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Jeschurun · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 689

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 689 (sequence 81)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 689 Schrift Luft zיa machen. Rabbi Salomon Luria, den wir schon früher einmal erwähnt haben, fuhrt bittere Klage darüber, daß die Baehurim, die Studenten der talmudischen Hochschulen, sich in das Studium des gottlosen Aristoteles vertiefen. Sein großer Zeitgenosse. Rabbi Moses Xsserles aus Krakau beschäftigte sich eifrig mit Mathematik und Astronomie und studierte und schätzte das philosophische Meisterwerk des Maiiäonides. Es ist eine bedeutsame Tatsache, die in der gleichen Richtung liegt, daß die Reformation, die die Seelen der Polen tief bewegte, ein Echo in den Geistern der polnischen Juden fand. Xm Jahre 1581 veröffentlichte ein gewisser Nachman aus Belezytz eine Flugschrift in polnischer Sprache, in Erwiderung eines Angriffs, den ein polnischer Anhänger der Reformation gegen das Judentum gerichtet hatte. Xm Jahre 1094 gab ein anderer polnischer Jude, Isaak aus Troki, ein Karäer, sein הזוק אמונה (.,Kräftigung des Glaubens“) heraus, jenen heftigen Angriff auf die herrschende Religion, der eine intime Kenntnis verrät nicht nur der literarischen Quellen des Christentums, sondern auch der religiösen Händel der christlichen Polen, ein Buch, das späterhin in verschiedene europäische Sprachen übersetzt und von einem Mann wie Voltaire aufs höchste bewundert wurde. Und dennoch fühlte sich der polnische Jude, von der ScÄachta verachtet und von den Bürgern gehaßt, am wohlsten in den vier Wänden seines Hauses, wo die beiden ״,Speisekammern'1 des überlieferten Judentums, Thora und Aboda ihn mit ausreichender Nahrung für Geist und Seele versorgten. Der jüdische Pflichtenkreis. Um mit dem letzteren zu beginnen: die religiöse Praxis, die für den polnischen Juden nicht eine Last, sondern der köstlichste Segen auf Erden war, für den er jeden Morgen seinem Schöpfer heißen Dank darbrachte, fällte jede Ecke und jeden Winkel seines Daseins aus. Gleich allen anderen Phasen in der Entwickelung des polnischen Judentums, erreichte dieses 46

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