Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1842)
- Date
- 1842-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
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2 Mauern und Gange weiß getüncht, und das ganze Aussehn weit saubrer als alles, , was ich noch.von östlichem Leben gesehen hatte. Der alte Rabbi trat bald ein, blind auf einem Auge und mit einem langen weißen Bart. Mein Reisegefährte hatte ihn schon im Jahr 1835 hier gesehen. Er war ein österreichischer Ünterthan aus .Venedig , und derselbe alte Mann, dem unser Landsmann'Herr Stephens im Jahr 1836 einen Paß * und Schutz von dem österreichischen Konsul zu Beirut , verschafft hatte. Er schien jetzt für diese Gunst aufrichtig dankbar zu sein, und war froh, einmal wieder etwas von dem Fremdling zu hören, der so fein Wohlthater gewesen war-. * Das Benehmen der beiden Leute war sehr freundlich und ohne alle Afsectation. Scherbet und Kaffee wurde gebracht, und sie drangen in uns zu frühstücken, was wir jedoch ablehnten. Wir sahen hier keine von den jüdischen Frauen,, ausgenommen beim Vorbeigehen an den offnen Thü-ren verschiedener Zimmer, wo sie saßen; sie grüßten uns freundlich. Die, welche wir gestern bei dem Haram getroffen, und überhaupt alle, welche wir bis jetzt in Palästina gesehen hatten, waren weiß gekleidet, — ein langes Stürbdichtes weißes' Zeug' wie ein Schleier ober Shawl über den Kopf geworfen, unter dem Kinnzüsammengezogen, und zu den Füßen yerabhangend. Biele unter den.arabischen Frauen kleiden sich ebenso, wenn sie ausgehen; aber sie tragen einen Schleier, um ihr Gesicht zu verbergen, was die Jüdinnen nicht thun. Die letzteren haben ein hübsches und einnehmendes Ausfthrr. In der That scheinen die Juden in Hebron, was ihren allgemeinen Zustand von Betriebsamkeit, Reinlichkeit undc Wohlstand-, betrifft, weit besser daran zu sein,, als ihre Brüder in Jerusalem oder anderswo im heiligen Landes, Als wir im Begriff waren, Abschied zu nehmen- 'führten uns' die beiden Rabbi's aus eignem Antriebe m bieunter demselben Dach gelegene Synagoge. Es istr^in ärmliches, aber sauberes, mit Banken versehenes Zimmer; es. war setzt eine 'Schule von sechs oder acht , Knaben darin.. Die Handschriften des alten Testaments 'werden in zwei Wandschränken an jeder Seite aufbewahrt. Sie sind auf lange Pergamentröllen geschrieben,, m an jebem ein Stab befestigt ist, so daß sie, je nachdem Jemand liest, rückwärts oder vorwärts gerollt werden können, da die Columnen auf der' Lauge der Rolle perpendiculär stehen. In dem ersten Schrank " waren sechs oder acht in. aufrecht stehenden Futteralen 'eingeschlossene Handschriften.' Die Stabe sind oben und unten im. Futteral in Löcher eingesteckt- und gehen bis oben^ hindurch/ wo sie mit großen, 'messt, fest" gemachten silbernen Knöpfen verziert ssind. Die Rollen werden gelesen so wie sie in den Futt'eralen stehen, ohne aus dem Schrank herausgenommen Zu wer- 1) incidents of Travel in Egypt. etc. II. p. 167 sq. den, indem die Handschriften von einem Stabe zum andern, je nachdem man weiter fortliest, abgerollt werden, da die Stabe mit den aufgerollten Theilen weit genug auseinander sind, um einer Columne dazwischen Raum zu lassen. Der andere Schrank war auch voll von Rotten;^ einige derselben lagen in übersilberten oder mit Stickerei verzierten Futteralen. Diese'waren, wie uns gesagt wurde, Geschenke von wohlhabenden Juden in Europa. — Wir nahmen Abschied von diesen freundlichgesinnten Männern mit Gefühlen von Achtung und waren durch unfern Besuch sehr befriedigt." Großbritannien. London/ 9. Deebr. „Rule Britamiia, rule the waves j" so beginnts, das Volkslied voll Geist und Kraft, vom übermüthigen Lord bei seinem üppigsten Festmahl eben so' lustig angestimmt wie vom halbnackten Matrosen, wenn er die Schiffsjacke anzieht und mit frischem Muthe das offene Meer begrüßt. Der Lord freut sich des starken Oberhauses, .und dehnt er sich auf seinem Wollsacke, so suhlt ers wohl, daß die Wellen, die sein Vaterland rings umrauschenden Wellen dm Grund seines Reichthums und der Größe seiner Heimath ' gelegt haben und noch (egen. Der Schiffsjunge freuet sich .fernes- Elementes, und der Zwieback schmeckt ihm der dem Liede. Er weiß es wohl: English never shall be slavest Dafür hatdie Magna Charta zum Lherl, später dieHäbeas- Corpusacte gesorgt; die Reformbill ergänzte diese, großen . Gcfttzeöpfeiler, und manches Gesetz künftiger Zeiten wird noch das Seinige hinzufügen. Das Meer, welches dieses Eiland gebildet, gab ihm Schätze und Macht. Und ist die englische Faust geschwächt , so legt man doch die Hände nicht in den Schoos, die Ausdauer fehlt noch nicht, und um inzwischen die Zeit zu vertreiben, benutzt man noch obendrein die immer bereite Waffe, die Jntrigue. Schlagen alle Mittel fehl, dieses seine Gespinnst überdauert alle Gefahren. Mag je nach dem Namen der Regierung, welche am Staatsruder sitzt, Whig- oder Lorypresse Lärm schlagen und John Bull als am Rande des Abgrundes stehend darstellen: der Engländer ist frei, und Albion ists nicht minder! Und. alle seine Kinder singen daher jenes theuce Patriotenlied. Alle, ob auch seine Iuden?'Gewiß! Siemögens auch mit Fug und Recht! Dürfen sie auch vollkommener Gleichstellung im Staate sich nicht rühmen,, sie wissen dagegen, daß das Princip derselben nicht dem englischen Staat angehört. Sie dürfen mit Sicherheit Hoffen, daß die' Zeit ihrer Bemühungen Früchte zur Reift bringen wird, obschon mit derselben Langsamkeit, welche ihre Minuten zählt von Session zu Session, und deren Pulse wegen der Stanley-, Londonverry- und Consorten Herrschaft oft Jahre lang stockten. Sie wissen es, daß nur zwei Jahre in Englands neuester Geschichte eilfertig politische und religiöse Freiheit für die ganze Welt einführen wollten, daß aber bie- Parze, welche Canning's Lebensfaden zerschnitt, es anders wollte. ■ Einmal also, John Bull's Behäbigkeit, dann das hochkirchliche System,^endlich die Geschiedenheitder Stände, selbst die Jnconftquenz in der Besetzung der Municipalgegenüber den Richterstellen sind zusammen im. Stande, den ■ Juden, glauben zu machen, sein Vaterland behandle ihn doch .nicht so stiefmütterlich. Seine Rabbiner sind nicht öffentliche; Beamte, sind keinem Cultusmimsterium unterstellt, weil es j kein solches gibt. Aber ftin Cultus ist nicht minder stei, ja ' freier als in irgend einem europäischen Lande, weil das Auge