Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 710 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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710 Strenggläubigkeit und Volkstum. Stellungen bestimmenden Einfluß unserer Umgebung entziehen können. Wir sollten nicht vergessen, daß Kunst in erster Linie ein Subjektives, ein Können ist, das der Allgütige in jedem Volke auf seine Begnadeten streut und daß es solcher Begnadeten auch in Israel gibt, die nicht ruhen können, bis sie diese Gnade in Werke umsetzen. Wir sollten uns gegenwärtig halten, daß, wenn es die Freigeister, die Modernen, die Umgebungsmenschen unter ihnen in der Weise der Umgebung tun und tun müssen, damit noch nicht gesagt ist, daß es die frommen nicht in frommer Art und ohne Verstoß gegen die Vor- Schriften des jüdischen Gesetzes tun können. Wir sollten doch nicht selber verhindern, daß sich ihrer ״Kunst für die Kunst“ eine Kunst für Gott, ihrer Kunst der Sinne eine Kunst des Geistes, ihrer Kunst als eitler Herrenlaune eine Kunst demütig leidenschaftlicher Anbetung vor dem Schöpfer, ihrem in Zer- Splitterung schaflenden Weltrausch eine in Sammlung schaffende Gottrunkenheit gegenüberstelle. Wir sollten doch selbst mit aller Innigkeit unseres Glaubens darum beten und ringen, daß unserem Volke eine solche große nationale Kunst werde — im Dienste dessen, der uns auserwählte. Und in diesem Beten und Bingen sollten wir uns doch nicht fürchten und nicht erschrecken,, wenn 'neben uns unsere Brüder, die nicht so^ glücklich sind, sich als ihres Gottes folgsame Kinder zu wissen, aus ihrem Können und ihrem Volkstum im großen und ganzen nicht mehr hervorbringen, als eben noch eine Spezies jener Kunst, die wir nicht mögen. Und brauchen, sofern darin doch manches Beine und Hohe hervorsprießt, uns nicht scheuen, es mit Dank zu genießen. Nur wenn wir sie in den Hallen der Kunst allein lassen, können sie die Schlaffen unter uns ver- .wirren. Nur wenn auch wir eintreten, um dort unser Werk zu tun, können sie für uns harmlos werden. Sicherlich ist יפה תלמוד תורה עם דרך ארץ eine große Wahrheit.. Aber wir müssen uns doch auch darüber klar sein, daß der דרך ארץ, mit dem sich die תורה verbinden soll, nur ein solcher sein darf, der ihr nicht widerspricht, daß also ein דרך ארץ, ein aus Wirtschaffcsbetrieb, Kunst und vor allem Sitte be-