Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 694 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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694 Die Juden in ]Rußland und Polen. Diese ruhmreiche Überlieferung setzten fort Rabbi Meir aus Lublin (abgekürzt Maharani genannt, st. 1616), Rabbi Samuel Edels (Maharscha) genannt, st. 1631) — die vertrauten Begleiter jedes fortgeschrittenen Talmudbeflissenen —, Rabbi Sabbatai Kohen (nach den Anfangsbuchstaben seines Hauptwerkes Schach genannt, st. 1663). Rabbi David Halle vi (in ähnlicher Weise Tas genannt, st. 1667) — die beiden berühmten Erklärer des Schulchan Aruch —. und ihnen gesellten sich zu und folgten eine ganze Schar von Berühmtheiten, die nur das eine Ziel im Leben kannten, den Sinn des Gesetzes zu ergründen und seine Kenntnis unter ihrem Volke zu verbreiten. Der Maßstab der Beurteilung. Natürlich, wenn wir diese bemerkenswert vorgeschrittene Stufe der polnisch-jüdischen Kultur beurteilen, haben wir kein Recht, unsern eigenen Maßstab anzulegen. Es scheint in der Tat äußerst absurd zu sein, wenn die Vorkämpfer des neuzeitlichen Geistes, deren größter Stolz die Entwickelungstheorie ist. die Lehre von den unaufhörlichen Veränderungen, denen das menschliche Denken so gut wie das menschliche Leben unterworfen sind, wenn sie voller Anmaßung Anspruch auf Unwandelbarkeit erheben, sobald ihr eigenes Denken in Frage kommt. Das sechzehnte Jahrhundert kann nicht vom Standpunkte des zwanzigsten aus beurteilt werden. Wenn ihnen die polnisch-jüdische Kultur — und in dieser Hinsicht trifft ihre Kritik in gleicher Weise die talmudische Kultur im allgemeinen — eng und kleinlich erscheint, so ist dies mehr ihr Fehler wie der der Zeiten der Vergangenheit. Die talmudische Erörterung ״über das fatale Ei, das ein Huhn gelegt am Festtag״ mag für sie kein Interesse haben, aber sie sind kaum mehr an der Vereinigung der menschlichen Seele mit der schöpferischen Vernunft interessiert, jener tiefsinnigen metaphysischen Idee der jüdisch-arabischen Gedankenwelt, der sie den Tribut der Huldigung und Bewunderung zu zollen nicht ermangeln werden. Wenn das polnisch-jüdische Geistesleben,