Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 703 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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Strenggläubigkeit und Volkstum. 703 daß sie schon mit verdünnter Gläubigkeit und gerade ob dieser Verdünnung zu den Zionisten gegangen sind, daß sie am Ziogpsmus nicht der Gehalt anzog, der auch uns. ja uns erst re<fhtj heilig ist, sondern gerade der. der uns abstößt? Kann j^Sand glauben, daß. wenn von unserer Seite eine begeisterte, großzügige und weitblickende Palästina-Arbeit geleistet worden wäre, die Leute, die heute Misrachim sind, sieh gerade auf die Gefolgschaft bei den ihnen wesensfremden weitliehen Zionisten versteift hätten und nicht lieber zu uns gekommen wären? Ja. daß, wenn wir unser Zionswerk heute begännen, sie nicht auch noch heute in hellen Haufen und froh, wieder in engerem Verbände mit seelisch Gleichgerichteten Zusammenarbeiten zu können, zu uns herüberkämen? Dabei sind die Misrachim lange nicht die einzigen Gläubigen, die in die zionistischen Reihen eintreten. Es gibt — insbesondere im Osten, wo Gläubigkeit bei den großen Massen doch noch immer so ziemlich selbstverständlich ist — tausende und abertausende fromme Juden, die gar nicht die misrachische Zwischenstufe benützen, sondern geradeaus der zionistischen Organisation beitreten und dann die Verdünnung ihrer Gläubigkeit noch häufiger und rascher erleiden, als wenn sie Misrachim geworden wären. Auch sie wären bei voller Jüdischkeit zu erhalten gewesen, wenn ihnen Gelegenheit geboten wäre, ihren Eifer für Palästina unter gleichgesinnten Gläubigen zu betätigen. Und ebenso würde auch heute die gleiche Gelegenheit uns Tausende solcher Leute zurückgeben, die wir jetzt sozusagen bei lebendigem Geiste verfallen sehen müssen. Nein, wir haben wirklich kein Recht, uns über die Zionisten zu beklagen. Wenn sie durchaus ein Judentum mit der Gotteslehre an der Peripherie statt im Zentrum haben wollen und auf dem Wege zu diesem Ziele schon erhebliehe Erfolge errangen, so ist dies ihre Sache. Aber unsere Sache ist es. unser Judentum, das Judentum der Überlieferung zu erhalten und darauf zu achten, daß wir nieht solche, die eigentlich zu uns gehören, an sie abgeben.