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Der Orient · 1842-01-01 · Heft 1 (1.1.1842) · p. Seite 3

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 1 (1.1.1842)
Date
1842-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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- 3 ■ — des Staats ihn nicht bewacht. . Sein Glaube verbietet ihm den Eid beim Crücifix, darum kennt er keinen Aldermann aus seiner Mitte; er entschädigt sich-durch den Sheriff.'Ihm wird kein Ehrensitz im Unterhause zu Kheil, aber actives Wahlrecht ist ihm gestattet, und das Gesetz bevollmächtigt ihn, offene Schritte zu thun, um seine.Kandidaten zur Macht gelangen zu lassen und durch sie und mit ihnen das Mangelnde zu ergänzen. Das hat Isaak- Goldsmith durch den Aufruf an die Wischen Wähler in Betreff Lord I. Ruffell's bethätigt. Und keine Stimme in der ersten Session der Toryregierung darf es wagen,-ihn zu verdammen oder deshalb zur Rede zu setzem Nicht der englische Jude trägt ein gelbes Fleckchen. Er ist nicht mehr und nicht weniger als ein Dissenter. Wie diesem waren auch ihm die Hörsäle Oxfords und Cambridges verschlossen. Weide mußten sich vereinigen und die „London rlniverstty" gründen. Ein Goldsmith .war wiederum nicht müßig; er beförderte, beschleunigte die Gründung durch eine Actienzeichnung zum Belauft .von 20,000 Pf. St. Noch mehr! daß eben das Walten der Hochkirche nur und das. ccmsortable Resormprincip es ist, welches dm Höhepunkt der Emancipation Erstrebenden Hindernisse in den Weg legtder eigentliche Volksgeist aber in der höhern und niedern Region, die sogenannte öffentliche Meinung, dem- Juden, als solchem, nicht gram ist, wird daraus klar-, daß Trümmer verfallenerVorurtheile nicht immer aus dem Schutt von neuem hervorgezogen werden, um.ein neues Denkmal der Intoleranz daraus zu errichten. . Nicht allein giebt der unermeßliche -Reichrhum Wischer Häuser hier keinen Anstoß, wie dies in Deutschland so oft der Fall ist, nicht allein versucht man es nicht, einzelne Momente aus dem Leben der Juden zu reißen, Anekdoten auszukramen, um sie als Bollwerk gegen die Forderungen der Letztem aufzusühren: nein,, man läßt selbst ihr nationales' Leben, um mit'einem Ausdruck das Ganze zu bezeichnen, ungestört, d. h. man läßt, sie wirken für. das Wohl ihrer Glaubensbrüder in entfernten Ländern, ohne diesen Bestrebungen schiefe Absichten gegen den Staat uuterzulegen, ohne zumal, den Ausdruck „Staat im Staate" als willkommene Waffe gegen sie zu richten. Weil man dort sich auf die Kunst noch nicht versteht, aus dem Glauben des Individuums, seiner 'Eigenschaft als Staatsangehörigen und seinem Wirken für die Menschheit einen politischen Brei zu bereiten, spricht nicht das' Parlament' allein, spricht -auch der Jude von einer htbrew Nation. So konnte Montesiore Versammlungen und Reisen anstellen nach dem fernen Oriente, Folterbande bedrängter Brüder lösen, ohne durch die Furcht sich beängstigen zu lassen, daß die bürgerlichen Fesseln seiner englischen Brüder darum fester zugezogen würden. Meetings christlicher Menschenfreunde votirten ihm noch obendrein ihren Dank, und der Erzbischof von Canterbury, der erste Prälat des Landes, zugleich der consequente Gegner ihrer Beförderung zu..Staatsämtern, erkannte jenes Streben an als menschlich, fromm, eines Briten würdig! Je wehr es nun ernleuchtet, daß die Juden Englands dergleichen Sympathien für ihre entferntem Glaubensbrüder in Zeiten des Raths und der Noth laut werden lassen und durch die Lhat beweisen können, ohne Rückhalt und Furcht vor dem Geschrei über mißverstandene Nationalität, wie es auf demContinente so oft erhoben wird, desto mehr muß es ihnen am Herzen liegen, diese erlaubten Schritte zu thun und Mittel und, Wege zu finden, hier die durch die Gewaltthätigkeit Einzelner herbeigeführte Noth zu mildern,- dort die Regierungen günstiger für sie zu stimmen. Nicht zu verkennen ist es mm, daß gar zu manchen Zeiten der englische Jude diese Aufgaben für die seimgen erkannt hat. Durch eclatante Unternehmungen hatderselbe seinen Genossen im In- und Auslande hülfreiche Hand geboten. Schon oben ist der zum großen Theil durch-jüdisches Gold geschehenen Gründung der londoner Universität Erwähnung geschehen. Den orientalischen Juden ist in harter Bedrängniß wiederholt- Succurs von jenseit des Kanals geschickt worden, 'den der letzte zu Damaskus geleistete Beistand am glänzendsten beurkundet. Ein englischer Verein-, Montesiore an der Spitze, sprengte der Gekerkerten Fesseln und wirkte den Hattischerif in Betreff des Rechtsschutzes der Juden aus. Ist dieses Versprechen auch nicht erfüllt worden, und läßt der wiederum getrübte politische Horizont nur trübe* Aussichten für die nächste Zukunft offen: so ist doch der erste mühselige Schritt auf der steilen Bahn gethan worden. Das hat ein englischer Sheriff mosaischen Glaubens vollführt! Mit ihm wirkte freilich ein jüdischer Advocat Frankreichs. Aber bei allem Edelmuthe, bei aller Rednerkraft war es diesem, so scheint es, doch nicht gelungen, in so kurzer Zeit eine Versammlung in seinem Vaterlande zu diesem Zwecke zu veranstalten. Denn wäre dies der- Fall gewesen, er hätte wol seinen Franzosen den Ruhm gegönnt, selbstständig das ersehnte Ziel zu erreichen, ohne seinerseits den Kanal erst überschreiten zu müssen. Und warum war dies weder in dem liberalen Frankreich noch in dem philosophischen Deutschland möglich? Suchen wir dort den Grund nicht darin, daß der französische Jude sich ungern anders als Fran^ais isr-aelitfe/betiteln läßt, und daß er darum mehr Fran^ais als LsraeUte erscheinen mußte. (Der Name juii’ ist dort bekanntlich noch zur Zeit eben so wenig bon ton, als ehedem, und zwar vor der Niesser'schm Periode, in Deutschland der „Jude" einen guten Klang hatte; was auch kein Wunder, da hier den „Juden" zu Ehren zu bringen die Präliminarien der Emancipation bilden muß; wahrend dort dieses Manoeuvre nicht vonnöthen war, weil ein Revolutionsgesetz das Vorurtheil vertilgt hat.) Der Franzose braucht für seine -auf alle Zeiten sanctionirte Aufnahme in den Staatsverband nichts mehr zu fürchten. Und daß er gerade die Kunst versteht, die Viele für unausführbar halten, ein richtiger Franzose und. ein tüchtiger Jude zu sein, davon stellt ja eben Cremieux das beste Zeugniß aus. Nein, der Grund davon' liegt nur in der Art, wie man in jenem Staate leider zu oft mit dem bloßen Gedanken sich begnügt, und die Ausführung mit dem Project identisicirt, in einem Lande (wie der französische'Kämpe für Judenthum und Gewissensfreiheit sich bei einer andern Gelegenheit' gegen mich aussprach), ,>ou chaquc jour voit naitre et mourir tant de projets!" Weit eher noch' ist Deutschland zu entschuldigen. Deutschland, das, wenn man zwischen seinen und den englischen Juden eine Parallele zu ziehen beabsichtigt, grade so viel für die innere Ausbildung, Wissenschaft und Cultus des Judenthums wirkt, als England für dessen Ehre und äußern Glanz. Der deutsche Jude zimmert im Innern seines Glaubenstempels, der englische sorgt noch dafür, daß der Grund desselben nicht erschüttert, daß seine Außenseite nicht befleckt )verde. Und dies ist ihr beiderseitiger Beruf: jeder Schritt, dm sie davon weichen, entfernt sie von dem von der Geschichte ihnen vorgesteckten Ziele. Wenige Worte nur, um diese Behauptung durchzuführen. Nur während des Mittelalters theilen die Juden beider Länder das Schicksal. der Verfolgung und der Ausweisung. Seit der ersten Revolution aber ließ solches in England der freiere Geist der Verfassung nicht mehr zu, und Cromwell schon ward auf die. Juden zu ihren . Gunsten aufmerksam. In Deutschland blieb Mord und Brand noch ihr LH eil bis zum Anfänge dieses Jahrhunderts; aber ist das. von Staats m-»- gen nicht mehr der Fall; so hat doch m neuester Zeit leider ' . i *

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