbuche rfen Vorkommen, zu erklären. Im Uebn'gen begegne er dem Rabbmen stets mit Achtung und zeige ihm die Ehrerbietung, die seinem Amte und' seinem Stande gebührt. §.■■'12. Privatleben des Vorsängers, a) Im Allgemeinen. Was das Privatleben des Vorsängers betrifft, so sei dieses so beschaffen, daß er dadurch die Achtung, die Liebe und das Vertrauen der Jugend, wie der Erwachsenen sich erwerbe. Dieses wird er erlangen, wenn er sein Amt mit Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue verstehet, im Verkehr mit den Menschen Rechtschaffenheit und Redlichkeit und im Umgang mit denselben Leutseligkeit und Gefälligkeit zeigt. (Beschluß folgt.) Licht- und Schattenbilder aus der jüvischen Geschichte der Gegenwsrr. Die Zudenemaneipatio» in Holstein. .(Schluß.) Oder benutzen sie ihr gutes Recht vielleicht nur nicht, wie wir—unsere armen Auswanderer hangen sich wie Kletten an sie, um ein wunderbares Glück zu genießen! Und sehen Sie , das Nichteinwandern wird dort nun von uns eben so wenig Jemand verlangen wollen, als wir es jetzt hier in Europa von den Juden verlangen können, daß sie wieder nach Kanaan gehen sollen. Oder wir müßten denn, nach derselben Billigkeit, ihnen ihr altes Land von Eroberern frei machen und sie dort wieder einsetzen, nach welcher wir den Griechen zu Hülfe kamen, um ihnen aus unserer Mitte zugleich auch einen König zu gebend Warum thun wir. das denn nicht, wenn uns die Juden so entbehrlich sind? Ich begreife übrigens nicht, wie ein praktischer Jurist auf den obigen Satz kommen'konnte, der fürwahr keine Spur von Scharfsinn verräth. — Auch aus dem weiteren Gedankengange ergiebt sich, daß es nach der Ansicht des Verfassers das Räthlichste und Zweckmäßigste wäre, die Juden nur gradeswegs fortzujagen, denn er sagt: „weil sie hier sind, so meinen sie, muß man sie nicht allein hier lassen, sondern ihnen noch dazu Alles einraumen, was nur einzuraumen ist. Quelle impertinence! Wären die Zigeuner ein Schachervolk gewesen" — doch ich will das cholerische Gewäsch nicht weiter abschreiben. Man weiß wirklich nicht, welchen Standpunkt man hier gegen Herrn Witt einnehmen oder auf welchem man ihn aufsuchen soll, da es haarscharf zu sehen ist, daß dieser ein sehr niedriger sein muß. Man schämt sich vor sich selbst, daß solche Worte gegen die ganze Masse israelitischer Glaubensgenossen ausgestoßen werden, und muß 'zweifelhaft fein, ob man den Verf. noch als einen Gebildeten , viel weniger als einen Schriftsteller, der sich vorgenommen hat, über die Iuden - Emancipatlon zu schreiben, betrachten darf. Wir wollen aber einmal den Ausdruck „Schachervolk" festhalten, welcher nicht allein für den. Verf. sehr bezeichnend ist, sondern auch die Richtung und das Ziel angiebt, wonach er seine Blitze schleudert.' Man merkt/ es ist damit auf die unglückliche niederste Elaste der Juden abgesehen, die von jedem anderen Mittel der Ernährung, von jedem möglichen Gewerbe ausgeschlossen, ihr unglückseliges, wehmüthigek „Handle! Handle!" von einem Lage zum andern , in Regen und Wind durch die Straßen hinruft, um mühsam und beschwerlich ihr gedrücktes Leben, zu fristen. Wahrlich, man muß dem Verfasser nicht allein wenig Verstand, sondern auch gar wenig Herz zutrauen, wenn er darüber radotirt und diese Situation für ein Glück hält, warum die Juden nicht fort wollen, — daß ich die albernen Worte noch einmal wiederhole, — und sich wie Kletten an uns hangen. Darum! Ja, es ist unsäglicher Weltschmerz — über den er doch auch gelegentlich einmal seine witzig sein sollende Bemerkung macht — der aus der Brust des armen gebeugten Juden, des ewig wandelnden, hervorkeucht, der ihn durch Kälte und Regen peitscht, um dem behaglich und ruhig am Fenster sein nährendes Gewerbe treibenden Christen die zitternde Hand entgegenzustreckcn und noch einmal seufzend zu rufen: „Handle!" Kennt Herr Witt nicht das Weh und Unglück, aus seinem Vaterlande vertrieben worden zu sein? Hat zur Zeit nicht ein einziger Pulsschlag seines Herzens dem Finis Poloniae! den Tapferen von Ostrolenka gegolten? Weiß er nicht von den unglückseligen Tagen, da die Juden an den Gewässern zu Babel saßen, ihre Harfen an die Weiden hingen und weinten? Und doch waren es keine achtzehnhundert Jahre, doch wandelte noch nicht die schmerzhaft durch die Wüsten heulende Sage vom ewigen Juden auf der Erde! Herr Witt führt einmal Dahlmann an; har er wirklich unter ihm und ferner nicht Phrasen-gelernt, sondern -Geschichte, Geschichte und ihre bedeutsamen Mysterien der Hand Gottes studirt? — Unmöglich, denn sonst könnte ec nicht-wie Buben über den heiligsten Ernst eines Lebens sein Gespötte machen. . Doch ich will dieses fahren lassen, ich will nicht mit der Natur und Vorsehung rechten, welche dem Herrn Advokaten