Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
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- 4das Hep-Hep dort die Runde gemacht, ja logar zu mllitairischem Einschreiten Veranlassung gegeben. Begann man ja in einer-freien Stadt eine neuere Epoche damit , die Juden aus den Kaffehäusern zu werfen! Wucher und Lrödelhandel waren die einzigen Erwerbzweige der meisten deutschen Juden zu einer Zeit, -wo ihre Gtaubensbrüder reichbeladene Handelsschiffe den Ocean durchschnitten. So mußte der deutsche Jude sich in sein Kämmerchen zurückziehen; das Forschen im Buche seines Glaubens war der einzige Trost für -seine Leiden. Und diese Forschung, sie wach sein Glück in späterer Zeitz sie^rßard der Grund seiner wissenschaftlichen Ausbildung, der Reform des Gottesdienstes. Glorreiches hat er auf diesem Felde nicht für sich allein Md für seinen Geist geschaffen, nein, er hat dadurch auch die Feuerprobe seiner moralischen Tüchtigkeit dem Staat abgelegt. Daher kam es mnd kommt es noch, daß die Gegner der Emancipation in Deutschland "(wonach in England kern Mensch gefragt hat, weil alles Dies außerhalb der Regierungssphä're liegt) durch, jüdische Schulen und jüdischen, geregelten Cultus zur Nachgiebigkeit bewogen werden, abgesehen davon, daß die meisten Staaten diese Erfordernisse als conditio sine qua non zur Emancipation, auch nur' zu dem geringsten Fortschritte zu derselben verlangen.. Der deutsche Jude mußte daher diese Ausbildung über Alles setzen, und wohl ihm, daß er es konnte. Wohl ihm, daß die Reform im Gottesdienste sein Losungswort geworden, die dem Engländer dagegen nicht nur als Nothdurft nicht erscheint, sondern vielleicht, falls sie nicht ist größter Ruhe und ohne gefährliche Spaltungen zu erregen, wie dies leider heutzutage. dort der Fall, vor sich geht, schädlich werden kann. Denn dieser Zwist würde dem britischen Juden das angedeutete, hoher noch als die Reform stehende Ziel entrücken, zu seinem eignen, zu seiner entfernten Glaubensbrüder Unglück. Hat ja in Deutschland die im „Tempel" vorgenowmene Radicalreform im. zweiten Jahrzehend . unsers Jahrhunderts,. besonders aber die übertriebene Pröjectmacherei im Anfänge desselben, die innere Kraft des Judenthums zeitweilig geschwächt,, den Jndifferentismus mittelbar gepflegt, ja selbst die Taufe herbeigeführt. Um wie viel leichter wäre dies in Großbrittannien möglich, in des' ätherischen.Missionsgeistes Heimat, wo englisches Gold, die Jntrigue und die schwache Anzahl der Juden, die selbst wieder in zwei verschiedene Synagogen, wenn auch nicht Sekten zerfallen, die baldigste Zersplitterung zur nothwendigen Folge haben.müßten. ),Das soll doch nun und nimmer seyn!" rufen wir dilhec mit dem Lebendigen aus. Wo dem ganzen Körper der Stoß droht., da wende man alle' Kraft an, jenen abzuwehren, und denke zuletzt, wenn die Gefahr vorüber, daran, ein wundes Fleckchen zu heilen. Nur durch die entgegengesetzte, vom Sultan Mahmud befolgte Praxis ward die heutige Entnervung des osmanischen Reichs herbeigeführt, der theure Preis, um welchen er das von ihm gestreute Samenkorn europäischer Cultur erkaufte, zu einer Zeit., wo der Staatskörper an Arm. und Bein gekürzt und an der Ferse schon vom listigen Nachbar verwundet war. . Das diene dem Judenthume zum warnenden Beispiel! Endlich konnte und durste Deutschland den ersten Schritt in der damastener Asfaire, die der Diplomatie zunächst Gestellten ausgenommen, nicht wagen. Das erstere nicht, weil große Versammlungen dort nicht so gang und gäbe sind; das zweite noch weniger, weil, wie schon erwähnt, namentlich in Deutschland, über jüdische Nationalität ein Charivari erhoben worden wäre, statt der christlrcherseits in England bei dieser Gelegenheit angestimmten Serenade. Was also in Deutschland nicht möglich war, das geschah in England. Es konnte dort geschehen; aber Anerkennung verdienen sie in hohem Grade, die Anstrengungen der edeln Briten, des hochherzigen Sir Moses vor Allen, nicht weil er es wagte, übers Meer zu setzen, nein, weil er es zeigte, wie man auch im 19. Jahrhunderte für seine entfernten Brüder fühlt, weil dieses Gefühl, sich deutlicher offenbarte als in einem traurigen Blick auf das Blatt, welches die traurige Kunde nach Europa brachte, deutlicher als m einem der Presse übergebenen Artikel, auf welchen mehr als Ein warmer Vertheidiger seiner Gtaubensehre anderwärts, sich, beschränken mußte.' Edel aber wie seine That müßte auch der dafür gezollte Dank seyn, er bestehe wedep in einem Pocale, noch in einer Riesenadresse, sondern einfach in den Worten: „Man hege das Vertrauen zu ihm, daß er, im Vereine mit seinen gesegneten englischen Mitbrüdern, die jüdische Sache zu unterstützen nie aufhören werde, daß er der Wächter ihrer Ehre werde, der Beschützer ihrer Anhänger, wo und wie sein Privatstand es ihm immer erlaube." Das Letztere dürfte gar Manchem zu emphatisch klingen, und gerade Das ist das Ziel unserer Darstellung. Es sind zwei große Strebepünkte, zwei Fragen, welche beide in England schon, wenn auch nur leise, angeregt worden , beide gleich große Aufgaben unserer Zeit. Um dem Juden im Oriente. Sicherheit und die Früchte europäischer Cultur für ihn dort zur Reise zu bringen, auf dem Conrinent aber bürgerliche Gleichstellung der Juden, ihre vollkommene Aufnahme in den Staatsverband überall ins Werk zu richten, sie nicht blos als durchgesprochene These betrachten zu lasten, bedarf es einer jüdisch-englischen Mission in Syrien und eines englischeuropäischen Vereins zur Emancipation dchJuden. L. A. Z. Frankr eich. Strasburg, 1841. (Arch. Jsr.) Consistorial-Ausschuß der Gesellschaft für Unterstützung und Aufmunterung der Israeliten. Die Gesellschaft für Aufmunterung in Strasburg hat eme jährliche Einnahme, welche sich auf mindestens 6000 Frank! beläuft; sie veröffentlicht ihre Rechnungen jährlich ebenso wie die Gesellschaft zu Metz. Dieselbe zu Paris liefert jährlich beinahe 40,000 gr. und dennoch veröffentlicht sie ihre Rechnungen erst alle zwei Jahre. Vermindert sich die Nützlichkeit dieser Rechnungen mit der Wichtigkeit, mit der Größe dieser Einnahme? In meiner Unwissenheit, glaube ich das Gegentheil; je größer die Summe ist, welche man uns anvertraut, desto dringender ist es, die Anwendung derselben bekannt zu machen. Es ist, sagt man, um die Kosten der Bekanntmachung zu ersparen, welche den Armen zur Last fallen würden, daß man sich mit -zweijährigen Abrechnungen zufrieden stellt; nichtssagende Oeeonomie, welche gänzlich die Vortheile vernachlässigt, die eine größere Oeffenrlichkeit auf die Handlungen der Gesellschaft ausüben würde. Es kann hier nicht die Rede von der Rechtlichkeit der Verwaltung sein. Die Zusammensetzung des Directoriums ist eine'Garantie, welche ein unbeschranktes Vertrauen einflößen muß, selbst wenn sie gar nichts veröffentlichte! Im Juni 1839 machte' die Consistorkal-Versammlung einen vortrefflichen Bericht über> die Arbeiten des Jahres 1838; die Arbeiten von 1839 u. 1840 sind der Gegenstand eines einfachen Circulairs von 6 Seiten, datirt vom 15. August 1841. Die erste Zeile enthält das Zeugniß, welches sich das Comite giebt, „das Möglichste gethan zu haben,^ indem sie die Edelsten unterstützten, eben so wohl empfingen die verschämten Armen verhältnißmäßig mehr als diejenigen, welche dafür bekannt sind, ein Geschäft vom Betteln zu machen. Ein solches Geschäft ist durch das Gesetz verboten , und ich glaube daher, daß diejenigen, welche auf solche Weise bekannt sind, anstatt verhältniß-