Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 713 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Strenggläubigkeit und Volkstum. 713 eigenen Maßgebenden in der gläubigen Ostjudenheit sollten sie nicht endlich selbst einmal diese Gelenkigkeit zu erhalten suchen, sollten sie nicht endlich einmal sich recken und ihre Kraft fühlen, das Mißtrauen in eigenes Können und die verschiedenen Vormundschaften abschütteln und sich und der Thora die beherrschende Stellung in Israel wieder zu erobern trachten? Es ist die höchste Zeit. Im besonderen auch in Hinsicht auf das heilige Land. Solange es sich im großen und ganzen nur um das Streben nach Palästina handelte, war die Zurückhaltung der Strenggläubigen bedauerlich und bedenklich genug. Aber diese Bedenklichkeit bedeutet nichts gegen die Gefahr, die sie heraufbeschwören, wenn sie dieselbe Zurückhaltung auch noch jetzt an den Tag legen, da es sich allem Anscheine nach bald um ein Streben in Palästina handeln wird. Jetzt ist es gleichgültig, wer in dem Meinungsstreit Hecht hat, ob der Zionist, der das Land zum Mittelpunkt jüdischen Seins macht nnd sich goldene Berge von ihm verspricht oder der Gläubige, der in der Lehre den Mittelpunkt sieht und in dem, was er von der Großkolonisation erwartet, nicht so weit ausgreift. Jetzt heißt es im Tun Recht behalten. Jetzt gilt es zu verhindern, daß das Land Israel, für dessen Besiedlung man auf unsere gläubigen Massen angewiesen ist und sein wird, das Grab ihrer Frommheit werde. Jetzt gilt es das Ungeheuerliche verhüten, daß das Land unserer großen Liebe, das heilige und uns verheißene Land eine Stätte wirtschaftlicher nnd nationalpolitischer Unrast und gemütloser oder ״gemütlicher“ Ungläubigkeit werde, statt ein Land zu werden, in dem jüdische Menschen in stiller friedlicher Arbeit und in innigster Hingebung an Gott und seine Lehre dem ״Ende der Tage“ entgegenreifen. Jetzt müssen wir uns richten, damit uns der Augenblick der beginnenden Großkolonisation, wenn er wirklich eintritt, nicht nur in vollem Bewußtsein seiner Feierlichkeit und unserer Verantwortung, sondern auch in voller Bereitschaft finde. Jetzt müssen wir endlich einen Großteil unserer gesamten und