Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 683 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rußland und Polen. 683 Gemeinden. Sie ordnete die Beziehungen nicht nur zwischen Juden und Juden sondern auch zwischen den Juden und der nichtjüdischen Welt. Sie übernahm die Bürgschaft für die Besteuerung der Juden, indem sie den Gesamtbetrag mit der Schatzkammer vereinbarte. Sie verteilte diesen Betrag unter die einzelnen Gemeinden, die wiederum die Steuern auf ihre Mitglieder repartierten. Mancher moderne Jude, der über die Zudringlichkeit klagt, mit der Unberufene sich anmaßen, als Wortführer ihres Volkes vor der Regierung zu erscheinen, wird mit freudigem Erstauneji erfahren, daß die Synode einen direkten שתדלן oder Syndikus ernannte, der als der beglaubigte Vertreter jüdischer Interessen vor dem König und dem Landtag auftrat. Das politische Augenmaß der Synode kann aus ihrer vorsorglichen' Verfügung erkannt werden, daß in jeder Provinz eine Summe von 1000 Gulden in der Kasse für den Fall des Auftauchens einer Ritualmord-Beschuldigung bereit gehalten werden müsse, und daß Voranschläge aufgestellt wurden, um weitere Kapitalien zu beschaffen, falls die Umstände dies verlangten. Die Synode sehärfte häufig die Bestimmungen und Beschränkungen ein, die von den polnischen Landtagen angenommen worden waren, und warnte die Juden vor jeder Gesetzesübertretung. Sie bemühte sich, dem bisweilen bei den Juden hervortretenden Streben, in ihren geschäftlichen Beziehungen zu den Nichtjuden die Schärfe ihres Geistes auszunutzen, zu steuern und Einhalt zu tun. In den inneren jüdischen Angelegenheiten wirkte die Synode wie ein vergrößerter Kahal. Den Vorschriften wie dem Beispiel des talmudischen Judentums folgend, richtete sie zuerst und in erster Linie ihre Aufmerksamkeit auf die Frage des jüdischen Unterrichtes, indem sie dafür sorgte, daß. das ganze Land mit einem dichten Netz von Elementarschulen oder חדרים und höheren Schulen oder ישיבות bedeckt wurde. Sie beaufsichtigte — hier gerät wieder der moderne Jude in die Versuchung, das zehnte Gebot zu übertreten — dieliterarischen Veröffentlichungen der Juden, indem kein Buch.