Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 704 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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704 Strenggläubigkeit und Volkstum. Und wenn wir das nicht zustande bringen, so ist dies nicht ihre, sondern unsere Schuld. Und diese Schuld wird wahrlieh nicht dadurch geringer, daß sie aus zorniger Vernachlässigung einer der größten מצית stammt. III. Wir überlieferungstreuen Juden müssen selbstverständlich wenn es ־ sich darum handelt, jüdische Volksrechte in den Ländern mit jüdischen Bevölkerungen auszuniitzen, in vielem andere Wege gehen, als jener Nationalismus, dem das religiöse Urgut des jüdischen Volkes eine quantite negligeable ist. Ja, schon bei der Erzielung der Volksrechte müssen wir auf manches acht haben, worauf die weltlichen Nationalisten nicht zu achten pflegen. Aber wir können doch nicht einfach hingehen und auf Hechte verzichten, die sich einerseits aus der Tatsache unseres volkiiehen Sonderdaseins andererseits aus besonderen Bevölkerungs- und Ansiedlungs- Verhältnissen ergeben und auch für die Ungestörtheit unseres Glaubenslebens von nachhaltiger Bedeutung werden können. Wir hahen sicherlich alles Interesse daran, daß die Behauptung unserer volkiiehen Existenz zwischen den Völkern nicht in eine öde Politisierung der jüdischen Massen ausarte. Aber wir besitzen doch auch in unserer Thora-Ergebenheit ein Gegengewicht von solcher Stärke, daß wir fürwahr nicht auf den verzweifelten Gedanken kommen müssen, uns gegenüber der Außenwelt einfach die Hände zu binden. Vor allem aber geht es auch nicht an, an die Fragen einer selbständigen jüdischen Volkspolitik mit den Voraus- Setzungen heranzutreten, die wir etwa vom Westjudentum her haben. Wir werden hierdurch schon in der Auffassung der Grundbegriffe irregeführt: Was in Wirklichkeit nichts anderes als Niederschlag der in assimilatorischer Richtung verlaufenen westjüdischen Geschichte in unseren Köpfen ist. erscheint uns dann leicht als allgemein gültige Verhaltungsnorm für Juden. Unser eigener Anteil an einer blutleeren, sozusagen entleibten Judenheit wandelt sich für uns in ein religiös-sittliches Muß für alle Juden. Ebenso wird unser