Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 707 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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Strenggläubigkeit und Volkstum. 707 heruntergehen, bei dein das Wesen der Volkstreue zu schmelzen beginnt. Wir dürfen auf dies, auf jenes verzichten, dürfen vertagen, bis an die äußerste Grenze Geduld üben. Doch niemals uns verleugnen! Wenn es dem Allmächtigen gefallen hat, uns zu einem Volke zu machen und als solches uns auszuerwählen, dann darf er für uns nichts geben, was dem. Abfall von unserem mit dem Gottesgesetz unlöslich verbundenen Volksein rechtfertigen könnte. Dann dürfen wir auch im Falle äußerster Gefährdung unserer Personen und Güter nicht von ihm abrücken, sondern müssen es unter allen Umständen frei und offen bekennen. Über die Gefahr selber aber wird uns ruhiges Gottvertrauen und ruhige gesammelte Kraft hinweghelfen. Das gilt natürlich auch im Besonderen für den ernstesten Fall, mit dem wir es zu tun haben, für den polnischen. Mögen sich diejenigen, die ihn durchaus aus westjüdischem und deutschem Erfahren und Erleben heraus behandeln wollen und dabei die Naivität ostjüdischer Freunde sich dienstbar machen, gesagt sein lassen: Wehe uns, wenn wir vor dem blinden unvernünftigen Hasse des polnischen Volkes zurückweichen; wenn wir, statt uns in die Schule unseres eigenen Willens zu nehmen, in die Schule seines Willens, des sinnlosen, gehen; wenn wir, statt — im Vertrauen auf Gott, unserer Ausdauer und unserer Klugheit — auf unserem Hechte zu bestehen, uns der Schulung der Polen fügen! Nicht um ein Haar werden wir sie damit uns geneigter machen, nicht um einen Schatten werden wir die Gluten der Hölle, die sie uns bereiten, dadurch lindern. Nicht um ein Kleinstes wird dadurch unsere Jüdisehkeit in ihrer ״Hut“ mehr gesichert sein. Wehe uns, wenn wir so fortfahren, wie wir angefangen haben: Wenn die Bündnisse frommer, chassidischer Juden mit den erbittertsten inneren Feinden jüdischer Gläubigkeit und jüdischen Volkstums, wenn die Verbeugungen vor den erbarmungslosen, polnischen Entehrern des jüdischen Namens nicht bald ein Ende nehmen; wenn unsere jüngeren Leute, die gerne im Vollsein des Wortes Juden bleiben möchten, noch weiter in hellen Scharen in ein 47*