Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 698 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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698 Strenggläubigkeit und Volkstum. "״ פיweil“ ist hier überhaupt nicht am Platze“, während Hitzig und Knobel es bekräftigend mit ״Ja“ übersetzen. Und da auch damit kein rechtes Verständnis des Verses erreicht wird, hilft sich Levy wie auch schon Franz Delitzsch, der in unserem Verse nur denselben Gedanken wiederfindet. den Euripides im Hippolytos und ganz ähnlich auch in Iphigenia in Aulis ausspricht: vap סד?.eucoeiv. Die Stelle gewinnt aber einen brauchbaren Sinn, wenn man in V. 7 den ersten Teil konzessiv, den zweiten als rhetorische Frage nimmt, was grammatisch wohl zulässig sein dürfte. Demgemäß ist zu übersetzen: mag auch süß sein das Licht, ist es denn aber gut für die Augen, die Sonne selbst zu sehen? Darum nicht einfach דזמנלעו, sondern ארז דלפיבלכז. Hiermit soll nämlich die Lebensregel: ne quid nimis belegt werden, die schon V. 4 ausgesprochen ist. Für die Aussaat ist Windstille, die die .ausgestreuten Körner nicht wegweht, ebenso das günstigste Wetter, wie wolkenloser Himmel am besten zur Ernte paßt. Wer aber darum mit beiden Tätigkeiten bis zum günstigsten Augenblicke warten wollte, käme nie zum Ziele. V. 5 schärft demgemäß ein, Gott anheimzugeben, was nicht in unserer Macht steht, und (V. 6) jederzeit das Menschenmögliche zu tun. Hierzu paßt gut (V. 7) die Sentenz ne quid nimis. Denn (V. 8} ״wenn auch viele Jahre der Mensch lebte, wird er denn in allen (wie das wohl seinem Wunsche entspräche) sich freuen?“ Eine solche Gestaltung des Menschenlebens ist ausgeschlossen. ״Er muß doch an die Tage der Finsternis denken, denn sie werden zahlreich sein״. Aber auch in der Beachtung der trüben Schicksals tage muß der goldene Mittelweg eingehalten und die Genußfähigkeit zur rechten Zeit (V. 9) ausgenutzt werden, denn ein Verfallen in eines der beiden Extreme verlangt Rechenschaft vor dem himmlischen Richter. Strenggläubigkeit und Volkstum. Von Dr. Nathan Birnbaum, Wien. * L Es ist wahr, — und kein Jude, der sich in dieser Zeit anmaßlicher Weltseligkeit und der heiliggesprochenen Volks- Selbstsucht seines Gottesvolkstums bewußt geblieben ist, kann daran zweifeln, — daß nichts anderes Mittelpunkt der jüdischen Volksexistenz ist, als Gottes heilige Lehre. Und es ist wahr, daß wir iiberlieferungstreuen Juden uns gegen