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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 700

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 700 (sequence 92)
Language
German
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700 Strenggläubigkeit und Volkstum. Gewiß, wir dürfen auch zur Erhaltung unseres Volkstums nichts tun, was wieder nach der inhaltlichen Seite dem göttlichen Plane, unserer besonderen Aufgabe, unserer uns auferlegten Welteinsamkeit widerspricht. Wir dürfen nichts tun, was den Mittelpunkt unserer Volksexistenz vom Geistliehen ins Weltliche rückt. Wir dürfen unsere Herzen nicht an Macht und Geltung um ihrer selber willen hängen. Aber wir müssen uns soviel Macht und soviel Geltung verschaffen, als nötig sind, um uns unter den Völkern nicht nur mit unseren kleinen Personenexistenzen, sondern auch als Volk d. h als die Voraussetzung und der Gegenstand der göttlichen Wahl zu behaupten. Wir sollen uns hüten, nach dem Beispiel der Völker nationalistisch zu sein. Aber wir müssen alles Erlaubte ^anwenden, um Nation, um Volk zu bleiben, vor allem alles vermeiden, was einem gänzlichen oder teilweisen Verzicht auf unser Volksein gleichkäme. Und wir vergeben unserer Gottesvolkschaft nichts, wenn wir unsere Beziehungen zu den Völkern, unsere Forderungen an sie auf die bei ihnen gangbaren Begriffe einstellen. Sicherlich ist unser Volk ein Volk besonderen Inhalts oder sagen wir, des Inhalts schlechthin. Und es ist kein Zweifel, daß, wenn es um diesen Inhalt geht, wir uns hüten müssen, ihn gleich unseren jüdischen Nationalisten aufzugeben. Aber wenn es sich gar nicht um den Inhalt, sondern um Geltungsformen, um den irgendwie offiziellen Rahmen handelt, innerhalb dessen sich die Völker begegnen und auseinandersetzen, dann gibts nichts anderes zu hüten als die Möglichkeit sich durchzusetzen. Dann richtet man sich einfach auf die gegebenen Formen, auf den gegebenen Rahmen ein. Dann * spricht man bei den Verhandlungen mit den Völkern so, wie sie gewohnt sind, daß man mit ihnen spreche, wenn es sich um nationale Fragen handelt, d. h. in der Sprache ihrer Denkgewohnheiten und Einrichtungen. Gewiß, wir sind Religion und Volk in einem. Der ganze, in der Vorstellungsweise der christlichen Völker sieghafte und geradezu als Errungenschaft und Erleuchtung

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